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Kirchengeschichte Laubenzedel 2014

Kirche in Laubenzedel
St. Sixtuskirche. Foto. unbekannt

St. Sixtus-Kirche

 

Der typisch fränkische Kirch­turm der St. Sixtuskirche, der hoch über die Dächer von Lau­benzedel hinaus ragt, lässt die Frage offen, in welchem Stil die Kirche erbaut ist. Fährt man von Westen auf das Gotteshaus zu, könnte man eine Barockkirche vermuten, wenn man den Trep­penturm mit seiner geschwunge­nen Haube vor dem Giebel sieht. Geht man um die Kirche herum, weist die zeitliche Datierung eher in die Gotik, denn da zeigt sich die typische Gliederung einer fränkischen gotischen Dorfkir­che: rechteckiges Langhaus mit steilem Satteldach im Westen und im Osten ein in drei Seiten des Achtecks geschlossener Chor mir Strebepfeiler n. Zur Go­tik aber passen nun wiederum nicht die rundbogigen Fensterab­schlüsse am Chor und am Lang­haus.
An der Südseite des Langhau­ses ist schließlich die Jahreszahl 1415 in gotischen Ziffer n zu ent­decken. Also doch eine spätgoti­sche Kirche! Obwohl im Innern wieder viel Barock ist, lässt sich die Entstehungszeit der Kirche im 15. Jahrhundert nicht verleug­nen. Die gesamte Einrichtung stammt zwar aus den Jahren 1707-1709; auch der rundbogig geschlossene Chorbogen wurde erst in dieser Zeit anstelle eines gotisch-spitzbogigen Chorbogen errichtet und die ehemaligen Spitzbogenfenster rundbogig ge­schlossen, aber die tragenden Elemente des gotischen Baues, die Außenmauern und die Stern­rippengewölbe über dem nahezu quadratischen Langhaus und dem um einige Stufen erhöhten Chor blieben erhalten. Ihre reiche Akanthusstuckverkleidung der gotischen Rippen aus dem 18. Jahrhundert ist aber bis heute eine Besonderheit der St. Sixtus­kirche.
Bedeutende Künstler des 18. Jahrhunderts haben die Einrich­tung geschaffen. Der Altar mit einem überlebensgroßen Kruzi­fix, das am Sockel von zwei Engeln flankiert wird, ist ein Werk des Ansbacher markgräfli­chen Hofbildhauers Giuseppe Volpini. Auch die Kanzel stammt von ihm. Am Korpus sind die Büsten 2014_Laubenzedelder vier Evangelisten mit ihren Symbolen sowie des Mose mit den Gesetzestafeln und des Petrus mit den Himmelsschlüs­seln. Die Felder sind durch Fruchtgehänge und geflügelte Engelsköpfchen abgeteilt. Ein Akanthusband zieht sich unter den Büsten hin, und unter je­dem Feld hängt noch ein Fruchtbogen. Auf dem ebenfalls mit Akanthusdekor gezierten Kanzeldeckel steht ein Engel. Als der 1670 vermutlich in Mai­land geborene Künstler Giusep­pe Volpini, der seine Karriere 1704 am Hof des Markgrafen Wilhelm Friedrich von Ansbach-Brandenburg begann, die Ein­richtung der St. Sixtuskirche zwischen 1707 und 1709 schuf, stand er auf dem Höhepunkt seines Schaffens in der Mark­grafschaft, denn ab 1711 war er hauptsächlich in München tätig, wo er ab 1715 das Amt des Hofbildhauers bekleidete und an der Ausgestaltung der Schlösser Nymphenburg und Schleißheim maßgeblich beteiligt war.
Harmonisch fügen sich in den barock umgestalteten gotischen Kirchenraum die doppelten Em­poren an der Süd-, West- und Nordseite ein. Mit ihren gefelder­ten Brüstungen ruhen sie auf mar­morierten Holzsäulen. An der Brüstungen der oberen Westem­pore befindet sich vor der Orgel mit neuzeitlichem, siebenteiligen Prospekt das Wappen der Mark­grafen von Ansbach-Branden­burg. In derselben Zeit, in der die Emporen errichtet wurden, wur­den auch das Chorgestühl mit gefelderter, hoher Rückwand und Brüstung an der Nord- und Süd­seite des Chores und das Langhausgestühl eingebaut. Hier ist vor jeder Bank ein Türchen. Der Tauf­stein unter dem Chorbogen ist ein Werk der Neugotik. Zu den neues­ten Kunstwerken des so reich ge­schmückten Gotteshauses zählen die Farbglasfenster im Chor.
Die Laubenzedeler wissen den Wert ihres Gotteshauses zu schät­zen und sorgen dafür, dass es im­mer in gutem Zustand ist. Am schönsten wirkt aber der Schmuck des Gotteshauses, wenn durch die hohen Chorfenster die Son­nenstrahlen auf eine zahlreich ver­sammelte Gemeinde fallen, die mit ihrem Erscheinen das Psalmwort bestätigt: „HERR, ich habe lieb die Stätte deines Hauses und den Ort, da deine Ehre wohnte!"

 

©  Text: Pfarrer GÜNTER L. NIEKEL

© Foto: Unbekannt

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

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