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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Partnerschaftsbesuch in Malaysia 2013

Malaysiareise 2013

Bericht über die Partnerschaftsreise des Dekanates Gunzenhausen in den Selangor - District der Lutheran Church of Malaysia, Malaysia

Gliederung:
Hintergrund und Ziel
Begebenheiten in den Gemeinden
Besondere Dienste
Begegnungen und Aussichten
I. Vom 20. August bis 10. September war eine Gruppe aus dem Dekanat Gunzenhausen unterwegs in Malaysia. Sie bestand aus Mitgliedern des Missionskreises: Stefan Kistner, Merkendorf, Gudrun Auernhammer, Wald, Ruth Müller, Haundorf - Stellvertretende Dekanatsmissionsbeauftragte und Mattias Knoch, Dekanatsmissionspfarrer, und zwei weiteren Personen: Gerhard Baumgärtner, Präsident der Dekanatssynode und Mitglied der Landessynode und Monika Knoch, die im Hinblick auf geplante Jugendbegegnungen dabei war. Der Missionskreis im Dekanat Gunzenhausen hatte sich vor zwei Jahren zu einer Part-nerschaft mit der Lutherischen Kirche von Malaysia ( LCM ) entschlossen und die Dekanatssynode um einen entsprechenden Beschluß gebeten, der im Oktober 2010 grundsätzlich gefasst worden war. Verschiedene Begegnungen hatten seither den Bo-den bereitet und Anhaltspunkte für Beziehungen gegeben. Hervorzuheben ist hierbei der Besuch zweier Pfarrer der LCM im Sommer 2012. Diese Reise wurde von Malaysischen Gemeindemitgliedern, dem Dekanat Gunzenhausen und der Gesellschaft für innere und äußere Mission finanziert, also nicht offiziell über den Kirchlichen Entwicklungsdienst in Bayern. Die Ankündig-ung des Besuches war zu kurz, um Zuschüsse fristgerecht zu be-antragen. Dieser zweiwöchige Besuch führte zu wertvollen Beziehungen und einem Hintergrundwissen der beiden Pfarrer über Prägung und Leben des Dekanates Gunzenhausen und der Entscheidung, einen Gegenbesuch möglichst bald durchzuführen. Ziel des Besuches sollte sein, den Malaysischen Gemeindemitgliedern einen Sinn, ein Verständnis für die Partnerschaft zu vermitteln, ihnen einen Entscheidungshintergrund anzubieten, die Partnerschaft einzuschätzen. Ein Grundanliegen besteht da-rin, von den Beziehungen kirchlicher Entscheidungsebenen zu einer Beziehung unter Gemeindemitgliedern zu kommen. Die Reisegruppe stand für das ganze Dekanat und war in diesem Sinne sehr offiziell.
Malaysiareise 2013
Unsere Gruppe im Bild: links stehend Gäste der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Amerika, rechts Garry und May Gastgeber der Lutherischen Kirche von Malaysia, in der Mitte Pfarrer Ton-Hoong Lau, der auf uns aufgepasst hat.

II. Als Teilnehmer der Synode der LCM wurde der Gruppe bewusst, dass die Beziehung zur Evangelisch - Lutherischen Kirche in Bayern wichtig aber nicht ursprünglich ist. Als Mut-terkirche im Rahmen des 60jährigen Jubiläums wurde die Evangelical Lutheran Church of America genannt, deren Missionare nach dem 2. Weltkrieg die Lutherische Kirche in Malaysia gegründet haben. ELKB und ELCA unterstützen derzeit die LCM etwa zu gleichen Teilen. Mit geringeren Möglichkeiten steht auch die Evangelisch - Lutherische Kirche von Australien in be-sonderer Nähe zur LCM. Die Gruppe half diese Wahrnehmung sehr, um den eigenen Hintergrund aus dem Mittelpunkt zu nehmen und sich einzuordnen.
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Vor Unterzeichnung der Partnerschaftsvereinbarung gaben wir mit Posaunenbegleitung der Synode noch ein schönes Lied zum Besten

