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Kirchengeschichte Merkendorf 2014

2013. Merkendorf. Stadtkirche
Foto: Unbekannt

Kirchengeschichte: 2014

 

Merken­dorf feiert Kirchweih . Im Mittel­punkt steht die evangelische Stadtkirche „Unserer Lieben Frau". Ihre wechselvolle Ge­schichte reicht mehr als 500 Jahre zurück.
Wie in den meisten Orten, gibt es auch für das erste kirchliche Gebäude in Merkendorf keine schriftlichen Belege. In einer Urkunde von 1249 wird „Mir­kindorf" erstmals genannt und als „villa" (Dorf) bezeich­net. Nachdem 1398 König Wenzel dem Kloster Heils­bronn erlaubt hatte, „Mirkin­dorf" mit Gräben zu befesti­gen und einen Jahrmarkt ab­zuhalten, ist anzunehmen, dass es in dem Ort auch eine Kirche gab.
1400 wird dann auch eine Egi­dienkapelle „zu Merckendorf" urkundlich erwähnt. Erzbi­schof Eyringus von Navarzan stellte einen Ablassbrief für das Gotteshaus aus. Das Klos­ter Heilsbronn hatte das Prä­sentationsrecht für die Kapel­le, wie aus einer Urkunde von 1458 hervorgeht.
1477 erlaubte Papst Sixtus IV. Bischof Wilhelm von Eichstätt die Abtrennung der Egidienkapelle von der Pfarrei Ober­eschenbach und die Grün­dung einer eigenen Pfarrei in Merkendorf. Im Jahr darauf begann der Bau einer großen Kirche, der heutigen Stadtkir­che. „1478 Jar am Sontag vor Michael ist da der erst Stein gelegt", verkündet die Bauin­schrift am südlichen Treppen­aufgang.
Im Visitationsbericht von 1480 wird die neue Kirche „ecclesia B. Mar. Virginis" (Kirche der glückseligen Jungfrau Maria") genannt, die „noviter est se­parata ab ecclesia Eschen­bach" (neuerdings von der Kirche zu Eschenbach abge­trennt). Aber auch die Egidien­kapelle wird noch erwähnt. 1533 wurde sie mit Zustim­mung des Bischofs von Eich­stätt wegen Baufälligkeit ab­getragen. Zwei Dinge erinnern noch an sie: ein Epitaph an der Ostseite der heutigen Kirche und der unveränderte Kirch­weihtermin. Denn der 1. Sep­tember ist der Gedenktag des heiligen Egidius.
Der Bau des neuen Gotteshau­ses zog sich über mehrere Jah­re hin. Der Turm wurde erst 1528 vollendet, denn zum Aufsetzen der Spitze fehlte das Eichenholz, weil der Abt von Heilsbronn keines in sei­nen Wäldern hatte. Der Amt­mann von Wernfels half des­halb gutwillig aus. Für die Ein­richtung der Kirche sorgte Abt Johannes Wenk von Heils­bronn. 1552 kam zu den beiden schon vorhandenen Glocken eine dritte aus der Münchszeller Kapelle hinzu.
Am Ende des Dreißigjährigen Kriegs brach über die Kirche und die Stadt die erste Katas­trophe herein. Ein Reiter­knecht soll am 12. März 1648 beim Abzug der Truppen aus Merkendorf aus Übermut ein Strohdach angezündet haben. Das Feuer breitete sich auf die ganze Stadt aus und erfasste auch die Kirche, die bis auf die Grundmauern niederbrannte.
Der Wiederaufbau zog sich lange hin. Dabei wechselte das Patrozinium. Die Kirche wurde der „Heiligen Dreifal­tigkeit" geweiht. 1651 goss der Glockengießer Leonhard Löw in Nürnberg aus dem Metall der zerschmolzenen Glocken eine neue Glocke. Ein kleines Glöcklein aus der Heils­bronner Katharinenkapelle kam dazu und 1666 eine drit­te Glocke aus der Kirche von Elpersdorf. Weil letztere aber nur geliehen war, musste sie nach der Instandsetzung des Elpersdorfer Kirchturms wie­der dorthin zurückkehren.
1655 wurde ein Notdach über der Ruine errichtet. 1666 schenkte die Stiftskirchenge­meinde in Ansbach der Mer­kendorfer Kirche einen hölzer­nen Taufstein von „turmähn­licher Gestalt" aus dem Jahr 1557. 1688 schaffte die Ge­meinde sogar eine kleine Or­gel an, die schon 1698 einer größeren weichen musste. Der Chor wurde aber erst 1709 aufgebaut, vermutlich wieder eingewölbt, und die Balkende­cke des Langhauses „mit Bret­tern zierlich ausgeschmückt".
