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2013.07.04. Sommerempfang Regionalbischof Christian Schmidt

Tagungsstätte Wildbad
Ev. Tagungsstätte Rothenburg-Wildbad

Gunzenhäuser bei Empfang des Kirchenkreises

GUNZENHAUSEN (hk) - Zu ei­nem Sommerempfang für Vertreter aus Kirchen, Staat und Gesellschaft hatte der Regionalbischof für den evangelischen Kirchenkreis Ansbach-­Würzburg, Oberkirchenrat Christian Schmidt, in die Tagungsstätte Wild­bad in Rothenburg eingeladen. Im Mittelpunkt stand der Vortrag „Re­formation und Toleranz" durch Lan­desbischof Prof. Dr. Heinrich Bed­ford- Strohm.
Vor Beginn des Empfangs konnte Regionalbischof Schmidt einige geist­liche Würdenträger und Vertreter aus den Dekanatsbezirken Gunzenhau­sen, Heidenheim, Wassertrüdingen, darunter die Dekane Klaus Kuhn, De­kanin Annette Kuhn (beide Heiden­heim) und Dekan Hermann Rummel (Wassertrüdingen) begrüßen. Unter ihnen weilten auch Landessynodaler Gerhard Baumgärtner, Pfarrer, Ruhe­standspfarrer, Dekanatsausschuss­mitglieder, der Leiter der Evangeli­schen Verwaltungsstelle Wassertrü­dingen, Gerhard Rupp, und Bürger­meister Ewald Ziegler aus Heiden­heim.
In seinem Grußwort bedankte sich Regierungspräsident Dr. Thomas Bau­er im Namen des Freistaats Bayern bei der evangelischen Kirche für de­ren vielfältigen diakonischen Dienste und die Wertevermittlung in unserer Gesellschaft. Er nannte als Aufgabe der Regierung von Mittelfranken, die Asylbewerber menschenwürdig un­terzubringen, und dankte für die Unterstützung des Diakonischen Werks.
Musikalisch ausgestaltet wurde der diesjährige Sommerempfang des Re­gionalbischofs durch das A-cappella-Ensemble „Vocvit", in dem Pfarrer Martin Reuter (Nördlingen), ein ehe­maliger Gunzenhäuser, mitwirkt.

 

Quelle: Altmühlbote-Gunzenhausen, 06.07.2013

Cop. Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsrefernt

 

Regionalbischof-Sommerempfang
Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bredford-Strohm, Regionalbischof OKR Christian Schmidt

(Bildmitte) mit Vertretern aus Kirche und Staat aus dem Verbreitungsgebiet des Altmühl-Boten.

Fotos: Kuhn

 

Regionalbischof-Sommerempfang 13

Heidenheims Bürgermeister Ewald Ziegler im Gespräch mit Landesbischof Bredford-Strohm

 

ROTHENBURG o.d.T. Zu einem Sommerempfang für Vertreter aus Kirchen, Staat und Gesellschaft, hatte der Regionalbischof für den evangelischen Kirchenkreises Ansbach-Würzburg, Oberkirchenrat Christian Schmidt, in die Tagungsstätte Wildbad eingeladen. Im Mittelpunkt stand der Vortrag „Reformation und Toleranz" durch Landesbischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm.

Vor Beginn des Empfangs konnte Regionalbischof Schmidt einige geistliche Würdenträger Vertreter aus den Dekanatsbezirken Gunzenhausen, Heidenheim, Wassertrüdingen, darunter die Dekane Klaus Kuhn, Dekanin Anette Kuhn(Beide Heidenheim) und Dekan Hermann Rummel (Wassertrüdingen) begrüßen. Grüße ließ auch Dekan Klaus Mendel an den Oberhirten des Kirchenkreises übermitteln. Unter den geladenen Gästen weilten auch Landessynodaler Gerhard Baumgärtner, Pfarrer, Ruhestandspfarrer, Dekanatsausschussmitglieder, der Leiter der Evangelischen Verwaltungsstelle Wassertrüdingen, Gerhard Rupp und Bürgermeister Ewald Ziegler aus Heidenheim.

