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Die Kalbensteinberger Glocken (Teil 1)

Kalb_Glocken1

Man hört es gern, das Läuten der Kalbensteinberger Glocken. Doch war das unter Umständen nicht immer so ungefährlich wie man denken mag: 1736, während der Beerdigung des alten Untererlbacher Müllers Urban Guttenberger, fiel der Schwengel aus der großen Glocke und schlug in die Turmwand, wo eben noch der Schulmeister gestanden hatte, "der ohnfehlbar davon würde getroffen worden seyn, soferne er nicht eben die Stiegen herab gekommen wäre, wohin ihme auch das Stück vom Schwengel nachgefallen.". Ob es sich dabei um einen Wink von höherer Stelle gehandelt hat? Zuvor hatte die Wittwe Guttenberger aufgrund des Umstands, daß der Verstorbene ein gebürtiger Kalber war, die "Ansuchung" getan, der Leichnam möge in den vorderen Kirchhof beerdigt werden", was von Pfarrer Hartwig jedoch abgelehnt wurde: Die Untererlbacher Toten seien schon immer im hinteren, die Hiesigen im vorderen Kirchhof begraben worden. Selbst die ältesten Leute hier hätten kein "exemplum in contrarium" (gegenteiliges Beispiel) gewußt.

 

Wie war der Glockenschwengel befestigt?

Der Schwengel hing in der Glocke freischwingend an einem breiten Lederriemen. Ein alter und brüchiger Riemen konnte schon einmal abreißen, weshalb er in gewissen Abständen ausgetauscht werden mußte. In alten Kirchenrechnungen finden sich mehrere solcher Posten, so 1613: "Für den Ledern Riemen zum Schwengel in der großen Glockhen, dem Sattler zue Spallt, von Neuem zuflickhen... 2 Pfund 24 Pfennig". Weitere Rechnungen für neue Riemen sind für die Jahre 1665, 1667, 1685 und 1688 belegt.

 

Beim Glockenläuten vom Blitz erschlagen

Im Jahr 1717 gab es einen tragischen Unglücksfall: Maria Margaretha Stephan (28 J.), des Organisten Dienstmagd, und Johann Georg Buchinger (18 J.), des "Oberen Wirths" Sohn, wurden abends zwischen 7 und 8 Uhr in der Kirche beim Glockenläuten "vom Wetterschlag getödtet". Überhaupt gab es immer wieder Blitzeinschläge in den Turm: neben dem Unglück von 1717 werden auch in den Jahren 1590, 1731 und 1824 Einschläge durch "Blitz-" und "Donnerstrahle" erwähnt: "Nachmittags 2 Uhr schlug der Blitz bey einem geringem Gewitter, das nur wenige Blitze mit sich führte, in den Kirchthurm. Die westliche Seite der Thurmuhr war besonders beschädigt." 1913 wurde ein neuer Blitzableiter auf Kirche und Turm installiert, der anscheinend effektiver war.

 

Vier Glocken

Bis zum Erster Weltkrieg befanden sich insgesamt vier Glocken auf dem Turm, drei davon im Glockenstuhl: "In der Mitte die größte, sog. 12-Uhr-Glocke, nach Westen die mittlere, sog. 11-Uhr-Glocke und im Osten die Betglocke, die kleinste von den dreien". Die vierte Glocke, das sog. Gemeindeglöcklein, war am "Turmdach in einem besonderen Vorbau" angebracht (Abb. 1).


Abb. 1: Das "Erkerlein" mit der Gemeindeglocke (Kupferstich von 1759, Original im Pfarramt Kalbensteinberg)

Auf der 11-Uhr-Glocke von 1540 befindet sich eine lateinische Umschrift, die übersetzt lautet: "O Lamm Gottes, der du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich." Auf der großen 12-Uhr-Glocke von 1542 (umgegossen 1892): "Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang und jetzt." Zwischen den Worten waren an vier Stellen heilige Figuren angebracht. Die kleine Betglocke wurde 1854 von J. A. Kaernlein in Nürnberg (um)gegossen und ist ohne Aufschrift. Das Gemeinde- oder Schlagglöcklein wurde am 16. Mai 1571 "sambt den Erckher hinauf gezogen, aufgericht unnd gehenckt", wie in Pfarrer Hartungs Aufzeichnungen zu lesen ist. Bei dem Blitzeinschlag von 1824 wurde dieses kupferne Erkerlein allerdings so zerstört, daß es abgebrochen werden mußte. Das Gemeindeglöcklein wurde dann im südlichen Schalloch des Turms aufgehängt (Abb. 2).

 

Reparaturen und Umgießungen

Besonders dieses kleine, 1571 in Nürnberg gekaufte Gemeindeglöcklein schien von Anfang an nicht so recht seinen Dienst zu erfüllen. So war 1582 mehrmals des "Glockengießers Knecht allhier gewest" und hat das "Gehenck gepeßert". Für das Jahr 1685 ist dann eine Umgießung dieser Glocke belegt.

Abb. 2: Das Gemeindeglöcklein war ab 1824 im südlichen Schalloch aufgehängt; Ansichtskarte von 1903

Auch die Betglocke wurde mehrmals umgegossen. 1729 wurden Kalber Bauern mit einem "guten Wagen und 4 Ochsen" nach Nürnberg geschickt, um die neue Glocke abzuholen. Diese hielt aber keine 100 Jahre, denn bereits 1853 wird durch Pfarrer Jubitz eine Umgießung der "seit 1825 gesprungenen Betglocke" bei der Stiftungsverwaltung beantragt. Zudem hat sich ein Unfall zugetragen: Das im Schalloch hängende Gemeindeglöcklein ist "am 2ten Weihnachtsfeiertag während des Läutens in den Kirchhof herabgestürzt und hat sich ein Stück von der Krone abgeschlagen". So konnte bis auf weiteres nur mit zwei Glocken geläutet werden.

Aber auch mit der großen Glocke gab es im Lauf der Jahrhunderte immer wieder Probleme: Am 10. Oktober 1825, beim Trauergeläut für König Maximilian von Bayern, bekam die große Glocke einen Sprung, der sie "schittern" machte. Bis zur Reparatur hörte man vorerst auf, sie zu läuten. Aber anscheinend hielt diese Ausbesserung nicht dauerhaft: Im Jahr 1892 wurde die große Glocke, die "allmählich den Klang fast verloren" hatte, in Nürnberg umgegossen. Der Transport ging diesmal mit der Eisenbahn nach Gunzenhausen, wo sie von der Gemeinde abgeholt wurde.

 

(Fortsetzung... Teil 2)

 

Quellen: Pfarrarchiv Kalbensteinberg, Akten PfA73, PfA78, PfA154, PfA178, PfA179; Rechnungen PfAR1, Rechnungsbuch 1613; Matrikel PfM4, PfM5 Literatur: Gottfried Putz, Kalbensteinberg und seine Kirche, 1914; Werner Spoerl, Rieter-Kirche Kalbensteinberg, 1982; Deutscher Glockenatlas Mittelfranken, 1973

[Text: Thomas Müller]

 

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