1709 erhielt das Gotteshaus einen vom Ansbacher Hofbild­hauer Giuseppe Volpini geschaffenen Altar mit dem Ge­mälde „Taufe Christi" des Hofmalers Johann David Fil­lisch. Eine zersprungene Glo­cke aus Heilsbronn goss Jo­hann Conrad Roth in Forch­heim um, ebenso wie eine weitere, etwas kleinere. 1739 erneuerte die Gemeinde das Schindeldach des Turms, aber schon 1841 standen erneut Reparaturen an. 1845 erhielt der Turm eine eiserne Helm­stange. Die obere Kuppel deckte man mit Blech sowie 1850 das gesamte Dach mit Schiefer. In einer Beschreibung von Merkendorf wird das Got­teshaus 1801 als „schöne Kir­che" bezeichnet. Die Renovierung in den Jahren 1876 bis 1878 brachte eine durchgreifende Veränderung des Innenraums. Der Barock­altar von Volpini wich einem neugotischen Altaraufbau. Da­zu kam eine neue Kanzel. Ein neuer Taufstein ersetzte seinen Vorgänger aus dem 16. Jahr­hundert. 1886 schlug der Blitz in den Turm ein. Dem Feuer konnten die Bürger jedoch Ein­halt gebieten, sodass nur die Laterne abbrannte.
Immer wieder verschönerten und renovierten die Merken­dorfer ihre Stadtkirche, Chorraum Stadtkirche Merkendorfzum Beispiel 1912 durch die An­schaffung farbiger Chorfens­ter und vier neuer Zifferblätter für die Turmuhr. Auch von au­ßen pflegte die Gemeinde ihr Gotteshaus. 1921 kehrten die im Weltkrieg abgelieferten Or­gelpfeifen zurück, und die Kir­che erhielt eine Gedenktafel für die Gefallenen. 1922 stif­teten die Konfirmanden ein neues Vortragkreuz.
Der neugotische Altar wurde 1932 abgebrochen. An seine Stelle trat ein neuer mit vier im Kunsthandel erworbenen Evangelistenfiguren aus dem 18. Jahrhundert und dem Kru­zifix von Volpini. Doch nicht lange freute sich die Gemein­de an ihrer schönen Kirche. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte sie zusam­men mit vielen weiteren Ge­bäuden der Stadt erneut bis auf die Grundmauern ab. Die zuvor von der Ablieferung zur Waffenproduktion verschonte Glocke schmolz im brennen­den Turm, und von der Innen­einrichtung blieben nur die Altarfigur des Evangelisten Lu­kas und einige spärliche Reste der Farbglasfenster erhalten.
Doch auch diesmal ließen sich die Merkendorfer nicht unter­kriegen und bauten Kirche und Stadt wieder auf. 1953 stellten sie bereits die neue Orgel auf, es folgten der Altar sowie 1956 ein neuer Tauf­stein und eine neue Kanzel. Ein großes Gemälde, eine Leihgabe der Bayerischen Staatsgemäldesammlung, so­wie die gerettete Lukas-Statue und eine Kopie der vernichte­ten Johannes-Figur zieren seit­her den Chor. 1975 erhielt das Geläut Zuwachs. Die neuen Farbglasfenster im Chorhaupt entstanden 1981, und die noch erhaltenen Teile Stadtkirche Merkendorf alte Fensterder al­ten Chorfenster schmücken seit drei Jahren die Seitenfens­ter des Chors.
Nach der Zerstörung haben es die Merkendorfer durch gro­ßen Einsatz und Spenden ge­schafft, ihre Kirche wieder zu einem „Schmuckkästlein" zu machen, und die Worte des Kirchweih-Chorals haben seit­her besonderes Gewicht: „O Herr, noch eines bitten wir: Lass uns auch künftig für und für allhier zusammenkommen, bewahr die Kirch und die Ge­mein ..." - in der Hoffnung, dass Stadt und Gotteshaus in Zukunft keine weiteren Kata­strophen erleben müssen.
GÜNTER L. NIEKEL

 

 Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 04.09.2014

© Text: Pfarrer i.R. Günter L. Niekel, Muhr am See

© Foto: Unbekannt

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

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