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2013.03.13. Dekanatsfrauen- Frühstück

2013 Dekanatsfrauen
Dekan KKlaus Mendel (rechts) gemeinsam mit Referentin Gudrun Wurmthaler und den beiden Dekanatsfrauen Renate Derr und Kathrin Schuler. Foto: Kuhn

Die „Säugamme der Kirche"


Wie die Herzogin von Braunschweig trugen viele Frauen Reformationsgedanken weiter



GUNZENHAUSEN (hk) - Mit Frauen aus der Reformationszeit be­schäftigten sich die Teilnehmerinnen des Dekanats-Frauenfrühstücks im Lutherhaus. Das Organisationsteam zeigte sich über die Besucherzahl er­freut und hieß die Referentin Gudrun Wurmthaler aus Coburg willkommen.
In seinem Grußwort ging Dekan Mendel darauf ein, dass Frauen in der evangelischen Kirche vieles mitzusa­gen und mitzubestimmen haben, in den eigenen Kirchengemeinden und weit darüber hinaus. Sein Dank galt den Frauen, die sich vielfältig für die Kirche engagieren, und speziell den vor wenigen Wochen auf die Dauer von sechs Jahren neu gewählten De­kanatsfrauenbeauftragten Renate Derr (Hirschlach) und Kathrin Schu­ler (Dittenheim), denen als gleichbe­rechtigte Vertreterinnen Monika Mährlein (Dittenheim), Carolin Roth (Haundorf) und Christa Sixtbauer (Haundorf) zur Seite stehen.
Eingangs führte Gudrun Wurmtha­ler aus, dass die Reformation für die Frauen ein Gewinn war. Diese habe dem religiösen Leitbild der weltabge­wandten Nonne eine Absage erteilt und die Frauen zu ihrer Bestimmung als Ehefrau und Mutter gebracht. Frauen seien auf ihre Weise Wegberei­terinnen der Reformation gewesen, oftmals im Hintergrund, aber sie hät­ten dafür gesorgt, dass die Botschaft der Reformatoren unter das Volk ge­tragen wurde, schilderte Wurmthaler.
Sie ging in ihrem Vortrag auf Frauen ein, die in der Reformationszeit das Wort ergriffen und zahlreiche Schrif­ten verfassten, um sich für eine Gleichberechtigung von Frauen in Kirche und Gesellschaft einzusetzen. Wurmthaler beschäftigte sich mit Ur­sula von Münsterberg, die im Kloster eine Rechtfertigungsschrift verfasste und der die Flucht aus dem Kloster gelang, mit Argula von Grumbach, ei­ner kämpferischen Streiterin der Re­formation in Bayern und Verfasserin zahlreicher Flugschriften. Ausführ­lich befasste sich die Referentin mit Katharina Zell, die als liberale „Kir­chenmutter", unerschrockene Predi­gerin und „feministische Theologin" galt.
Erste Liederdichterin des Protes­tantismus war Elisabeth Cruciger, ge­borene von Meseritz, die nach dem Verlassen des Klosters sich mit dem Reformator und Gelehrten Caspar Cruciger verehelichte. Sie hatte den Traum, einmal auf der Kanzel zu ste­hen und zu predigen - was in der heu­tigen Zeit in der evangelischen Kirche selbstverständlich ist. Elisabeth Cru­ciger hat das im evangelischen Ge­sangbuch veröffentlichte Kirchenlied „Herr Christ, der einig Gotts Sohn" textmäßig verfasst.
Über Käte Luther, geborene Katha­rina von Bora, der Ehefrau des Refor­mators Martin Luther, wusste Gudrun Wurmthaler zu berichten, dass sie bi­belfest und fromm war. Leider gibt es keine schriftlichen Hinterlassenschaf­ten von ihr. Das Verhältnis der beiden Ehepartner war so beschaffen, dass es für jedes christliche Haus vorbildlich erschien. Wohl durfte die Frau sich in ihrem Reich als Herrin fühlen, aber doch nur insoweit, als der Mann, dem ihre Arbeit und Sorge und Pflege gal­ten, im Mittelpunkt des Ganzen stand. Von Anfang an hatte Luther seiner Käthe den ganzen Haushalt zugewie­sen. In diesem Reiche herrschte sie fast uneingeschränkt.
Eine Frau, die politische Macht hat­te und nach dem Tod ihres katholi­schen Mannes (1542) die Reformation in ihrem Gebiet einführte, war Elisa­beth von Calenberg-Göttingen, Her­zogin von Braunschweig-Lüneburg. Als „Reformationsfürstin" und „Säugamme der Kirche" erließ sie eine Kirchenordnung, eine Kloster­ordnung, verfasste ein Regierungs­handbuch und schrieb Kirchenlieder. Zuletzt widmete sich Gudrun Wurmt­haler der Italienerin Olympia Fulvia Morata, einer Frau aus dem Bürger­tum, die aus Glaubensgründen ihre Heimat verließ und in das Land der Reformation floh. Sie heiratete den in Schweinfurt lebenden Arzt Andrea Grundler und setzte sich für die Über­setzung von reformatorischen Schrif­ten ins Italienische ein.
Am Ende resümierte Gudrun Wurmthaler: „Es gab Frauen, die ne­ben und mit ihren Männern für die Reformation stritten, die selbstbe­wusst das Wort verkündigten, die in stillem Protest für die Gerechtigkeit eintraten,die unbeirrt am Evangelium festhielten.Und dennoch bleiben auch heute Fragen: Hätte ich den Mut die­ser Frauen gehabt? Wo und wie setze ich mich für meine Kirche, meinen Glauben ein, wo und wie übe ich Kri­tik?" Renate Derr lud abschließend zum Frauen-Gottesdienst am Sonntag, 5. Mai, 19 Uhr in der Kirche St. Martin in Gräfensteinberg ein. Das Thema lautet „Bürsten und Beten".

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 23. März 2013

© Bild und Text: Horst Kuhn

Horst Kuhn

DB-Öffentlichkeitsreferent

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