Regionalbischof Schmidt hob in seinen Begrüßungsworten den Stellenwert und die Bedeutung des Empfangs dar, dieser sich dem zu einem gemeinsamen Gedankenaustausch und vielen Gesprächsthemen entwickeln möge.

In seinem Grußwort bedankte sich Regierungspräsident Dr. Thoms Bauer im Namen des Freistaates Bayern bei der evangelischen Kirche für deren vielfältigen diakonischen Dienste und die Wertevermittlung in unserer Gesellschaft. Thomas Bauer ist die evangelische Kirch Öl und nicht Sand im gesellschaftlichen Getriebe, sie ist aber auch Stachel im Fleisch einer Gesellschaft, die genau diesen Stachel nötig hat in vielen ureigenen Themen der evangelischen Kirche: Bewahrung der Schöpfung, Erhalt des Friedens, Einsatz für Schwache und Arme.

Der mittelfränkische Regierungschef nahm Bezug auf die derzeitige Situation der Aufnahme von Flüchtlingen und Vertrieben. Allein im letzten Jahr haben 64.500 Menschen in Deutschland erstmals einen Asylantrag gestellt, mehr als dreimal so viel wie noch vor fünf Jahren, 2013 erwarten wir 100.000 Asylbewerber in Deutschland. Die Asylbewerber menschenwürdig unterzubringen ist auch Aufgabe der Regierung von Mittelfranken. Bei dieser Aufgabe wird die Regierung in vielfältiger Weise unterstützt, etwa von den verschiedensten Einrichtungen des Diakonischen Werkes bei der sozialen Beratung und Betreuung von Flüchtlingen. Hierfür sprach Bauer im Vorfeld seinen Dank aus.

Die Zukunft wird die Regierung aber vor weitere Herausforderungen stellen. Bei einer Kapazität von 650 Plätzen waren diese Woche bereits wieder rund 900 Asylsuchende in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Zirndorf untergebracht. Die Regierung ist in der Überlegung, nicht wieder wie im vergangenen Jahr die Garagen belegen. Thomas Bauer bat darum zu überlegen ob es in Gemeinden nicht mehr benötigte Gebäude gibt, um sie als Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber zu nutzen. In diesem Zusammenhang nahm er Bezug an die evangelischen Wohnungsbaugesellschaften. In den vorn der Regierung bereitgestellten Gemeinschaftsunterkünften wohnen zahlreiche Personen, die bereits über ein Aufenthaltsrecht verfügen und daher aus der Gemeinschaftsunterkunft ausziehen dürften, die sogenannten „Fehlbeleger". Sie können jedoch nicht ausziehen, da sie keinen geeigneten Wohnraum finden, etwa weil es sich um Großfamilien handelt. Durch die Vermittlung von geeignetem Wohnraum könnte sowohl den Betroffenen als auch anderen Asylbewerbern geholfen werden, da dann in den Gemeinschaftsunterkünften wieder freie Plätze zur Verfügung stehen. Für eine nachhaltige Unterstützung bei diesem dringenden Anliegen bedankte sich Regierungspräsident Bauer schon im Voraus.

Viel Aufmerksamkeit weckte der Vortrag von Landesbischof Dr. Bredford-Strohm der betonte dass der Begriff „Toleranz" zu den größten Programmbegriffen unserer Zeit gehöre. Das gilt für den Kontext der westlichen Demokratien, deren Selbstverständnis eng mit dem Begriff verbunden ist. Menschen sollen sich entfalten können. Sie sollen die Freiheit haben, so zu leben, wie sie es sich wünschen und darin eine Grenze finden, dass sie anderen die gleiche Freiheit zubilligen. Toleranz ist aber gleichzeitig auch ein umstrittener Begriff. Die Forderung von „Null Toleranz" ist keineswegs nur negativ besetzt. Während man bei diesem Slogan bei der unerbittlichen Verbrechensbekämpfung in New York noch geteilter Meinung sein kann, werden ihm die meisten Menschen hierzulande zustimmen, wenn es um Rechtsradikalismus geht. Aber auch jenseits der großen Politik ist der Begriff umstritten. In der Kindererziehung gilt er den einen als eine zentrale Tugend, den anderen erscheint er als die Quelle einer verfehlten Pädagogik, die alles ausdiskutiert, keine Grenzen mehr zu setzen vermag und den Kindern dadurch die klaren Orientierungen schuldig bleibt, die sie brauchen.

