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Kirchengeschichte Dittenheim 2013

2013 St. Peter und Paul Dittenheim
Pfarrhaus Dittenheim. Foto: Unbekannt

Wiederaufbau ließ auf sich warten


„Wieder eine Markgrafenkir­che!" mag der in fränkischer Kunstgeschichte bewanderte Be­trachter denken, wenn er von Norden an die St.-Peter-und-Pauls-Kirche in Dittenheim heran­tritt und das gut renovierte, farbig gefasste Wappen der Markgra­fen von Ansbach-Brandenburg über dem Portal sieht. Geht er um die Kirche herum, so findet er das Wappen auch über dem Südpor­tal, und vor seinem inneren Auge baut sich die für die Markgrafenkirche typische Altarwand mit Kanzelaltar auf, bekrönt von der Orgel.
Äußerlich sind aber keine wei­teren Merkmale einer Markgra­fenkirche zu entdecken: Keine zwei Fensterreihen übereinander mit kleineren Fenstern unten und größeren Fenstern darüber, dafür aber hohe, durchgehende, rund­bogig geschlossene Fenster.
Kein Turm in der Mittelachse des Langhauses, dafür aber ein drei­seitig geschlossener Chor mit ebenfalls hohen, durchgehenden Fenstern und ein Turm im Winkel zwischen Chor und Langhaus. Betritt der Betrachter dann die Kirche, ist er überrascht, dass auch da sämtliche Merkmale ei­ner Markgrafenkirche fehlen: Kei­ne Kanzelwand, sondern ein Chorraum mit gotischem Gewöl­be, unter dem ein wunderbarer Altar steht, davor ein origineller Taufstein, der seinesgleichen sucht, separat vom Altar eine prächtige Kanzel südlich des Chorbogens und auf der oberen Westempore eine Orgel mit baro­ckem Prospekt. Lediglich die Doppelempore mit marmorierten Feldern an der Nord- und West­seite des Langhauses erinnert im weitesten Sinn an eine Markgra­fenkirche.
Die St.-Peter-und-Pauls-Kirche in Dittenheim wurde zwar unter Markgraf Georg Friedrich d. J. in den Jahren 1699 bis 1702 erbaut, ist aber keine „Markgrafenkirche" im klassischen Sinn, denn dieser Kirchentypus war zu dieser Zeit noch nicht entwickelt. Der Ansbacher Hofbaumeister Gabri­el de Gabrieli schuf ein Gottes­haus in den klassischen Formen. Bis sich aber die Gemeinde an ihrer, für ein Dorf überaus präch­tigen Kirche erfreuen konnte, musste sie viel ertragen.
An der Stelle des heutigen Gotteshauses stand bereits eine gotische Kirche, über deren Er­bauung keine Nachrichten vor­handen sind. Das Patrozinium weist aber auf das frühe Mittelal­ter, denn in dieser Zeit wurden viele Kirchen den beiden Apos­teln geweiht. Da die Kirche in ei­nem Visitationsprotokoll von 1582 bereits als alt und baufällig beschrieben wird, ist anzuneh­men, dass sie aus dem 15. oder sogar aus dem 14. Jahrhundert stammte. Man hatte Angst, dass sie einstürzen könnte, denn Turm und Gewölbe wiesen große Sprünge auf. Von einer Instand­setzung aber ist nichts vermerkt.
1614 geht ein Schreiben des Dekanats Gunzenhausen an den Landesherrn, an den Markgrafen von Ansbach, dass der Turm dem Einsturz nahe sei. 1626 erfolgt eine zweite Beschwerde, weil sich der Turm inzwischen in der Mitte gespalten hätte und auf der einen Seite schon tief in den Bo­den eingesunken sei. Der mark­gräfliche Amtmann, der Kastner und der Vogt aus Gunzenhausen erschienen mit dem Baumeister von der Wülzburg und einem Maurer aus Ellingen. Bald darauf erging die Anordnung, den Turm­helm abzunehmen. Das war aber ein verhängnisvoller Fehler. Weil das Turmgebälk, das bisher die Mauern oben zusammengehal­ten hatte, nun fehlte, brach der Turm auseinander und stürzte mit großem Krachen ein, dass die Mauern nur noch mannshoch stehen blieben. Der Kaplan konn­te sich gerade noch aus seinem Haus neben dem Turm retten.
Durch den Einsturz war aber das Kirchenschiff auch dermaßen in Mitleidenschaft gezogen wor­den, dass die ganze Kirche hin­fort nicht mehr benutzt werden konnte. Zum Glück stand damals noch die St.-Agnes-Kapelle am Weg nach Ehlheim, die den Got­tesdienstbesuchern, bedingt durch den Bevölkerungsrückgang im Dreißigjährigen Krieg ge­nügend Platz bot. Niemand sah sich für den Aufbau des einge­stürzten Turmes und der stark be­schädigten Kirche zuständig. Am meisten fehlte der Gemeinde aber das Läuten der Glocken. Als aus der Bronze der beim Absturz zersprungenen Glocken eine neue gegossen werden sollte, wurde dies zuerst vom Amtmann in Gunzenhausen untersagt, aber dann doch genehmigt, nachdem der Glockengießer versprach, auf den Glocken die markgräfli­chen Insignien anbringen zu wol­len. Die neuen Glocken kamen nun auf einen besonderen Glo­ckenstuhl auf dem Friedhof.
