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550 Jahre Grundsteinlegung zur Rieter-Kirche

Kalb_Grundsteinlegung_550Jahre

Im Rahmen eines Festgottesdienstes feierte die Kirchengemeinde Kalbensteinberg am vergangenen Sonntag den 550. Jahrestag der Grundsteinlegung ihrer Kirche. Musikalisch begleitet wurde die Feier vom hiesigen Kirchenchor. Als Ehrengäste waren der ehemalige Kalbensteinberger Pfarrer Günther Schunk, Bürgermeister Helmut Schmaußer sowie Altbürgermeister Fritz Walter anwesend.

Nachdem Pfarrer Martin Geisler mit einführenden Worten Gemeinde und Ehrengäste begrüßt hatte, beschrieb Historiker und Archivrat Daniel Schönwald in einem kurzen Vortrag die Umstände zur Erbauungszeit. Die Rieter-Kirche, ursprünglich als Marienkirche geweiht, trägt heute ein Doppelpatrozinium: St. Maria und Christophorus. Wann genau der zweite Patron hinzugekommen ist, ist eine der Fragen, die bis heute nicht eindeutig geklärt werden konnten. Immerhin existieren in den beiden Seitenaltären Nischen, in denen in vorreformatorischer Zeit angeblich Reliquien der heiligen Walburga, der sprichwörtlichen 11.000 Jungfrauen sowie des heiligen Christophorus aufgewahrt wurden.

Der ortsansässige Historiker erforschte auch die Finanzierung durch Ablässe, von denen einige noch im Stadtarchiv Nürnberg enthalten sind. Überdeutlich ist hier der Zusammenhang mit dem Kirchenneubau. Der erste Ablass stammt von 1460, dem Jahr der Majoratsübernahme durch Paulus Rieter, und kann als Beginn der Vorfinanzierung zum 1464 beginnenden Kirchenbau gesehen werden. Bis 1480 folgten etliche weitere, durch Papst Pius II. und Bischof Wilhelm von Eichstätt ausgestellte Ablässe. Und auch als 1507-1511 der Turm nochmal um ein Obergeschoss erhöht wurde, griffen die Rieter abermals auf das bewährte Finanzierungsmittel zurück, wie ein letzter Ablass von 1510 belegt. In der 20seitigen, reich illustrierten Festschrift beschreibt Daniel Schönwald detailliert den weiteren geschichtlichen Hintergrund.

In der Festpredigt veranschaulichte Pfarrer Martin Geisler mit einer Geschichte von den Steinmetzen, die am Bau des Freiburger Münsters arbeiteten, deren unterschiedlichen Motivation. “Ich baue am Dom!”: Die Antwort des dritten Steinmetzen zeigt, dass es dabei aber um mehr geht, als um das bloße Geldverdienen oder die Arbeit als Mittel zum Zweck. Menschen, die aus dem Glauben leben, sehen alles in einem anderen Licht. Da ist selbst die Arbeit ein Beitrag zur besseren Welt, zum Reich Gottes. Unsere Kirche, deren Grundstein vor 550 Jahren gelegt wurde, soll das irdische Abbild von dem Haus Gottes sein, das uns im Himmel erwartet. Kirche kann aber auch das andere sein: „wenn euch jemand fragt: ‚was ist Kirche‘? Dann antwortet mit dem Jesus Wort: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter euch!“
Pfarrer Geisler stellte die Frage, was uns im Leben trägt, was uns Halt gibt?, und stellte fest: Gerade der Glaube ist so ein göttlicher Funken, der, wenn er zum Feuer wird, etwas ist, von dem wir täglich leben: „Wenn Jesus Christus der Grundstein ist…“

In dem anschließenden Grußwort schilderte der ehemalige Kalbensteinberger Pfarrer Günther Schunk (1964 bis 1972), der 1964 bereits das 500jährige Jubiläum feiern durfte, in seinem Grußwort lebhaft jenen Festtag vor 50 Jahren. Damals war u.a. der Nürnberger Oberbaurat Clauss anwesend, der seinerzeit stets seine “schützende Hand” über diese Kirche gehalten hatte. In Schunks Amtszeit fiel 1970 auch die für Pfarrer und Gemeinde damals schmerzliche Ablöse von Baulast und Patronat durch die Landeskirche, was bis dato bei der durch die Stadt Nürnberg geführten Rieter-Stiftung lag. “Uns wurde damals die Pistole auf die Brust gesetzt…”, ärgert sich Pfarrer Schunk noch heute. Er war damit auch der letzte durch die Stadt Nürnberg in Kalbensteinberg eingesetzte Pfarrer.

Neben der von Thomas Müller gestalteten Festschrift konnte anlässlich des Jubiläums noch eine weitere Publikation herausgegeben werden: der Führer zur so genannten Bilderbibel VITA MARIAE ET CHRISTI, inhaltlich und optisch neu gestaltet, mit einer Einführung von Dr. Thomas Schauerte, dem Leiter des Dürerhauses in Nürnberg und fachkundigem Kenner der Rieter-Kirche.

Nach dem Festgottesdienst wurden die Ehrengäste noch ins Gasthaus Jäger eingeladen, wo Pfarrer Schunk in geselliger Runde Geschichten aus seinen Kalbensteinberger Jahren erzählte.

 

[Text und Foto: Thomas Müller]

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