Platz lassen
Vor uns liegt das Jahr 2026, noch unbeschrieben wie ein weißes Blatt.
Aber ist es wirklich unbeschrieben?
Wie oft ist da schon eine Liste mit Plänen, Gedanken und Altlasten, die nur darauf warten das neue Jahr an sich zu reißen. Bevor man sich versieht, sind Termine gesetzt und die Anforderungen groß. Ein neues Jahr soll doch tendenziell besser werden als das vergangene. Auf jeden Fall nicht schlechter. Hoffnungen, Wünsche und manchmal auch Ängste umranken diese Zeit des Übergangs. Plakate werben damit im neuen Jahr die beste Version von sich selbst zu kreieren. Besonders gerne zielen Fitnessstudios darauf ab. Aber die anfängliche Motivation, sein Leben umzukrempeln und in die Hand zu nehmen, hält in den noch dunklen Tagen im Januar oft nicht so lange an. Oder das Leben spielt dann doch anders als geplant.
Die Natur finde ich da realistischer, die erst im März wirklich beginnt, langsam aufzublühen, nachdem sie sich viel Zeit im Dunklen gegeben hat um Altes sterben und Neues entstehen zu lassen.
Und besonders heilsam finde ich die Losung für das Jahr 2026: „Gott spricht, siehe ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5).
Dieser Satz lässt mich aufhorchen und anders auf das kommende Jahr blicken. Ist es nicht eine riesengroße Erleichterung? Nicht ich allein muss alles neu machen. Nicht von mir, meinem Plan und meiner Kraft hängt alles ab. Vielmehr lädt mich dieser Vers aus der Bibel dazu ein, zuallererst loszulassen. Loszulassen von meinem Wunsch, das neue Jahr durchzuplanen und zu kontrollieren.
Er erinnert mich daran, erstmal das Vergangene gut sein zu lassen. Auf dem Weg in das neue Jahr, lasse ich gut sein, was gelungen ist und was nicht gelungen ist. Ich lasse gut sein, wovon ich Abschiednehmen muss. Und ich lasse gut sein, was mir geschenkt wurde an Freude, Liebe und Zuversicht. Was willst du aus dem vergangenen Jahr gut sein lassen?
„Siehe ich mache alles neu!“. Die Worte motivieren mich dazu auf eine andere Art und Weise aktiv zu werden im neuen Jahr. Nicht kontrollierend, planend, besser und schneller. Sondern es fordert mich genau zum Gegenteil heraus. Nämlich ein Stück Weiß zu lassen, unbeschrieben, auf dem Blatt Papier mit dem Namen 2026. Ein Stück Raum zu lassen im neuen Jahr für Gott und sein Wirken. Für Gottes Geist, der auf seine Weise frischen Wind in mein Leben bringen wird. Ja, das wird vielleicht mein Vorsatz für dieses neue Jahr. Platzlassen, immer wieder, für das freie und unkontrollierbare Wirken Gottes in meinem Leben. Wäre das auch etwas für dich?
Miriam Vogt
Ev. Pfarrerin in Ausbildung, Gunzenhausen