Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2013 Dekanatsfrauengottesdienst in Gräfensteinberg

Kirche Gräfensteinberg
Kirche St. Martin Gräfensteinberg

Pflicht und Freiheit


Frauen befassten sich im Gottesdienst mit Erwartungen

GRÄFENSTEINBERG - In der Gräfensteinberger St.-Martin-Kirche fand der Dekanatsfrauengottesdienst statt, der sehr gut besucht war. Unter dem Thema „Bürsten und Beten" nahm der Gottesdienst das eigene An­spruchsdenken von Frauen, aber auch die Erwartungen der Gesellschaft an Frauen in den Blick.
Ganz praktisch zeigten Frauen auf, mit welcher Vielfalt an Bürsten sie es in ihrem Leben zu tun haben und dass damit durchaus ganz eigene Erlebnis­se und Gewohnheiten verbunden sind. Auffallend war, dass es im Frauenle­ben und -arbeiten viele Bürsten gibt, die Männer kaum benutzen: Spül­bürste, Schuhputzbürste, Wimpernbürste, Wurzelbürste, Kleiderbürste, Schminkbürste. In der Bibel gibt es im Buch der Sprüche einen Bericht über das Leben einer Hausfrau, die alle At­tribute einer besonders tüchtigen Frau aufweist: Sie ist fleißig und klug, führt nimmermüde einen perfekten Haushalt, ist eine geschickte Wirt­schafterin, sozial engagiert und jeder­zeit eine Stütze ihres erfolgreichen und angesehenen Mannes, der sie ob ihrer Tüchtigkeit lobt.
Von mitwirkenden Frauen im Got­tesdienst wurde in einem Trialog fest­gestellt, dass in diesem Text das Bild einer Frau gemalt wird, das erstaun­lich gut mit dem Frauenbild überein­stimmt, das uns die Werbung gerne vorgaukelt. Da sind strahlende, ge­schickte, starke, charmante, warm­herzige und scheinbar unbegrenzt be­lastbare Managerinnen eines kleinen Familienunternehmens zu sehen. Ge­zeigt wird, dass sie mühelos alles auf die Reihe kriegen, allen Erwartungen gerecht werden. Nur eines wird ver­schwiegen: Frauen sehen sich oft nur dann anerkannt, wenn sie alle erwar­teten Leistungen und Normen erfül­len. Schwäche und Anderssein wer­den nicht geduldet. Die Mehrfachbe­lastung und das Erfüllen unendlich großer Erwartungen, die von der Um­welt, aber auch von Frauen an sich selbst gestellt werden, machen auf die Dauer müde, unzufrieden und krank.
Darum ist es gut, dass in der Bibel auch noch die Geschichte von Martha und Maria zu finden ist. Da werden beide Frauen für ihr Tun gelobt. Mar­tha für ihre Tüchtigkeit und Maria dafür, dass sie gar nichts tut. Jesus verteidigt Maria sogar gegen die Zu­mutung, immer nur für andere sorgen zu müssen. Er verweist darauf, dass alle Menschen von Gott angenommen sind, lange bevor sie etwas leisten. Sie müssen nicht auch noch dafür sorgen, dass sie Kraft und Würde besitzen, sondern Gott schenkt sie. Gottes Lie­be hängt nicht ab von Fleiß und Ruhm, von der Höhe des Bankkontos oder dem Aussehen. Diese Zusage kann, so stellte eine Mitwirkende fest, für Frauen geradezu eine Befreiung sein. Befreiung vom Zwang, allem und allen gerecht zu werden. Daraus erwächst Mut, sich auch Zeit zu nehmen für eigene Be­dürfnisse, für Dinge, die sonst im All­tag untergehen. Dieser Mut besteht auch darin, bei Überlastungssituati­onen Lösungen zu suchen, die durch­aus unkonventionell sein können und nicht immer von den Nachbarn gutge­heißen werden müssen, sowie Mut zur eigenen Schwäche aufzubringen. Wenn Frauen sich das trauen, dann können sie ein gesundes Gleichgewicht zwi­schen Pflicht und Freiheit finden und so in Würde leben. Dekanatsfrauenbe­auftragte Renate Derr dankte der Kir­chengemeinde Gräfensteinberg für die Einladung, der Mesnerin, dem Gräfen­steinberger Frauenchor „Intakt" und der Organistin für die musikalische Ausgestaltung sowie allen Frauen, die zum Gelingen des Gottesdiensts bei­trugen. Zum Ausklang reichten Frauen aus Gräfensteinberg einen kleinen Im­biss, der bei guten Gesprächen und ei­ner herrlichen Aussicht auf dem Kir­chenvorplatz genossen wurde.

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 05. Juni 2013

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

drucken nach oben