Unser täglich Brot – Gedanken zu Erntedank

Erntedankgaben in der Kirche
Bildrechte Daniel Kelber

Zum Erntedankfest werden auch dieses Jahr wieder viele Kirchen mit einer Erntekrone und mit Obst, Gemüse und anderen Früchten geschmückt. Und vielleicht wird auch wieder ein Laib Brot auf dem Altar liegen. Er soll uns daran erinnern, dass wir Gott von Herzen danken sollen, wenn wir genug zu essen haben und „unser täglich Brot“ genießen können. Während ich diese Zeilen schreibe, ist schon ein Großteil der Ernte eingefahren. Die Obstbäume hängen voller Früchte und viele sind auch schon abgepflückt. Durch die lange Trockenheit waren manche Früchte dieses Jahr nicht so gut und reichlich wie sonst. Durch den Regen in der zweiten Augusthälfte und im September konnten sich viele Pflanzen wieder erholen. Die Weintrauben sind sehr gut gereift und wir können uns mit den Winzern auf einen guten Wein freuen. Alles in allem dürfen wir also doch wieder dankbar sein.

„Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.“ Diesen Bibelvers haben wir vielleicht schon oft gehört, gesprochen oder gesungen. Doch woher kommt er eigentlich? Tatsächlich gibt es mehrere Psalmen, die mit diesen Worten beginnen: Psalm 106, 107, 118 und 136. Obwohl manche Beter Schlimmes erlebt haben, preisen sie Gott für sein Handeln.

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass eine gute Ernte nicht selbstverständlich ist. Und wir wissen auch, dass es in manchen Ländern dieser Erde so wenig regnet, dass es fast gar keine Ernte gibt. Deshalb sollen wir gerne bereit sein, von unserem Überfluss abzugeben und zu teilen, z.B. durch die Beteiligung an Spenden-Aktionen. Damit werden Projekte in vielen Ländern dieser Erde unterstützt, wo Menschen Mangel leiden.

Folgende Geschichte hat mich sehr angerührt und ich erzähle sie gerne weiter: Ein Professor der Medizin stirbt, und seine drei Söhne lösen seinen Haushalt auf. Die Mutter war schon lange vorher gestorben, und der Vater hatte mit einer langjährigen Haushälterin allein gelebt. Im Arbeitszimmer des Vaters finden die Söhne neben vielen wertvollen Dingen in einem Schrank ein steinhartes, vertrocknetes, halbes Brot. Die Haushälterin weiß, was es damit auf sich hatte. In den ersten Jahren nach dem Krieg war der Professor todkrank. Da schickte ihm ein guter Freund ein halbes Brot, damit der Professor etwas zu essen hatte. Der aber dachte an die viel jüngere Tochter eines Nachbarn und ließ dem Mädchen das Brot schicken. Die Nachbarsfamilie aber mochte das wertvolle Brot nicht für sich behalten und gab es weiter an eine arme alte Witwe, die oben im Haus in einer kleinen Dachkammer hauste. Die alte Frau aber brachte das Brot ihrer Tochter, die mit zwei kleinen Kindern ein paar Häuser weiter wohnte und nichts zu essen hatte für die Kinder. Die Mutter dachte, als sie das Brot bekam, an den Medizinprofessor, der todkrank im Bett lag. Sie sagte sich, dass er ihrem Jungen das Leben gerettet und kein Geld dafür genommen hatte. Nun hatte sie eine gute Gelegenheit, es ihm zu danken, und ließ das Brot zum Professor bringen. „Wir haben das Brot sofort wieder erkannt“, sagte die Haushälterin. Als der Professor sein Brot wieder in der Hand hielt, sagte er: „Solange noch Menschen unter uns leben, die so handeln, braucht uns um unsere Zukunft nicht bange zu sein. Dies Brot hat viele satt gemacht, obwohl keiner davon gegessen hat. Dies Brot ist heilig. Es gehört Gott!" So legte er es in den Schrank. Er wollte es immer wieder ansehen, wenn er mal nicht weiterwusste und die Hoffnung verlor. Es war das Brot der Hoffnung. Ein gesegnetes Erntedankfest und einen schönen Herbst wünscht Ihnen

Pfarrer Daniel Kelber