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Kirchengeschichte Unterwurmbach 2014

St. Jodokus Unterwurmbach
Altarrraum: Foto Kuhn

Kirchweih Unterwurmbach 2014

 

Dass alte Kirchen der Jung­frau Maria geweiht sind oder St. Martin, St. Petrus oder Jo­hannes den Täufer als Patron haben, trifft man sehr häufig. Dagegen hat die Kirche von Un­terwurmbach ein sehr seltenes Patronat: St. Jodokus, im 9. Jahrhundert einer der meist ver­ehrten Heiligen in Deutschland. Von Donnerstag bis Montag, 25. bis 29. September, wird nun in Unterwurmbach Kirchweih gefeiert.
Wer ist dieser mittlerweile nur noch wenig bekannte Kirchen­heilige? Nach der Überlieferung soll St. Jodokus ein bretonischer Fürstensohn gewesen sein, der im 7. Jahrhundert lebte und aus der Heimat floh, weil er nicht die Nachfolge als Herrscher an­treten wollte. In Frankreich ließ er sich an mehreren Orten als Einsiedler nieder und erhielt schließlich die Priesterweihe. Nach einer langen und be­schwerlichen Wallfahrt nach Rom kam er wieder nach Frank­reich und starb dort im Jahr 669.
Seither gilt er als der Schutz­heilige der Pilger. Da die St.-Jo­dokus- Kirche an einer ehemals bedeutenden Handelsstraße liegt, die sicher auch von Pilgern genutzt wurde, mag die Kirche aus der Kapelle einer Pilgerher­berge oder eines Siechenhauses entstanden sein. Beide Instituti­onen gab es ja in der Nähe der Städte, aber außerhalb deren Mauern. 1412 wird die St.-Jodo­kus- Kirche zu Unterwurmbach erstmals erwähnt, als sie eine Schenkung von Eleonora von Lentersheim erhält.
Aus dieser Zeit stammt ver­mutlich das heutige Gottes­haus, das aber wohl schon ei­nen Vorgängerbau in der Sie­chenhauskapelle hatte. So, wie sich die Kirche heute darstellt, ist sie in vielen Jahrhunderten gewachsen. Ursprünglich stan­den nur das Langhaus, der zweijochige, polygonal ge­schlossene Chor, der aber erst 1904 vollendet wurde, und die Sakristei mit Kreuzrippenge­wölbe. Die Einwölbung des Chores war nur bis zu den ers­ten Rippen des Gewölbes gedie­hen. Auf alten Innenaufnah­men der Kirche ist das unvoll­endete Chorgewölbe noch zu er­kennen.
In 1785 wurde ein Dachreiter auf das Langhaus gebaut und 1787 „zur mehreren Erleuch­tung" zwei zusätzliche Fenster eingebrochen. 1862 wurde der Dachreiter durch den heutigen Turm ersetzt und 1892 wurde an der Westseite eine Rosette eingebrochen. Äußerlich hat die Kirche seither ihr Aussehen nicht mehr verändert.
Im Inneren aber ging der Um­bau weiter bis zum Ende des 20. Jahrhunderts, wenn man die neuen Farbglasfenster des Chor­raums zur Inneneinrichtung zählt. 1848 erhielt die Kirche eine neue Inneneinrichtung. Die Kirche hatte damals zwei Altäre, einen so genannten Kreuzaltar nahe beim spitzbo­gigen Chorbogen und einen neugotischen Hauptaltar, in dem ebenfalls ein Kruzifix war.
Die Kanzel war an der heu­tigen Stelle, allerdings vom Chor her, durch einen rundbo­gigen Zugang begehbar. Den Chor umzog ein Chorgestühl mit gefelderten Brüstungen. Das Chorgewölbe war noch nicht vollendet und das Lang­haus war von einer Holztonne überwölbt, die im Dachraum über der heutigen neugotischen Flachdecke noch zu erkennen ist.
Die Renovierung im Jahr 1904 verändert das Aussehen des Kirchenraums vollständig. Erhalten blieben nur die Empo­ren mit ihren gefelderten Brü­stungen, die durch gedrehte Halbsäulen getrennt sind. Die Flachdecke, deren Balken mit neugotischen Schnitzereien versehen sind, wurde eingezo­gen und das Chorgewölbe fertig ausgebaut. Damit war der Bau nach über 500 Jahren vollen­det.
Der Kreuzaltar wurde ent­fernt und an die Stelle des alten Hochaltars trat der jetzige Altar mit einem Ölgemälde des aufer­stehenden Christus. Interessant ist an diesem Bild, dass an der Platte des Hochgrabs das un­versehrte Siegel zu sehen ist, mit dem Hohenpriester das Grab versiegelten (Mt. 27,66). Die Gemälde der Apostel Petrus und Johannes flankieren das Mittelbild. Zierliche Schnitze­reien schließen den Altar oben ab. Auch die Kanzel wurde er­neuert und der Zugang aus dem Chor heraus ins Langhaus ver­legt.
Bei der jüngsten Renovierung 1965 wurde auf der Westempo­re eine neue Orgel eingebaut. An den Brüstungen von West­-und Nordempore wurde die alte Fassung freigelegt, eine gebro­chen weiße Grundfassung, eine rote Marmorierung in den Fel­dern und an den Halbsäulen und eine blaugraue Marmorie­rung an den Stützen. Die Um­rahmung der Felder und der Hintergrund der Halbsäulchen sind dunkelgrau marmoriert. Auch die dunkelgraue Fassung der Gewölberippen und die Quaderumrahmung der Fenster und des Chorbogens wurden ebenfalls freigelegt.
Als die alte Sakristeitür erneu­ert werden sollte, fand man un­ter der braunen Farbe eine rote Fassung und die Überraschung war groß, als bei weiterer Be­handlung nicht nur ein Orna­ment, sondern auch die Jahres­zahl 1658 zum Vorschein kam. Die Tür ist nun vermutlich der älteste Teil der Kircheneinrich­tung.
Die Glocken hingen bereits auf dem alten Dachreiter. Eine Glocke aus dem Jahr 1785 musste zu Kriegszwecken abge­liefert werden und kehrte nicht mehr zurück. Die andere, von Ernst Johann Lösch in Crails­heim 1789 gegossen, hängt heu­te noch mit den beiden anderen Glocken im Turm. Zwischen ste­henden und hängenden Friesen aus Kleeblattbögen, die auf stili­sierten Kreuzblumen enden, ist als Schulterinschrift zu lesen: „ZV GOTTES LOB VND EHRE GOS MICH IOHANN ERNST LÖSCH ZV CREILSHEIM NACH VNTERWVRMBACH, ANNO 1789." Noch länger ist die Inschrift auf der Flanke. Hier werden die Namen des Amtskastners, des Pfarrers, des Schullehrers und der beiden Heiligenpfleger genannt. Wie seit Jahrhunderten, so laden die Glocken auch heute noch ein zu Andachten und Gottesdiensten. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 25.09.2014

©  Text: Pfarrer i.R. Günther L Niekel, Muhr am See

©  Fotos: Horst Kuhn

 

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

St. Jodokus Unterwurmbach

Blick zur Orgel

 

St. Jodokus Unterwurmbach

Kanzel

 

 

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