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2013.10.27 Einweihung Wehlenberger Kerchla

2013.10. Wehlenberger Kerchla
Franziskus-Kerchla bei Wehlenberg. Foto: Unbekannt

Ort der Ökumene

Neues Franziskus-Kirchlein bestand den Sturmtest



MUHR AM SEE (ley) - Diese Szene war an Symbolkraft kaum zu über­bieten: Während der Sturm das an­lässlich der Einweihung des Franziskus- Kerchlas zwischen Muhr am See und Wehlenberg aufgestellte Festzelt am Ende der Zeremonie beinahe aus den Angeln hob, fanden die Gäste nach der Flucht aus dem Provisorium Schutz im Gotteshäuschen selbst.
Echte Sicherheit gib es nur bei mir - so schien es der Schöpfer selbst den Gläubigen sagen zu wollen, die nach dem Abzug der Regenfront die Gele­genheit nutzten, die ökumenische Ka­pelle näher zu inspizieren oder sich bei einem Glühwein im glücklicher­weise noch stehenden Zelt aufzuwär­men.
Den Beginn der Feierlichkeit hatten die knapp 300 Besucher noch bei eher mildem Wetter erlebt, wenn auch zum Start schon Wind und Wolken die At­mosphäre bestimmten. Wie dem zum Trotz stimmte der Muhrer Posaunen­chor anfangs „Sonne der Gerechtig­keit" an. Das Ensemble sorgte ge­meinsam mit dem Kammerchor Frän­kisches Seenland für die musikalische Untermalung der Einweihung. Einge­läutet wurde die Feier mit dem klaren, hellen, einladenden Klang der Glocke des Wehlenberger „Kerchlas", wie man es auch gemeinhin nennt.
Die Idee zu der Kapelle hatte einst der Muhrer Bürgermeister Roland Fitzner, der das Projekt aber als Pri­vatmann stemmte. Der Weg zu der Umsetzung war kein einfacher, was die Bauzeit von knapp zweieinhalb Jahren erklärt. Bürokratische Hemm­nisse oder Schicksalsschläge - all dies wollte überwunden werden. Entstan­den ist ein architektonisches Kleinod direkt an der Route des überregiona­len Wanderwegs „Der Seenländer", zudem liegt das Gotteshäuschen ge­nau auf dem alten Wehlenberger Kirchweg.
Mit der offiziellen Eröffnung „er­füllt sich für mich ein Traum", be­kannte Fitzner. Seine alte Sehnsucht, „einmal ein Kirchlein für jedermann zu bauen", die allen zur Verfügung steht: Christen aller Konfessionen so­wie Menschen, die mit Kirche als Ins­titution ihre Schwierigkeiten haben, und darüber hinaus jedem, der am „Kerchla" innere Einkehr sucht - in­mitten der Schöpfung. Denn wo mehr könnte dem „Beschauer von Gottes Herrlichkeit" diese besser vor Augen geführt werden als in der freien Na­tur? So gab es der Bürgermeister zu bedenken. Er hoffe, dass er mit der Kapelle etwas zum Aufbruch zur Ein­heit der Christen beigetragen habe, „wann und wie auch immer die kom­men mag", so der Rathauschef.
Von katholischer Seite gab es Lob aus berufenen Mündern: Domvikar Reinhard Kürzinger verlas eine kurze Grußbotschaft des emeritierten Paps­tes Benedikt XVI. ebenso wie des Wie­ner Kardinals Christoph Schönborn (Fitzners biografische Wurzeln rei­chen in die österreichische Haupt­stadt zurück). Der evangelische Regi­onalbischof Christian Schmidt werte­te die Kapelle als „ein nicht aufdring­liches, aber deutliches Zeichen" der Dankbarkeit und der Liebe zu Gott, das sich obendrein noch wunderbar in die fränkische Landschaft einfüge.
Spontanen Beifall erntete der Bi­schof mit einem Gedicht über den Werdegang des Gotteshäuschens. Er falle eben „aus dem Raster, der Muh­rer Bürgermaster", reimte Schmidt. Der Gewürdigte habe sich einst über­legt: „Des wär doch was, no hinzu­stelln, a ökumenische Kapelln." Just zu diesen Reimen begann dann auch die Sonne zu scheinen. Worauf der Domvikar zur Tat schritt und das kleine sakrale Gebäude mit „Franzis­kuswasser" besprengte, in Anlehnung an die Plastik des Bildhauers Jaap Hartmann, die den heiligen Franz von Assisi mit der Taube in der Hand zur Besinnung rufen lässt. Nach der Wei­he, den Fürbitten und dem „Vater un­ser" als dem ökumenischen Gebet schlechthin beschloss ein kräftiges „Großer Gott wir loben Dich" samt Kapellengeläut die eigentliche Ein­weihung.
Dann wurde es beinahe mystisch. Künstlerkoryphäe Johannes Schrei­ter gab Erläuterungen zu dem von ihm kreierten Kapellenfenster, das zwei Kreuze zeigt: ein gestürztes „Blutopferkreuz" (so Schreiters Formulierung) und eines, das als Fens­tergitter nicht nur für Stabilität sorgt, sondern auch als „Plus"-Zei­chen die Auferstehung andeutet. Während seiner Worte wirbelten die Blätter vor dem Rednerpult nach oben. Bevor es dann von oben zu schütten begann, gelang es Roland Fitzner noch, sein Herz auszuschüt­ten - in Form von zahlreichen Dan­kesworten, die er unter anderem an Künstler und Geistlichkeit richtete, aber auch an Architekt Stefan Laut­ner, den Statiker Hans Popp, den Landschaftsarchitekten Hans Berger sowie die zahlreichen Handwerker und Sponsoren, die das Werk erst möglich gemacht hatten.

 

2013.10. Wehlenberger Kerchla

Regionalbischof Christian Schmidt, Domvikar Reinhard Kürzinger und

Roland Fitzner, der "Vater" des Kerchla, spachen zu den Einweihungsgästen.

Fotos: Leykamm

 

2013.10. Wehlenberger Kerchla

Der Posaunenchor spielte vor der

ökumenischen Kapelle auf der

Wehlenberger Anhöhe auf.

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 29. Oktober

© Text und Fotos: Leykamm

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