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Kirchengeschichte Gunzenhausen 2014

Gun-2012.03 Stadtkirche Gunzenhausen
Foto: Kuhn

Wahrzeichen der Stadt


Die St.-Marien-Kirche prägt Gunzenhausen seit Jahrhunderten

GUNZENHAUSEN - Vielleicht gab es schon zu römischer Zeit Chris­ten in der Gegend des Kastells, das an der Stelle lag, auf der heute die Stadtkirche von Gunzenhausen steht. Mit Sicherheit kann man aber eine Kirche im 8. oder 9. Jahrhundert annehmen, denn 823 schenkt Ludwig der From­me dem Kloster Ellwangen „monaste­rium quod vocatur Gunzinhusir super ripam fluminis Alchmona construc­tum in pago Sualofeld" (= das Kloster, welches Gunzenhausen genannt wird, über dem Ufer des Flusses Altmühl, errichtet im Sualafeldgau).
Zu jedem Kloster gehört auch eine Kirche. Bei in der Zeit des Bischofs Otto von Eichstätt (1145-1149) ge­nannten Kirchweihen handelt es sich dann aber mit Sicherheit um die Kirchweih der Stadtkirche St. Maria Virginis. Dieser Bau wurde im 13. Jahrhundert durch eine größere Kir­che ersetzt, von der noch die drei Un­tergeschosse des Kirchturms erhalten sind, durch das Rundbogenfries ein­deutig der Romanik zuzurechnen.
In dieser Zeit, 1263, lädt Bischof Hildebrand von Eichstätt den Abt von Ellwangen und Friedrich von Truhen­dingen zu einer gerichtlichen Ent­scheidung ihres Streites wegen des Patronatsrechts über die Pfarrkirche, die keinen rechtmäßigen Pfarrer hat, nach Eichstätt vor. Der Eichstätter Bischof gesteht das Patronatsrecht dem Kloster Ellwangen zu. Friedrich von Truhendingen scheint sich mit diesem Schiedsspruch nicht zufrie­dengegeben zu haben, weil Papst Cle­mens IV. eingreift und den Propst von Backnang beauftragt, „den in dem Streit des Klosters Ellwangen mit Friedrich von Truhendingen über das Patronatsrechts der Pfarrkirche zu Gunzenhausen zugunsten des Klos­ters Ellwangen ergangenen gerichtli­chen Spruch des Bischofs von Eich­stätt zum Vollzug zu bringen" (Hist. Ortsnamenbuch Mittelfranken - Gun­zenhausen Nr. 104).
1287 wird dann ein „plebanus de Guntzenhusen" (= Leutpriester in Gunzenhausen) genannt. Von der Kir­che selbst ist in dieser Zeit wenig überliefert. Dass sie einen Stephans­altar hatte, geht aus der Bestätigung einer Mittelmesse im Jahr 1422 durch den Markgrafen Friedrich von Bran­denburg hervor. 1458 wird die Pfarr­kirche der „Seligen Jungfrau Maria zu Gunzenhausen" („Gunczenhawsen Ecclesia Parrochialis Beatae Marie Virginis") in einem Visitationsproto­koll genannt, und in diesem Jahr wird der Sebastiansaltar auch wieder er­wähnt. Zehn Jahre zuvor, 1448, hatte man mit dem Neubau der Kirche be­gonnen. Zuerst wurde der Chor von dem Baumeister Endris von Kemna­ten errichtet. Wie aus einem Schrei­ben des Rates der Stadt Gunzenhau­sen hervorgeht, war er 1461 vollendet. Den hohen, zwei Joche umfassenden und in fünf Seiten des Achtecks ge­schlossenen Raum überspannt ein Sternrippengewölbe, das auf Dreiviertelsäulen endet.
Der Bau des Langhauses begann ei­nige Jahre später, wohl 1469, denn auf einer Konsole im nördlichen Seiten­schiff ist diese Jahreszahl zu fin­den. 1496 war es vollendet. Die Seiten­schiffe des fast doppelt so hohen Mit­telschiffs sind von demselben durch Spitzbogen getrennt. Während das südliche Seitenschiff die Breite des Turmes hat, ist das nördliche wesent­lich schmäler. Alle drei Schiffe sind heute gewölbt. Während die Gewölbe der Seitenschiffe noch in der Gotik eingezogen wurden, hatte das Mittel­schiff nur eine Flachdecke, die den Chorbogen durchschnitt. Erst 1707 kam es zu einer Einwölbung. Obwohl die Gotik längst vorbei war, orientiert man sich doch noch an ihren Formen. Das Gewölbe wurde zwar in der Tech­nik barocker Gewölbe als einfaches Lattengewölbe ausgeführt und die Gewölberippen enden auch auf baro­cken Konsolen, aber in der Figurie­rung lehnte man sich bei den aufge­setzten Rippen an die spätgotischen Formen der Seitenschiffe und des Chores an, sodass die Kirche auf den ersten flüchtigen Blick als gotische Staffelhalle erscheint, zumal die baro­cke Einrichtung bis auf die Kanzel bei der Renovierung im 19. Jahrhundert wieder verschwunden ist.
