Mach die Tür auf! – Gedanken zum 1. Advent von Pfarrer Manfred Schmitt

von | Dez 1, 2023

„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt, erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, dann steht das Christkind vor der Tür.“ Viele kennen noch den Kinderreim, der den Kleinen helfen soll, die Wartezeit bis Weihnachten auszuhalten. Und viele der Erwachsenen und älter Gewordenen erinnern sich noch gerne an die Adventszeit früher, die prall gefüllt war mit Erwartung und Geheimnissen, mit Ungeduld und tiefer Sehnsucht. Das ist uns heute doch eher fremd geworden. Wenn wir etwas wissen wollen, dann holen wir eben unser Smartphone heraus. Wenn wir etwas haben wollen, dann bestellen wir es uns im Internet oder gehen vor Ort shoppen. Wenn uns etwas fehlt, dann gibt es für alles Serviceleistungen oder Notdienste. Nein, die meisten brauchen eigentlich nichts.

Natürlich, die Welt ist schlimm. Der Ukraine-Krieg ohne hoffnungsvolle Perspektive. Der grausame Überfall der Hamas auf Israel mit dem Krieg, der die ganze Region zum Pulverfass macht. Antisemitismus, Hass und Hetze, Gewalt und Mobbing, Frust und Sinnlosigkeit. Unsere Gesellschaft driftet auseinander und unsere Wirtschaft läuft in die Rezession. Klimasorgen und Wohnungsnot prägen immer mehr unsere Zeit, in der der Mangel in so vielen Bereichen unaufhaltsam größer wird.

In einem reichen und sicheren Land, umgetrieben von einer Vielzahl von Problemen, gehen wir in die Adventszeit. Das ist eine Herausforderung. Denn Kinderreime allein werden es nicht richten. Ein Eintauchen in den Vorweihnachtsstress auch nicht. Und für drei Wochen den Kopf in den Sand der schönen Stimmung stecken ebenfalls nicht. Der Advent führt uns nicht zu einem Weihnachtsmärchen. Aber er bereitet uns auf eine Botschaft vor, die wahr ist und heilsam und zukunftsweisend. Darum ist die Adventszeit eine große Chance.

Wir dürfen auf jemanden warten, der an unsre Seite tritt. Der uns nicht mehr allein lässt. Der uns durch und durch kennt, und der uns trotzdem unendlich liebt. Aber er schenkt uns nicht nur seine Solidarität und Sympathie, sondern er hat auch Macht und Möglichkeiten, unser Leben zu verändern und sogar in dieser dunklen Welt Wege zu eröffnen, auf denen wir im Licht und im Segen, mit Freude und Frieden, hoffnungsvoll und zuversichtlich gehen können. Die Adventszeit bekommt ihren Sinn durch die Erwartung, dass der Heiland kommt, der unser Leben neu macht und uns von allem Bösen erlöst.

„Joy to the world, the Lord is come! Let earth receive her king!“ – „Freue dich, Welt, dein König naht! Mach deine Tore weit!“ Dieses Lied von Isaac Watts mit der schönen Melodie von Georg Friedrich Händel klingt durch die Advents- und Weihnachtszeit. Aber es ist ein großer Unterschied, ob man es als – vielleicht sogar lästige – Begleitmusik abtut; oder ob man die Botschaft darin hört und sie annimmt. Eine Welt, die ihren Herrn und König aufnimmt, hat allen Grund zur Freude. Wir warten nicht auf eine rührselige Ansprache oder eine neuerliche Welterklärung. Der Advent richtet unsere Aufmerksamkeit auf die Erwartung eines kleinen Kindes im Stall von Bethlehem, das Lösungen bringt. Genau so war es angekündigt: „Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst; auf dass seine Herrschaft groß werde und des Friedens kein Ende auf dem Thron Davids und in seinem Königreich, dass er’s stärke und stütze durch Recht und Gerechtigkeit von nun an bis in Ewigkeit. Solches wird tun der Eifer des HERRN Zebaoth.“ (Jesaja 9,5-6)

Das ist kein Kinderreim. Das ist die Hoffnung Israels. Das ist der Trost der Kirche. Das ist die Chance für eine Welt in großen Ängsten. Wir beklagen den verlorenen Frieden auf der Erde. Aber der Advent stiftet uns die Hoffnung auf den echten Frieden auf Erden, der durch das Kind von Bethlehem kommt. Jesus schenkt Frieden, wo Menschen ihn aufnehmen.

Die Adventszeit dient der Vorbereitung auf Weihnachten. Hausputz, Schmuck und Lichterglanz sind die äußeren Zeichen der inneren Umkehr und Hinwendung zu dem Herrn Jesus Christus. Als kirchliche Bußzeit erinnert uns der Advent daran, all das zu entsorgen, was unser Leben beschmutzt und in Schuld bringt. So erleichtert, bekommen wir viel Platz für die Freude und den dankbaren Glauben an unseren Heiland. Denn mit Jesus ist die wahre Zeitenwende gekommen. Als wahrer Mensch und wahrer Gott hat ER alleine die Macht, den Riss, der durch unsere Welt geht, zu heilen. Und uns eine neue Heimat zu schenken.

Gabriele Oetker-Kast hat einmal so schön gesagt: „Advent bedeutet: In der Erwartung des Heils leben und im Wissen, dass Gott uns erwartet.“ Das macht so richtig Lust darauf, die Botschaft des Advent neu zu entdecken und dieses Heil ganz neu zu erkennen und anzunehmen, das Gott für uns hat. Dann haben wir nicht nur schöne Häuser voller Licht und Freude und Harmonie, sondern dann haben wir eine Heimat, die uns niemand mehr nehmen kann, weil wir es ganz persönlich wissen: „Christ der Retter ist da!“ Ich finde, das ist ein Ziel der Adventszeit, das sich wirklich lohnt!

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser des Altmühl-Boten, einen Advent als Zeit zum Aufatmen, zur echten Freude und zur Begegnung mit dem, der an Weihnachten als unser Heiland kommt!

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