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Kirchengeschichte Haundorf 2014

2013. St. Wolfgang Haundorf
Foto: Kuhn

Dörfliche Kirche und höfische Pracht
Haundorfer Gotteshaus zeichnet sich durch harmonisches Miteinander von Gotik und Barock aus


HAUNDORF - Gotik und Ba­rock, Dorfkirche und höfisches Gotteshaus, getrennt und doch miteinander verbunden - beides findet man in der St.-Wolfgangs-Kirche in Haundorf.

Im äußeren Erscheinungsbild stellt sich das Gotteshaus als eine typisch fränkische Dorfkirche dar, aus glatten Quadern des Sandsteins erbaut, der in der Ge­gend gebrochen wurde. An das rechteckige Langhaus mit steilem Satteldach schließt sich im Osten der quadratische Chor an, der bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts noch einen imposanten Fach­werkgiebel hatte, und im Westen steht der Turm mit hohem Spitz­helm. Spitzbogig geschlossene Türen führen an der Nord- und Südseite in den Kirchenraum und auch die Fenster des Chorraums und zwei Fenster am Langhaus haben einen spitzbogigen Ab­schluss. Aber da sind noch das achteckige Obergeschoss des Turms, ein rundbogig geschlosse­nes Fenster an der Südseite des Langhauses und rundbogige Fenster an der Nordseite. Das alles ist nicht gotisch, sondern stammt aus der Barockzeit, har­moniert aber gut zusammen.
Im Innenraum der Kirche ist die Trennung noch deutlicher. Der spitzbogige Chorbogen, an dessen Scheitelstein die Jahres­zahl 1458 in gotischen Ziffern zu lesen ist, trennt den gotischen Chor vom barock gestalteten Langhaus. Die Rankenmalereien am Chorbogen, die Fresken des Sternengewölbes, die die vier Evangelisten und die vier Kir­chenväter darstellen, sind reinste Gotik, ebenso die Bildergalerie der St.-Wolfgangs-Legende an der Nordseite und die Darstel­lung eines Heiligen an der Süd­seite und eines kaum mehr er­kennbaren Engels an der Ostsei­te. 1473 wurden sie geschaffen.
Das Langhaus dagegen ist ba­rock gestaltet. Emporen mit ge­felderten Brüstungen umziehen den Innenraum an der West- und Nordseite. Die Kanzel 2013-Haundorf St. Wolfgangmit Eck­säulchen zwischen den mit Zier­leisten gestalteten Brüstungsfel­dern und einem mit Akanthus­ranken verzierten Deckel, den eine Engelsfigur krönt, stammt ebenfalls aus der Barockzeit und wurde von dem bekannten Ansbacher Hofschreiner Giuseppe Volpini gefertigt. Ein besonderer Schmuck ist aber das gewaltige Stuckwappen der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach mit­ten an der Langhausdecke, um­geben von einem Lorbeerkranz, üppig wuchernden Akanthus­ranken und zwei Muscheln. Die übrige Decke ist mit einfacherem Stuck in Kreise und andere Fel­der eingeteilt.
Der barocke Stil greift aber auch noch in den gotischen Chor hinein, denn hier steht ein präch­tiger, zweisäuliger Altar, an dem gleich drei namhafte Künstler arbeiteten; die Schnitzereien - Gottvater mit der Weltkugel und die beiden Engel, die den Altar bekrönen, sowie die Akanthus­ranken an den Seiten - schuf Volpini, das Altargemälde, die Taufe Jesu Christi darstellend, stammt von Johann David Fil­lisch, der auch das Altarbild der Stadtkirche in Gunzenhausen malte, und die Fassungen sind Arbeiten von Sebastian Ludwig Hopfer, der im 18. Jahrhundert ebenfalls am Ansbacher Hof tä­tig war.
Gotik und Barock in guter Harmonie, aber auch Dorfkir­che und höfische Kirche. Das große markgräfliche Stuckwap­pen, geschaffen von Matthias Auer von Ellingen, der auch die Decke der Spitalkirche in Gun­zenhausen stuckierte, weist deutlich darauf hin. Höfischer Glanz in einer von einsamen Wäldern umgebenen Kirche? Die Erklärung ist einfach. Nicht weit von Haundorf entfernt stand das 1695 von Markgraf Georg Friedrich d. J. von Bran­denburg erbaute und 1738 von Markgraf Carl Wilhelm Fried­rich von Brandenburg umge­staltete Jagdschlösschen Geor­genthal. In dem Schlösschen lebte die Geliebte des „wilden" Markgrafen, Elisabeth Wünsch. Hier gebar sie dem Markgrafen auch vier Kinder, deren Taufen im Haundorfer Kirchenbuch eingetragen sind. Die Haundor­fer St.-Wolfgangs-Kirche war also die Hofkirche für das Jagd­schlösschen Georgenthal. Elisa­beth Wünsch besuchte hier den Gottesdienst und hatte auch hier eine eigene Loge. Was heu­te als rundbogig geschlossenes Fenster erscheint, war Haundorf St. Wolfgangder Ein­gang zur Loge, die nach dem Ende der Markgrafenzeit wie­der abgebaut wurde. Die gedie­gene Einrichtung und Ausge­staltung der gesamten Kirche zeigt, dass es sich der Markgraf einiges kosten ließ - 953 Gulden soll der Umbau gekostet haben - um seiner Geliebten, die als eine sehr kirchentreue Frau beschrieben wird, einen standes­gemäßen Kirchenraum zu schaf­fen. Ihr war auch die erste Or­gel der Kirche zu verdanken. 1713 stiftete der Markgraf dann auch noch ein Ölgemälde „Christus am Ölberg". Als der Kirchenraum nach der Neuge­staltung 1706 eingeweiht wur­de, war der markgräfliche Hof aus Ansbach dabei. Der Kantor Frey aus Gunzenhausen „hielt Musik mit seinen Musicis", die Haundorfer Bürger spendierten für die vierzehn Pferde der Eh­rengäste reichlich Hafer und Heu.
Das Jagdschlösschen ließ der Sohn, Markgraf Alexander, 1794 abtragen. Das höfische Leben in der Kirchengemeinde Haundorf war erloschen, geblie­ben ist aber die Pracht des Kircheninnenraums, in der das fürstliche Leben noch nach­klingt, und geblieben ist das, was auch schon früher den Adel mit den gewöhnlichen Gottes­dienstbesuchern vereinte: die Kirche als ein Ort der Anbe­tung, des Lobpreises und der Verkündigung des Wortes Got­tes. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 15.08.2014

© Text: Pfarrer i.R. Günter L. Niekel

© Foto: Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

 

2013-Haundorf St. Wolfgang

 

2013-Haundorf St. Wolfgang

 

2013-Haundorf St. Wolfgang

 

2013-Haundorf St. Wolfgang 205. Haundorf, St. Wolfgang

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