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Kirchengeschichte Frickenfelden 2013

2013. Frickenfelden, Kapelle
Kapelle im Gunzenhäuser Ortsteil Frickenfelden: Foto: privat

Vom Gerätehaus zur kleinen Kapelle


Gebäude in Frickenfelden diente zunächst der Feuerwehr -Später Waschküche und Leichenhalle

 


FRICKENFELDEN - „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!" So kann man auf vielen Feuerwehrfah­nen lesen. Dieser Spruch galt auch einst für die Dorfkapelle in Fri­ckenfelden und irgendwie gilt er auch heute noch. In manchen Ge­meinden wurden in der letzten Zeit nicht mehr benötigte Kirchen um­gewidmet zu Restaurants, Büroge­bäuden u.ä. In Frickenfelden war es umgekehrt. Als das ehemalige Feu­erwehrhaus, das äußerlich schon immer wie eine kleine Kirche aus­sah und in der Auflistung der „Denkmäler in Bayern" damit ver­glichen wird, nicht mehr benötigt wurde, baute man es zu einer Ka­pelle um. Der Feuerwehrwahlspruch gilt aber weiterhin. Denn diejeni­gen, die sich hier zum Gottesdienst versammeln, tun es zur Ehre Gottes und es sind auch weiterhin Feuer­wehrleute darunter, die immer be­reit sind, Hab und Gut des Nächs­ten zu schützen, eben „dem Nächs­ten zur Wehr" zu dienen.
Als im 19. Jahrhundert auf unse­ren Dörfern überall Freiwillige Feu­erwehren gegründet wurden, benö­tigte man auch Räume für die Ge­rätschaften. Die kleinen Überda­chungen an den Kirchhofmauern, unter denen die Feuerleitern und Feuerhaken hingen, vielleicht auch noch einige lederne Löscheimer, reichten nicht mehr aus. Die ersten Feuerwehrhäuser wurden zur Un­terbringung der Spritze, der Gerät­schaften, aber auch der Uniformen gebaut. In den Dörfern mit Kirchen wurde schon immer mit den Kir­chenglocken Sturm geläutet, wenn ein Feuer ausgebrochen war. Weil in den kleinen Orten auf diese Weise nicht alarmiert werden konnte, bau­te man hier an die „Feuerlöschge­rätehäuser" einen Turm, auf den eine Glocke gehängt wurde.
Äußerlich unterschieden sich die­se Gebäude oft nur durch ein großes Tor von einer kleinen Kirche. Auch in unserem Bereich entstanden so viele Feuer­wehrhäuser mit Glockentürmen, zum Beispiel in Streudorf, wo die Schallöff­nungen des Glockenturms sogar neugoti­sches Maßwerk haben und so den Eindruck eines Kirch­turms noch ver­stärken oder Nordstetten, Unterhambach und eben in Frickenfelden. Als man Turm und Feuer­löschgerätehaus 1880 errichtete, bekam nicht nur der Turm spitzbogige Schallöffnun­gen, sondern auch die Fens­ter des Gerä­tehauses wur­den spitzbogig geschlossen. Das Feuerwehr­haus war einer kleinen Kirche wirklich zum Verwechseln ähnlich, nur das große, ebenfalls spitz­bogig geschlossene Tor an der Längsseite passte nicht ganz dazu.
Durch die Errichtung ei­nes neuen Löschgeräte­hauses im letzten Jahrhundert hatte das alte Gebäude als „Spritzen­haus" ausgedient. Ab 1950 war es Waschküche für heimatvertriebene Familien und auch Leichenhalle. Von 1975 an stand es leer und war ohne Verwendung, bis man 1994 den Innenraum zu einer Kapelle umbaute und so war nun das auch drinnen, was das Gebäude schon seit seiner Erbauung im äußerlichen Erscheinungsbild zeigte. Eine Tafel an der heutigen Kapelle zeigt die wechselvolle Geschichte auf.
Die Glocke auf dem Turm war schon immer eine Kirchenglocke. Sie wurde 1694 von dem Nürnber­ger Glockengießer Johann Balthasar Heroldt für die St.-Michaels-Kirche in Unterasbach gegossen. „ANNO 1694 CHRISTO MICHAELI PAS­TOR INVUNTERASBACH CHRI­STOF WAEGEMANN GOSS MICH IOHANN BALTHASAR HEROLDT IN NVRMBERG" ist auf der Glocke zu lesen. Auf der Flanke ist ein Kruzifix zwischen vier Engeln, die das Blut Christi in einem Kelch auf­fangen und eine weitere Inschrift: „AEDIL: IOHANN MICHAEL BEI­ER / ET / IOHANN GEORG HELDT". Als die Glocke in Unter­asbach nicht mehr benötigt wurde, kam sie nach Frickenfelden und hing dort zunächst auf einer großen Eiche, bis sie 1880 auf den Feuer­wehrturm kam. 1996 wurde der Innenraum des ehemaligen Feuerwehrhauses von dem Georgensgmünder Bildhauer Reinhart Fuchs zu einem würdigen Kapellenraum künstlerisch ausge­staltet. „Gott zur Ehr, dem Nächs­ten zur Wehr". Der Wahlspruch der Feuerwehr gilt auch heute noch für das umgewidmete Feuerwehrhaus. Die Menschen die sich hier versam­meln, um Gottes Wort zu hören, ihn anzubeten und mit ihren Liedern zu preisen, tun das zur Ehre Gottes und das vornehmste und größte Ge­bot, das Gebot der Nächstenliebe fordert auf, dem Nächsten in seinen Nöten beizustehen. „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr". Nicht nur der Wahlspruch der Feuerwehrleute, sondern eine kurze Zusammenfas­sung des Dienstauftrags aller Chris­ten. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 31.08.2013

© Text und Foto: Pfarrer i. R. Günter L. Niekel, Muhr am See

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

 

2013. Frickenfelden, Kapelle

Foto: Pfarrer i.R. Günter L. Niekel, Muhr am See

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