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Kirchengeschichte Unterasbach 2014

Kirche St. Michael Unterasbach mit Mohnblumenfeld
Foto: Kuhn

Vögel ließen Kirche wandern

Kirchweih in Unterasbach: Der Legende nach wies Gott den Erbauern den Platz


UNTERASBACH - Auch wenn sich die St.-Michaels-Kirche in Un­terasbach heute im barocken Ge­wand präsentiert, kann man un­schwer erkennen, dass sie eine uralte Kirche ist. Da ist zum einen ihre ex­ponierte Lage, weithin sichtbar am Rand der Hochfläche über dem Altmühltal. In vorchristlicher Zeit dien­ten solche Orte als Plätze für germa­nische oder keltische Heiligtümer. Als das Land dann christlich wurde, baute man an den alten Kultstätten Kirchen oder Kapellen. Das mag auch hier der Fall gewesen sein.
Zum anderen deutet das Patrozi­nium auf eine alte Kirchengründung hin. Dem Erzengel Michael, dem Patron der Deutschen, wurden in der Altmühlregion schon in den An­fangszeiten des Christentums Kir­chen geweiht. Die Weihe ihrer Mi­chaelskirche feiern die Unterasba­cher am heutigen Samstag.
Der Sage nach ist die Michaelskir­che eine sogenannte „Wanderkirche". So sollte sie ursprünglich im Dorf er­baut werden. Aber alles, was am Tag unten im Tal an Mauern aufgezogen wurde, war am nächsten Tag oben auf dem Berg. Große Vögel sollen die Steine dahin getragen haben. Schließlich glaubte man darin einen „Fingerzeig Gottes" zu erkennen und erbaute die Kirche an ihrem heutigen Platz auf dem „Michelsbuck".
Auch wenn keine Urkunden über die Erbauung der Kirche in Unteras­bach vorliegen, so kann man auf ihr hohes Alter aus anderen Unterlagen schließen: 1383 traten die Grafen Ludwig und Friedrich von Oettingen das Präsentationsrecht der Pfarrer­stelle Unterasbach an das Kloster Christgarten im Karthäusertal ab.
Im Mittelalter war die Michaelskir­che eine Wallfahrtskirche. In die Zeit, in der in einem Visitationsbericht des Bistums Eichstätt 1458 die Kirche als „Aspach Ecclesia Parrochialis S. Mi­chaelis" (Asbach, Pfarrkirche St. Mi­chael) benannt wird, dürfte auch der Neubau des Gotteshauses fallen, von dem die Untergeschosse des Kirch­turms erhalten sind. 1480 ist nach ei­ner Urkunde das Präsentationsrecht, also das Recht, die Pfarrstelle zu be­setzen, immer noch beim Kloster Christgarten, bis es dann in der Re­formationszeit an den Markgrafen von Ansbach überging.
1707 erhielt das Langhaus seine heutige Gestalt. Auf einer Empore im Chorraum steht unter dem gotischen Sternrippengewölbe die den Kirchenraum beherrschende Orgel, deren ba­rocker Prospekt von einem Ovalbild des Kirchenpatrons St. Michael ge­krönt wird. Unter der Empore steht schier unscheinbar der Altar mit ei­ner aus dem 19. Jahrhundert stam­menden Kopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci. Der Turm erhielt 1752/54 das für den markgräflichen Baumeister David Steingruber typi­sche Obergeschoss. Unter der Spitze waren Öffnungen, die der markgräf­liche Falkner zum Auswurf der Fal­ken benutzte.
Im Dreißigjährigen Krieg scheint die Kirche sehr gelitten zu haben. Ihre beiden Glocken aus dem Jahr 1509 und 1587 gingen dabei verloren. 1666 und 1683 wurden sie aber ersetzt, und 1694 kam eine weitere, von Johann Balthasar Herold in Nürnberg gegos­sene Glocke hinzu. Nachdem das ge­samte Geläut erneuert wurde, kam diese Glocke nach Frickenfelden, wo sie zunächst auf einer großen Eiche hing, bevor sie auf den Turm des ehe­maligen, heute zu einer Kapelle um­gebauten Feuerwehrhauses kam.
Das auf dem Friedhof stehende Gotteshaus wurde in der letzten Zeit mehrfach renoviert und ist eine Zier­de des Altmühltals. Auch wenn es die Unterasbacher etwas weiter zu ihrer Kirche haben, so scheuen sie den Weg nicht. Wegen des herrlichen Aus­blicks über das Altmühltal lohnt es sich, die St.-Michaels-Kirche, die täglich geöffnet ist, auch werktags zu besuchen. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, 06. September 2014

© Text: Pfarrer i. R. Günter Niekel, Muhr am See

© Foto: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

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