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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Ostern 2014

Ostern 2013
Ostern 2014

Ruhiges und sonniges Ostern
Starker Ausflugsverkehr im Fränkischen Seenland


  GUNZENHAUSEN (fa) - Rein meteorologisch gesehen hat Ostern mehr gebracht als es die Wetterfrösche prognostiziert hatten. Die Menschen im Fränkischen Seenland durften ein verlängertes Wochenende bei Sonnen­schein und angenehmen Temperaturen erleben, die erwarteten Regenschauer blieben aus
  In den evangelischen Gemeinden ka­men die Christen am Karfreitag zu Gottesdiensten zusammen, um der Kreuzigung Jesu zu gedenken. Damit endete zugleich die Karwoche. In der Stadtkirche feierte man am Sonntag schon um 5 Uhr die Osternacht mit dem Taizé-Orchester. Gestern, am Ostermontag,  predigte Dekan Klaus Mendel.
  In Merkendorf ging Stadtpfarrer Detlef Meyer in seiner Kurzpredigt auf das Gemälde „Auferstehung Christi" von Matthias Grünewald ein und zog Parallelen zum heutigen Leben der Menschen. Anschließend ging es ins Gemeindehaus zum reichlich vorhan­denen Osterfrühstück. Die Kinder fei­erten ihre Osterfeier.

 

 

 Predigt in der Stadtkirche Gunzenhausen: Pfarrer Claus Bergmann

1. Korinther 15,19-24

20.4.2014

Ostersonntag

9.30 Uhr Gunzenhausen Stadtkirche

 

 

 

 

 

Liebe Gemeinde!

Was hat es eigentlich auf sich mit der Auferstehung Jesu? Kann man das glauben? Darf man das glauben? Oder ist das alles nur uneigentliche Rede? Nur bildhaft gemeint? Um diese Fragen wird heute wieder heiß gerungen, ebenso wie in den Anfangsjahren der Christenheit. Der Apostel Paulus setzt sich im 1. Korintherbrief damit auseinander, ich lese Kapitel 15, Vers 19 bis 24:

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden. Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.

Ernsthafte Forscher betonen heute: So etwas wie Auferstehung von den Toten ist nach dem heutigen wissenschaftlichen Weltbild nicht mehr vorstellbar! Wenn wir im Neuen Testament genau hinsehen, stellen wir allerdings fest: Es war schon damals nicht denkbar. Als Jesus zu Lebzeiten, beim Abstieg vom Berg der Verklärung, davon redet, da sagen die Jünger: Was ist das, auferstehen von den Toten? Offensichtlich keinerlei Vorstellung! Denn verstehen können wir nur durch Analogie - so hat einmal der große Historiker Ernst Troeltsch gesagt. Also indem wir Dinge mit Ähnlichem vergleichen.

Aber da geschieht am dritten Tag nach der Hinrichtung Jesu etwas absolut Neues, Unvergleichbares, total Unähnliches. Wenn wir in die Texte hineinhorchen, spüren wir, wie die Menschen von einer absolut unvorstellbaren Wirklichkeit richtiggehend überrollt werden. Da war mehr als die Wiederbelebung einer Leiche. Das kannten die Jünger und wussten: Lazarus, die Tochter des Jairus, der Jüngling von Nain - sie würden eines Tages doch sterben müssen. Das war auch mehr als ein Geist aus dem Totenreich wie einst Samuel, den die Totenbeschwörerin für König Saul heraufgeholt hatte und der wieder dort verschwand. Das war keine Vision, die sich in den Jüngern abgespielt hätte. Da hätte sich ja ein Bild von Jesus gespiegelt, das sie kannten. Das Auffällige an den Begegnungen mit dem Auferstandenen ist aber gerade, dass sie ihn zuerst nicht erkennen, Maria aus Magdala nicht, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus nicht, und beim Fischen auch nicht. Eine Existenz, die über unser normales Menschsein weit hinausgeht, die erscheinen und verschwinden kann, nicht festzuhalten, und doch von wirklicher Leibhaftigkeit, hörbar, betastbar, erkennbar an den Wundmalen. Miteinander gegessen haben sie. Mehr als ein Gedanke, denn die Leiche Jesu war ja auch noch weg. In Klammern: Mit einer verwesenden Leiche Jesu im Grab hätte damals kein Mensch in Jerusalem der Botschaft der Jünger Glauben geschenkt.

Wie können wir von etwas reden, das noch niemals da war? Von etwas absolut Neuem, das plötzlich in unsere Wirklichkeit einbricht? Das all unser Verstehen und Vorstellen auf den Kopf stellt? Das war das Problem der Jünger damals. Und doch war dieses Geschehen so real, so voller Wirklichkeit, dass diese Menschen nicht anders konnten, als fortan Zeugen des Unerklärlichen zu sein, Zeugen der Auferstehung Jesu. Ja, sogar ihr Leben setzten sie aufs Spiel für dieses Bekenntnis: Christus ist gestorben für unsre Sünden nach der Schrift und ist begraben worden und ist auferstanden am dritten Tage nach der Schrift und ist gesehen worden von Kephas, danach von den Zwölfen.