Vom ersten bis zum letzten Abend waren Gottesdienste der Ort für Begegnungen mit und in den Gemeinden. Dabei stellte sich naturgemäß eine sehr schöne Situation ein: Schon nach der ers-ten Woche waren Gesichter bekannt und allmählich stellte sich ein gewisses dazu gehören, daheim sein ein. In der ersten Woche nahm sich zunächst Bischof Lok Oi Peng einen Vormittag Zeit, uns Hintergrund und Lebensweise der LCM zu erklären. Sodann Pfarrer Wolfgang Grieninger, der im Auftrag von Mis-sion EineWelt in Kuala Lumpur in der LCM arbeitet. Seine Erläuterungen waren besonders hilfreich, weil er mit uns den deutschen Blickwinkel teilte, Fragen, die auf unseren Voraussetzungen beruhten, aufnahm. Die Fragen richteten sich auf die Politische Situation in Malaysia und darauf, dass es ein moslemisches Land ist, auf die Vielfalt unterschiedlicher Bevölkerungs-gruppen, auf die wirtschaftliche Situation, auf die Organisation der Kirche...zwanglos vergingen dreieinhalb Stunden, dann musste die Einführung abgebrochen werden. Die einführenden Einheiten waren von gründlicher Sachkenntnis und hoher Aufmerksamkeit geprägt.
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Nebst Gottesdiensten, Singen und Beten die zweitwichtigste Beschäftigung: Essen - mit uns unterwegs das Vorbereitungsteam der nächstjährigen Jugenddelegation