Der Referent wies auf vier mögliche Konzeptionen von Toleranz hin, in dieser in der neueren Diskussion unterschieden wird. Die erste Konzeption ist die Erlaubniskonzeption. Sie nimmt ein Modell in den Blick, in dem eine dominierende Mehrheit der Minderheit die Erlaubnis gibt ihre Überzeugungen zu leben. Die zweite Konzeption ist die Koexistenzkonzeption: Verschiedene gleich starke Gruppen leben lediglich pragmatisch in einem „modus vivendi" zusammen. Sie geben einander in ihren religiösen Ausdrucksformen also nicht aus wirklicher Überzeugung Raum, sondern nur, weil sie so selbst am besten bestehen können. Wenn eine diese Gruppen selbst zur dominierenden Gruppe wird, kann es deswegen gut sein, dass sie ihre Macht ausnutzt, um die anderen Gruppen zu unterdrücken. Die dritte Konzeption ist die Respektkonzeption. Man respektiert sich als gleichberechtigte Personen oder Gruppen, ohne etwas von den Praktiken und Überzeugungen der andern zu halten. Eine solche Haltung ist schon sehr viel wert, weil sie auf der Überzeugung beruht, dass auch die anderen religiösen oder weltanschaulichen Gruppen das Recht haben müssen, ihre Überzeugungen zu leben. Diese Konzeption ermöglicht in jedem Falle ein mehr oder weniger friedliches Nebeneinanderleben. Als vierte Konzeption die Wertschätzungskonzeption zu nennen. Die Wertschätzungskonzeption geht über das bloße wechselseitige Respektieren hinaus. Sie schließt ein Gefühl für den Reichtum der jeweils anderen Traditionen ein. Auch dann, wenn diese Tradition nicht geteilt wird, kann sie als authentischer Ausdruck der Überzeugungen der anderen gewürdigt und in ihrem Wert gesehen werden.

Es gibt indessen auch Grenzen der Toleranz. Weil Toleranz auf der Anerkennung der Anderen und ihrer Qualität des Menschseins zugesprochenen Würde beruht, muss sie gegen die Verletzung der Menschenwürde verteidigt werden. Engagement für die Toleranz bedeutet immer auch die Abgrenzung gegenüber einer zugespitzten Form der Intoleranz. Die Menschenwürde muss verteidigt werden, wo sie durch zum Programm gemachte Intoleranz in Frage gestellt wird. Solche zum Programm gemacht Intoleranz liegt vor, wenn die Anerkennung der Würde eines bestimmten Menschen oder einer Gruppe von Menschen grundsätzlich verweigert wird.

Wenn der Toleranzgedanke ernst genommen werden soll, muss gleichzeitig in aller Klarheit festgestellt werden: „Es gibt keine Toleranz gegenüber der systematischen Verletzung der Menschenwürde! Es gibt keine Toleranz gegenüber Folter! Es gibt keine Toleranz gegenüber Verstümmelung von Frauen unter Berufung auf religiöse und kulturelle Traditionen! Es gibt keine Toleranz gegenüber Anti-Semitismus und Rassismus" so der Landesbischof.