Bis zur Reformationszeit hatte die Kirche vier Altäre. Außer dem Mari­enaltar, der zugleich der Hochaltar war, und dem schon mehrfach er­wähnten Sebastiansaltar gab es auch noch einen Willibaldsaltar. Diese Al­täre wurden 1707 alle entfernt und im Chor ein Barockaltar aufgestellt. Das Mittelbild, das der Ansbacher Hofma­ler Johann David Fillisch geschaffen hatte, flankierten zwei gewundene Säulen. Die Figur des Weltenrichters krönte den Altar. Einen neuen Tauf­stein, ein Orgelgehäuse und ein Kruzi­fix lieferte der Ansbacher Hofbild­hauer Giuseppe Volpini. Letzteres ist wohl identisch mit dem Kreuz, das heute den Kreuzaltar ziert.
Die gotische Einrichtung kam auf den Kirchenboden. In einem Verzeich­nis aus dem Jahr 1757 ist aufgezeich­net, was da alles an Altartafeln, Ge­mälden, Figuren, Resten von Holzepi­taphien und Totenschilden noch vor­handen war, unter anderem zwei Ta­feln des gotischen Hochaltars mit der Jahreszahl 1456.
Im 19. Jahrhundert entfernte man die barocke Einrichtung wieder und versuchte, durch eine neugotische Einrichtung dem Innenraum wieder ein gotisches Aussehen zu verleihen. Einzig die Kanzel von 1707 blieb er­halten, die Empore im nördlichen Sei­tenschiff und das Altargemälde von Fillisch, das für den 1850 errichteten neuen Hochaltar wieder verwendet wurde. Aus der Zeit der Spätgotik stammen das Epitaph des Paul von Absberg (gest. 1503) an der Ostseite des südlichen Seitenschiffs und ein stark beschädigtes Epitaph an der Südseite des Turms aus dem 15. Jahr­hundert. Bei der Instandsetzung der Kirche wurde auch das gesamte Ge­stühl in Formen der Neugotik erneu­ert.
Nachdem um die Mitte des 20. Jahr­hunderts ein Teil der spätgotischen Fresken wieder freigelegt worden ist, gegen Ende des letzten Jahrhunderts die Chorfenster wieder eine farbige, sich an der Gotik orientierende Vergla­sung erhalten haben und auch der Or­gelprospekt durch den Neubau der Or­gel positiv verändert worden ist, pas­sen Innenraum und Äußeres der Kirche wieder zusammen. Das Gotteshaus er­scheint als gotischer Kirchenbau, in dem die wenigen barocken Bestandtei­le nicht besonders ins Gewicht fallen, sondern sich harmonisch einfügen.
Die Silhouette der St.-Marien-Kir­che prägt das Stadtbild bis auf den heutigen Tag. Auch wenn das Kirch­weihfest stark weltlichen Charakter angenommen hat und die Schwerpunk­te oft anders gesetzt werden, ist doch das Gotteshaus der eigentliche Anlass für dieses Fest, und das sollte man auf keinen Fall in den Hintergrund stellen, zumal die Stadt eine Kirche hat, die sich in jeder Hinsicht sehen lassen kann. GÜNTER L. NIEKEL

 

© Text: Pfarrer i. R. Günter L. Niekel, Muhr am See

©  Fotos: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

Dekanat Gunzenhausen

 

Gunzenhausen-Stadtkirche

Blick auf Kanzel und Kreuzaltar

 

Gunzenhausen-Stadtkirche

Hochaltar im Chorraum

 

Gunzenhausen-Stadtkirche        Stadtkirche Gunzenhausen Christopherus

Orgel der Stadtkirche                                   Ritter von Absberg, Chistopherus

 

 

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