Aus der Wahrnehmung der Lebenssituation ergaben sich weitere Fragen und Einarbeitungsbereiche: Das Verhältnis der Religionen zueinander und die Malaysische Geschichte. Die Prägung der Menschen. Die Kirchen und ihr Verhältnis zueinander. Eine weitere Begegnung war demgemäß mit dem Geschäftsführer des Church Counsils of Malaysia, CCM, dem Rat der großen christlichen Kirchen in Malaysia, ausgenommen die Katholische Kirche. Die Christen sind in unterschiedlichen Gremien miteinander verbunden und versuchen, der Regierung gegenüber mit ei-nem Mund zu sprechen und als eine Größe wahrgenommen zu werden. Dr Hermen Shastri machte deutlich, dass die Problematik im Lande mit der Regierung zusammenhänge, die in der Versuchung stehe, die Unterschiedlichkeit der Bevölkerung auszunutzen. Eine große Gefahr. Unterstrichen wird diese Darstellung durch eine Bemerkung, die in einem anderen Zusammenhang sich einprägte: Der Premierminister Malaysias war zum Weihnachtsfest 2012 Gast der Lutherischen Kirche. Zu Beginn des Gottesdienstes trat Bischof Philipp Lok Oi Peng ans Mikrophon und sagte: Wir waren immer loyal zur Regierung; warum habt ihr uns nicht unterstützt als im Frühjahr 2011 Brandsätze und Angriffe gegen christliche Kirchen durchgeführt wurden? Es gibt Spannungen in Malaysia, die offensichtlich nicht vordergründig zu erkennen sind. Dr Shastri legte Wert darauf, im Umgang der Religionen untereinander sich nicht von Feindbildern bestimmen zu lassen, sondern die guten Nachrichten wahrzunehmen. Angst verzerrt das Bild.
Meist am Ortsrand, nahe an Industriebetrieben oder Autofriedhöfen liegen die Kirchen
Ein Gespräch mit Muslimen war auf dieser Reise nicht geplant. Nach Erfahrungen von Dr Öchslen ist das auf offiziellem Wege in Malaysia auch nicht leicht möglich. Auf menschlicher Ebene fanden diese Begegnungen aber ununterbrochen statt und ließen die Malaysier als sehr freundliche Menschen erscheinen. Zuverlässig, zurückhaltend, freundlich. Begegnungen gab es mit Sikhs und Buddhisten. Begegnungen gab es mit der Chinesischen Geschichte. Resultat: Wir wissen von dort wenig bis nichts; und damit hat die westliche Welt einen großen weißen Fleck mitten in ihrem Bewußtsein. Chen Ho hieß ein chinesischer Bevoll-mächtigter des Kaisers. Moslem von Geburt, der mit der größten jemals gebauten Flotte siebenmal die Weltmeere nach fernen Kontinenten suchend bereiste. Kanonenboote gehörten mit zur Flotte, als Schutz. Bevollmächtigt aber war er, Beziehungen aufzubauen und Handelsstützpunkte zu suchen. Malaysia erlebte in seiner Zeit, Mitte des 16. Jahrhunderts eine Blütezeit. 1611 kamen die Portugiesen nach Malaysia, nach ihnen die Holländer und dann England: Ausbeutung und Beherrschung waren da die Ziele. Und Christen waren sie. Irgendwie schwer verständlich.
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Missionsarbeit der LCM: Eine Gemeinde von Gastarbeitern aus Nepal
III. Unsere Partner sind hauptsächlich Chinesen, die LCM hat auf chinesischem Hintergrund begonnen. Viele sind in der ersten Generation Christen, auch der während unseres Aufenthaltes neugewählte Bischof Aaron Yap. Sie leben aus ursprünglichem Glauben. Das heißt Aaron Yap hatte eine gute Position als Ingenieur, die er aufgab, um Pfarrer zu werden. Viele haben eine ähnliche Geschichte. Sie müssen einer großen Kraft begegnet sein, dass sie den Schritt aus gesicherter Position und gutem Gehalt in die schwierigen, abhängigen Lebensumstände eines Pfarrers gewagt haben. Aber sie haben ihn getan. Ähnlich wie Abraham seinerzeit, dessen Berufungsgeschichte auch das Mot-to des 60jährgen Jubiläums prägte: Gesegnet um ein Segen zu sein. Davon ausgehend hat die LCM schon vor zehn Jahren be-gonnen, missionarisch tätig zu sein: In Myanmar, in Vietnam,
in China und eben auch in Malaysia - unter den eigentlichen Ur-einwohnern, den Orang Aslis. Und auch unter Migranten, lega-len und illegalen Gastarbeitern beispielsweise aus Nepal. Dieser Einsatz scheint bayrischen Ohren kaum möglich, denn Ziel ist, den Menschen das Evangelium zu bringen als rettende Bot-schaft. Dabei gehen die Verantwortlichen außerordentlich sorg-fältig vor: Sie haben Zeit. Rechtshilfe gegenüber dem Staat, Medizinische Betreuung und das Angebot von Ausbildungseinrichtungen bilden die Zufahrtsstraßen. Eine von Orang Aslis, von ihrer Kultur und Lebensweise geprägte Kirche zu gründen ist Vi-sion der LCM. Um diese Arbeit durchführen zu können, werden Zuwendungen aus den Partnerkirchen verwendet. Ein hoher Anteil aber kommt von einheimischen Christen. Einzelne sind sehr reich. Sehr reich. Aber sie treten nicht aus der Kirche aus son-dern unterstützen ihre Arbeit, eben gerade auch die Mission.
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Abschied: Die Urkunden der Vereinbarung in Händen, an der Wand die Aufschrift: Gemeinsam bauen wir die Kirche.
Auf Nachfrage an einen Pfarrer hieß es: Ja, das betreffende Ge-meindemitglied unterstützt den Kirchenneubau mit ca 1 Million Ringit, etwa 250.000.- €. Die verschiedenen Dienste sind nicht ein von außen hineingetragenes Anliegen, sondern kommen aus dem ureigenem Selbstverständnis der Kirche. Und kann von ihr aus auch wesentlich besser angepackt werden als von europäischer Seite, denn es sind Asiaten, die Asiaten begegnen.
IV. Allerdings begegneten die Asiaten der Gunzenhausener Gruppe auch mit großer Herzlichkeit. Neben dem Glauben steht das Essen an zweiter Stelle. Selbstgekochtes Essen sei etwas ausserordentlich Auszeichnendes und die eigene Wohnung betreten zu dürfen für Nichtfamilienmitglieder beinahe nicht vor-stellbar. Ab dem zweiten Wochenende erlebten die Gunzenhausener Reisenden all diese Auszeichnungen. Als etwas, das aus dem Herzen kommt. Es war, quasi hinter das grundsätzlich lächelnde Gesicht zum Wesen, zum Herzen zu finden. Dass auch die Partnerschaftsvereinbarung nach 2012 in Gunzenhausen während der Synode gegengezeichnet wurde, scheint dabei eher zum geschäftlichen Rahmen zu gehören. Aber die Unterzeichnung war sehr feierlich und mit gewissenhafter Sorgfalt vorbereitet. Eine gute Stunde nahm sich die Synode Zeit und alle Gästen aus den Partnerkirchen waren mit dabei.
Für 2014 ist der Besuch einer Jugenddelegation der LCM im Dekanat Gunzenhausen geplant und viele der Christen, die wir kennengelernt haben, hoffen, einen Weg zu finden, 2017 nach Deutschland zum Jubiläum der Reformation kommen zu können. Einstweilen aber sollen Gemeindeabende durchgeführt und andere Veranstaltungen angeboten werden, um die Gemeindemitglieder mit hinein zu nehmen in die Partnerschaft nach Malaysia. Facebook steht ebenfalls als Möglichkeit zur Verfügung. Und die Ermutigung an dem Ort als Christen erkennbar zu werden, an dem wir leben. Dienstags, so ist vereinbart, beten wir füreinander.
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