Wie Toleranz gelebt werden kann, ist eine Frage, die uns in den Kirchen in besonderer Weise im Verhältnis zu den anderen Religionen beschäftigt. Mancher hat sich darüber gewundert, dass vor einiger Zeit in den Zeitungen ein Bild abgedruckt wurde, auf dem ein Imam auf der Kanzel einer Münchner Kirche zu sehen war. Da Bilder mehr wirken als erklärende Worte ist bei Manchen der Eindruck entstanden, der Imam habe in einer christlichen Kirche gepredigt. Dass die Gemeinde den Imam nicht zu einer Predigt, sondern zu einer „Kanzelrede" eingeladen hatte, ist dabei in den Hintergrund geraten, obwohl dieser Unterschied im Begriff von zentraler Bedeutung ist. Denn bei der Predigt geht es um die Verkündigung des Wortes Gottes, wie es in Bibel und Bekenntnis verbürgt ist. Das, was sich in der Vergangenheit unter dem Stichwort „Kanzelrede" als Redeform herausgebildet hat, kann auch ein Wort sein, das sich von außen an die christliche Gemeinde richtet. Der Unterschied zwischen beidem muss in der Zukunft deutlicher werden.

Es wäre nämlich ein Kurzschluss, wenn man Toleranz dadurch gefördert sehen würde, dass Unterschiede zwischen den Religionen einfach verwischt werden. Wertschätzung gegenüber einer anderen Religion heißt auch, dass ich sie in ihrem je eigenen Profil wirklich wahrnehme. Wenn wir Christen von einem Gott sprechen, der sich in Jesus Christus offenbart hat also einem Menschen, der am Kreuz gestorben ist, dann kann das kein Muslim so mitsprechen. Und wir können es nicht deswegen verwischen oder gar verschweigen, weil es uns von Muslimen inhaltlich trennt. Aber wir können es als unseren Reichtum in das interreligiöse Gespräch einbringen und umgekehrt hinhören, wenn Muslime uns ihre religiösen Kernüberzeugungen erläutern. Je freundschaftlicher und wertschätzender Menschen unterschiedlicher religiöser Traditionen miteinander umgeht, desto weniger Angst müssen sie haben, auch die Unterschiede zwischen den Religionen anzusprechen. Sich wechselseitig einzuladen und an den eigenen religiösen Traditionen teilhaben zu lassen, ist der richtige Weg, um die wertschätzende Toleranz wirklich zu leben, die in der Ziellinie unserer an der Gottebenbildlichkeit jedes Menschen orientierten Glaubensüberzeugungen liegt.

Die Zivilgesellschaft brauche nach der Überzeugung des Landesbischofs mehr Bürgerbewegung für Toleranz, Menschenwürde und Demokratie. Die Gesellschaft braucht das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Sie braucht ein Freiheitsverständnis. Freiheit heißt immer auch Engagement für die Anderen, insbesondere Engagement für die Schwachen. Und sie braucht Engagement für das Recht, das die Schwachen schützt. Deswegen ist es ein Zeichen der Hoffnung, dass überall in Bayern Bündnisse für Toleranz entstanden sind, auch im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg. Und es ist ein Zeichen der Hoffnung, dass das Bayerische Bündnis für Toleranz wächst und gedeiht. Inzwischen gehören ihm 47 gesellschaftliche Organisationen und Institutionen an.

Dass die Evangelische Kirche dabei in der ersten Reihe stehe, freue dem Landesbischof und macht ihm persönlich auch ein wenig stolz. Denn es zeigt dass die Menschen nach Jahrhunderten der Verstrickung in Gewalt und Intoleranz als Kirchen dazu gelernt haben. Man gehe heute Hand in Hand mit allen Menschen guten Willens, die sich zusammen mit der Kirche für eine humane Gesellschaft einsetzen, in der alle Menschen in Würde leben können.

Musikalisch ausgestaltet wurde der diesjährige Sommerempfang des Regionalbischof  durch das A-capella-Ensemble „Vocvit" in diesem Pfarrer Martin Reuter (Nördlingen) ein ehemaliger Gunzenhäuser, mitwirkt, mit geistlichen Liedern darunter „Der Herr ist mein Hirt" von Heinrich Schütz. Zum Abschluss traten die vier Musiker als Musikkaberatisten „ProVocativ" auf und nahmen dabei das biblische Geschehen um Prophet Elias in humorvoller, aber auch in nachdenklicher Vortragsweise gezielt unter die Lupe.

 

Bearbeitung und Ersteller: Horst Kuhn

 

 

 

 

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