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Kirchengeschichte Pfofeld 2014

2013. Pfofeld
Foto: Kuhn

Pfofeld 2014  

 

Neuerdings findet man an vielen historischen Bauten, den Kirchen und Schlössern, an Rathäusern, Stadttoren oder anderen markan­ten Gebäuden Schilder, die über das Alter und die Geschichte des Bauwerks kurz informieren, bei Kirchen auch, wem sie geweiht sind oder wer sie erbaut hat. An der Pfofelder St.-Michaels-Kirche, deren Weihe von Donnerstag bis Montag gefeiert wird, gibt es das schon seit fast 900 Jahren.
Selten sind bei Kirchen Pergament­urkunden über deren Gründung vorhanden, in wenigen Fällen Bau­inschriften. In Stein gemeißelt, ist rechts vom südlichen Hauptportal der St.-Michaels-Kirche eine sol­che Bauinschrift zu sehen. Auch wenn nicht mehr alle Buchstaben und auch einige Worte nicht mehr ganz leserlich sind, so berichtet sie doch viel Wissenswertes über das Gotteshaus. Demnach fällt die Er­bauungszeit - es gibt Anzeichen, die das Jahr 1134 nennen - in die Amtszeit des Bischofs Otto, der von 1125 bis 1139 Bischof in Bam­berg war. Bischof Gebhard von Eichstätt hat dem Bau zugestimmt. Neben der Maria ist die Kirche auch noch St. Michael und allen Engeln sowie St. Fabian, St. Sebastian, St. Maurus sowie St. Willi­bald und St. Wunibald geweiht.
Doch nicht nur diese ausführliche Bauinschrift macht das Gottes­haus so interessant, sondern auch die Fresken, die nach dem Zweiten Weltkrieg aufgedeckt wurden. Ver­mutlich war die ursprüngliche Kir­che bis zu ihrem Umbau 1734, als das Schiff nach Westen verlängert und die Emporen eingebaut wurden, stark ausgemalt, wie die Res­te von Fresken auf der Empore oder an der Südwand noch erken­nen lassen. Durch den Einbruch der großen Fenster wurde da si­cher manches zerstört. Fast voll­ständig erhalten ist dagegen die Ausmalung des Chorraums und der halbrunden Apsis. Diese spät­gotischen Fresken aus dem 15. Jahrhundert zeigen viele Heilige in zwei Reihen übereinander. Da ist ganz groß an der Nordwand der Kirchenpatron St. Michael zu se­hen, wie er die Seelen wiegt, flan­kiert von St. Helena und St. Apolo­nia, und in der Reihe darunter die Marterwerkzeuge Christi sowie ein Weihekreuz und ein Engel.
An der Südseite sind St. Sebasti­an, St. Agnes, St. Erasmus und St. Ursula gemalt. Durch den Einbruch eines größeren Fensters sind in der unteren Reihe die Heiligengestal­ten nur noch fragmentarisch erhal­ten und lassen sich auch nicht mehr bestimmen. Dem aufmerksamen Betrachter bleibt nicht ver­borgen, dass das Gewand von St. Ursula sich von den Gewändern der anderen Heiligen unterschei­det. Während diese sehr flächig gemalt sind, trägt St. Ursula ein faltenreiches Gewand.
Über dem Chorbogen ist die Ver­kündigung Mariens dargestellt und die darunter gemalten Gestalten könnten Stifterfiguren sein. In der Wölbung der Apsis ist in einem Medaillon das Lamm Gottes zu se­hen, umrahmt von den Symbolen der vier Evangelisten. In der Reihe darunter, die durch einen Einbruch eines Fensters im 18. Jahrhundert und durch eine Sakramentsnische etwas gestört ist, wechseln sich Heiligengestalten und Weihekreu­ze ab.
Dass im romanischen Chor ein Ba­rockaltar aus dem Jahr 1753 steht, daran hat man sich gewöhnt, und die barocke Kanzel, an deren Kor­pus Gemälde der vier Evangelisten sind, fügt sich eh in das barock gestaltete Langhaus ein. An der Orgel auf der zweiten Empore ist am fünfteiligen Prospekt mit reich geschnitzten Schleierbrettern das Wappen der Markgrafen von Bran­denburg- Ansbach angebracht.
Seit der letzten Renovierung ist die romanische Baugliederung an der Nordseite des Langhauses, am Chor und an der Apsis wieder be­sonders gut zu erkennen. Die ro­manischen Geschosse des Tur­mes, auf denen seit 1793 ein poly­gones Obergeschoss mit hohem Spitzhelm aufsitzt, sind quadra­tisch. In der Glockenstube hängen neben neuen Glocken aus dem 20. Jahrhundert auch zwei historische Glocken. Die ältere stammt aus dem 14. Jahrhundert und wird dem Nürnberger Glockengießer Hermann Kessler zugeschrieben.
Von allen Seiten ist die Kirche ein imposanter Bau, die beste Ansicht ist aber von Süden her, wo die hohe, von Stützpfeilern gehaltene Mauer vom 1722 errichteten Tor­haus der ehemaligen Friedhofsbe­festigung durchbrochen wird. Weil so eine geschlossene Ausmalung eines Chorraums aus dieser Zeit nur noch selten erhalten ist, lohnt sich ein Besuch der St.-Michaels-Kirche. Sie ist zwar ein kunsthisto­risches Gebäude von hohem Rang, aber in erster Linie doch ein Gotteshaus, für das die Glocken ins weite Land hinaus rufen: „Kommt her, ihr Christen voller Freud ...". GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 08.10.2014

© Text: Pfarrer Günter L. Niekel, Muhr am See

© Foto: Horst Kuhn

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

 

2013. Pfofeld 2013. Pfofeld 

 

2013. Pfofeld

 

2013. Pfofeld

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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