Nicht mehr und nicht weniger als eine Zeitenwende ereignet sich da an diesem Ostertag. Und erst nach und nach können die Jünger Jesu es ansatzweise fassen, vom Alten Testament her begreifen. Aber seither ist alles anders! Ein Neuanfang in der alten Welt! So versucht das auch Paulus den Christen in Korinth klar zu machen: Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Ist! Eine Tatsache, für die er kurz vor unserem Predigttext eine ganze Liste von Zeugen anführt, die dem Auferstandenen begegnet sind, Zeugen, die sie damals noch befragen konnten.

Und Paulus argumentiert nun weiter: Wenn das wahr ist mit der Auferstehung Jesu von den Toten - und es ist wahr, dafür stehen nicht nur die vielen Hundert Zeugen, sondern mir selbst, Paulus, ist er ja auch begegnet, hat mein Leben aus seinen wohlgeordneten Bahnen geworfen! Wenn es diesen Einbruch Gottes in unsere Welt des Todes gab, dann ist damit nun eine Tür geöffnet! Ein Ausblick ist möglich hinter die Todesmauer, über die wir sonst nur mit Vermutungen und Hoffnungen und Befürchtungen hinweg kommen. Die Tatsache der Auferstehung Jesu ist bei Paulus die Grundlage für die andere Gewißheit: Nach dem Tod kommt nicht etwa nichts! Da ist nicht ewiges Dunkel oder Verlöschen, da ist auch nicht ewige Wiederkehr. Nein, nach dem Tod kommt eine Auferstehung! Das dürfen alle hören und glauben, die Angst haben vor dem Tod, die spüren: Meine Kräfte werden weniger. Die fragen: War das schon alles? Die an den Gräbern stehen oder selbst die Diagnose „unheilbar" bekamen. Hört: Es kommt nicht das Ende, sondern eine wunderbare Verwandlung!

Die Leute in Korinth wollten das damals nicht glauben, aber Paulus sagt: Jesus hat es doch bewiesen! Er ist doch auferstanden! Ihr könnt euch also darauf verlassen! Das ist jetzt eine feste Gewissheit! Seit Ostern ist es realistisch, wenn wir bei unserer Lebensplanung nicht nur bis zu unserem Tode denken, sondern darüber hinaus.

Ich weiß nicht, wie weit Babys im Mutterleib denken können. Aber versuchen wir uns trotzdem mal in so ein kleines Wesen hineinzudenken. Vielleicht überlegt es: Ich habe alles, was ich brauche, es ist wunderschön hier. Meine Mutti versorgt mich bestens. Warm ist es, ich höre ihren Herzschlag. Durch die Nabelschnur bin ich ganz eng mit ihr verbunden. Nur eines ist kritisch: Ich wachse immerzu, aber die Höhle, in der ich lebe, die kann gar nicht immer größer werden. Ich werde hier eines Tages also heraus müssen. Und was dann? Gibt es ein Leben jenseits der Mutter? Gibt es ein Leben nach der Geburt? Ich höre zwar manchmal Stimmen und Geräusche, als sei da draußen etwas, aber es ist doch noch keiner zurückgekommen. So kann sich das Baby sein kleines Gehirn zergrübeln. Aber eines Tages wird es erleben: Das, was wie das Ende erscheint, geboren werden, das ist der Anbruch eines ganz neuen Lebens im Licht! Darauf steuern auch wir zu: Neues Leben im Licht! Und Jesu Auferstehung schenkt uns die Gewissheit: Das ist nicht nur vage Hoffnung, nein, es kommt tatsächlich!

Die große Frage heute ist: Wie gehen wir mit dieser neuen Realität um? Mit diesem Jesus, der auferstanden ist und nun nicht mehr stirbt? Sondern an der Seite Gottes lebt und doch auch mit uns leben will? Darf er nun unsere Wirklichkeit bestimmen? Gottes Auferstehungswirklichkeit in unserer Welt des Todes? Darf Ostern mehr sein als ein Gewohnheitsfest mit einmal Gottesdienst, dazu Osternest und bunte Eier? Darf Ostern meine Lebensausrichtung bestimmen? Auferstehungshoffnung mitten im Scheitern, in Krankheitsschmerzen und Existenzängsten, im stressigen Berufsalltag? Das könnte sein, wenn wir die Auferstehungsbotschaft und damit den auferstandenen Herrn Jesus Christus selbst in unser Herz, in unser Leben einlassen. Wer sich ihm öffnen möchte, oder wieder neu öffnen möchte: Im Abendmahl feiert er selbst, der gekreuzigte und auferstandene Herr mit uns und kommt in unser ganz persönliches Leben mit seinen ganz speziellen Nöten hinein. Und wir bekommen Anteil an der Auferstehung! Pharmakon Anastasias - Medikament der Auferstehung - so nannten es deshalb die Kirchenväter. Amen.

 

 

2014_Gunzenhausen, Osternacht

In der Stadtkirche Gunzenhausen gestaltete Pfarrer Ekkehard Malcher

(hinten rechts) gemeinsam mit dem Taizè-Team die Osternacht.

 

2014.04.20 Osternacht in Merkendorf

In der mit Hunderten von Lichtern Iluminierten Merkendorfer Stadtkirche

beging die Kirchengemeinde die Osternacht.

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 22. April 2014

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsrefernt

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