Inzwischen waren die Schäden am Langhaus durch Witterungs­einflüsse so groß geworden, dass dieses abgetragen werden musste. Lediglich der gotische Chor war noch intakt. Der Drei­ßigjährige Krieg ging zu Ende, aber an einen Aufbau von Turm  und Kirche war von der durch den Krieg verarmten Gemeinde nicht zu denken. Ganze zwölf Familien wohnten noch im Dorf. 1670 er­folgte ein Antrag mit der Erklärung der Gemeinde, sich an den Bau­kosten zu beteiligen. Nun verbot aber der Fürst von Oettingen sei­nen Dittenheimer Untertanen, et­was für den lutherischen Kirchen­bau beizusteuern. Ein erneuter An­trag erfolgte 1695 und hatte end­lich Erfolg. 1699 konnte endlich der Grundstein für die neue Kirche gelegt werden. Der Bau ging aber nur langsam voran; einerseits durch die spärlichen Mittel, ande­rerseits auch durch die Behinde­rung durch den Gunzenhäuser Amtmann, der die Benutzung eines Steinbruchs nicht zulassen wollte, weil dadurch angeblich der Wald gefährdet werde.
Erst ab 1701 ging dann der Bau voran. Der Steinbruch durfte be­nutzt werden und der Klosterver­walter von Heidenheim musste die versprochenen 1000 Gulden auszahlen. Obwohl die Kirche noch nicht fertig war, stiftete Prinzessin Wilhelmine ein neues Abendmahlsgerät aus massivem Silber. Der Markgraf erlaubte auch, dass für den Kirchenbau eine Kollekte eingesammelt wer­den durfte. Sofort machte sich der Heiligenpfleger auf und zog durch das Ries bis Ulm, nach Blaubeuren und Biberach, Mem­mingen, Kaufbeuren und Kemp­ten und viele andere Städte, fuhr über den Bodensee und kam in die Schweiz, durchwanderte wie­der Württemberg und kam dann endlich wieder in der Heimat an. Ende Mai 1702 brach der Heili­genpfleger zu einer zweiten Kol­lektenreise auf, die ihn wieder nach Württemberg und ins nördli­che Franken führte. Zuletzt be­suchte er noch einmal das Ries, wo er im Fürstentum Oettingen im Schloss des katholischen Fürsten überraschenderweise 40 Kreuzer erhielt und in der fürstli­chen Hausvogtei noch einmal einen Gulden. In dem Kollekten­büchlein, das noch vorhanden ist, sind über 350 Orte aufgezeichnet, an denen der Heiligen­pfleger vorsprach. Etwa 1300 Gulden brachte der fleißige Sammler nach Hause. Nun konn­te der Kirchenbau endlich zu Ende geführt werden.
1626 war die alte Kirche einge­stürzt. Am 15. Oktober 1702 konnte die neue Kirche einge­weiht werden. 76 Jahre musste die Gemeinde ohne Kirche auskommen. Der Kirchturm wurde allerdings erst 1729, über 100 Jahre nach dem Einsturz, wieder aufgebaut. 1793 brannte der obere Teil ab und die Glocken wurden abermals zerstört. 1895 und 1929 beschädigte ein gewal­tiger Sturm die Kuppel, sodass sie erneuert werden musste. Mit der Dittenheimer Kirche wollte der Markgraf durch einen repräsentativen Bau seine Macht und seine Herrschaft darstellen. Aber auch der Innenraum wird diesem Anspruch gerecht. Auf dem prächtigen Altargemälde ist die Kreuzabnahme zu sehen und in einem Ovalbild darüber das Bild des Auferstandenen, flan­kiert von zwei Engeln mit Palm­zweigen. Ebenso aufwendig ist die Kanzel gestaltet. In den von reichen Schnitzereien umrahmten Feldern stehen die Figuren der vier Evangelisten und der seg­nende Christus. Auf dem von ei­ner Christusstatue gekrönten Kanzeldeckel sitzen zwischen Blumenvasen musizierende En­gel. Am originellsten ist aber der Taufstein mit seinem von sieben Putten getragenen Becken. Auch das Gehäuse der 1715 errichte­ten Orgel ist mit reichen Akanthusschnitzereien geziert.
Was der Psalmsänger vom Tempel in Jerusalem sagte und was die Gemeinde wohl emp­fand, als das Gotteshaus 1702 geweiht wurde, gilt auch heute noch: „Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr Zebaoth!" und weil der schönste Schmuck einer Kirche die versammelte Gemein­de ist, gilt auch, was einige Verse weiter im Psalm zu lesen ist: „Wohl denen, die in deinem Hau­se wohnen, die loben Dich im­merdar!" GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen

© Text: Pfarrer Günter L. Niekel, Muhr am See

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

2013 St. Peter und Paul Dittenheim

Blick in das Kircheninnere. Foto: Unbekannt

 

2013 St. Peter und Paul Dittenheim

Taufstein

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