Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Kirchengeschichte Theilenhofen 2013

2013. St. Agathe-Kirche Theilenhofen
St. Agathe-Kirche. Foto: Unbekannt

Legenden ranken um den Turm


Wahrzeichen der Theilenhöfer Kirche soll auf römischen Grundmauern stehen


THEILENHOFEN - Gleich mehrere Legenden ranken sich um den weithin sichtbaren Kirchenturm der St.-Agathen-Kirche von Theilenhofen. Weil er gar so wuchtig über die Dächer des Dorfs auf der Hochfläche hi­naus ragt, hielt man ihn lan­ge für einen „Römerturm". Ganz zu Unrecht wohl nicht, denn in ihm ist sicher so mancher Stein aus dem na­hen Kastell oder Römerbad verbaut. Ein römischer Wachturm war der Kirch­turm in seiner heutigen Form aber nie. Ob er auf dem Fundament eines solchen steht, lässt sich nicht nach­weisen.
Sein gewundener und verdrehter Turmhelm ist Anlass für eine andere Sage. Als die Kirche gebaut war, wollte das dem Teufel nicht gefallen, dass schon wieder ein Gotteshaus im Franken­land stand und deshalb wollte er es zerstören, was ihm aber nicht gelang. In seinem Zorn riss er an der Turmspitze, aber auch diese konnte er nicht abbrechen, sondern nur etwas verdrehen. In seiner Ohnmäch­tigkeit fuhr er davon und unterließ wei­tere Versuche der Vernichtung der Kir­che. So steht sie heute noch und der Turm erinnert immer daran, dass der Teufel keine Gewalt hat, wo Gottes Macht ist.
1493 wird von Bauarbeiten an der Kirche beziehungsweise einem Neubau berichtet. Sicher gab es schon einen Vorgängerbau, denn in einer Urkunde aus dem Jahr 1368 bestimmt der Mar­schall Heinrich von Pappenheim, dass der Pfarrer zu „Teilnhofen kirchen und pharr zu Teilnhofen und Wachstain be­sorgen soll". In weiteren Urkunden aus den Jahren 1458 und 1480 wird die Kir­che von Theilenhofen genannt als „Tey­lenhouen Ecclesia Parrochialis S. Aga­tha virginis et Martyris" zu deutsch: „Theilenhofen, Pfarrkirche der Jung­frau und Märthyrerin St. Agatha" be­ziehungsweise „Teillenhouen, Ecclesia S. Agathe de praesentatione Henrici Marschalci de bapenham", also, dass der Marschall Heinrich von Pappen­heim das Recht hat, die Pfarrer für die Kirche St. Agatha in Thei­lenhofen zu bestimmen. Wie ein Wehrturm steht der Kirchturm da, der wohl 1493 gebaut oder umgebaut wurde. Die Fenster sehen eher aus wie Schießscharten und auch die Schallöffnun­gen sind nicht sehr groß. In seinem Untergeschoss birgt er den gotischen Chor. Als 1722 das Langhaus neu er­richtet wurde, machte die Barockisierung vor dem go­tischen Chor nicht Halt. Die Rippen des Kreuzrippenge­wölbes wurden mit stuckier­ten Lorbeerblättern verklei­det und die Gewölbefelder sind ebenfalls mit Muschel und Blattwerkstuck geziert. Eine neue Einrichtung gab es nicht. Die etwas mehr als 20 Jahre alte Ausstattung von 1699 wurde in den neuen Kirchenraum übernommen. Im Chor fand der mächti­ge Altar wieder Aufstellung. Das Altargemälde zwischen gewundenen Säulen und Blütenbündeldekar ist hun­dert Jahre jünger und zeigt die Auferstehung Christi. Im Aufzug ist zwischen Akanthusschnit­zereien das Wappen der Marschälle von Pappenheim angebracht. Gegen das Langhaus öffnet sich der Chorraum mit einem Rundbogen, über dem wieder das Pappenheimische Wappen zu sehen ist.
Am nördlichen Chorbogengewände ist die Kanzel. Während der marmo­rierte und mit Ecksäulchen geschmück­te Korpus noch Teil der Kirchenein­richtung von 1666 ist, stammt der Schalldeckel aus dem 18. Jahrhundert. Der Taufstein stammt aus neuer Zeit. Obwohl doppelte Emporen mit marmo­rierter und gefelderter Brüstung an der Süd- und Nordseite des Langhauses sind, kommt durch die beiden Fenster­reihen - große rechteckige Fenster un­ten und Rundfenstern darüber - viel Licht in den Kirchenraum. Auf der ein­fachen Westempore steht die große Or­gel mit reich, durch Schnitzereien ge­zierten Prospekt. Zu erwähnen ist auch das Gestühl mit den Wangentüren im Kirchenschiff. Sie geben Geborgenheit und schützen vor Zugluft unter den Bänken. Eine kleine geschnitzte Kreu­zigungsgruppe, die früher in der Sak­ristei stand, wird heute im Pfarrhaus aufbewahrt.
Interessant ist auch ein Grabmal vor der Sakristeitür. 1799 wurde es als Py­ramidenstumpf auf einem runden So­ckel gestaltet. Zusammen mit bereits vorhandenen Glocken rufen seit eini­gen Jahren auch noch zwei neue Glo­cken zu Gebet und Gottesdienst und die Gemeinde lässt sich gerne einladen und ist dankbar, dass das Gotteshaus alle Stürme der Zeit überstanden hat und seit der Renovierung im Jahr 1984 wieder im neuen Glanz strahlt. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle. Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 10. September 2013

© Text: Pfarrer i. R. Günter L. Niekel, Muhr am See

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

drucken nach oben