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Hilfe für die Helfer

Gun-Hilfe für die Helfer
Dekan Klaus Kuhn (heidenheim) und dekan Konrad Bayerle. Foto: Steiner, WT

Hilfe für die Helfer

 

Weissenburg - Die Notfallseelsorge der Kirchen gibt es im Landkreis seit nunmehr zehn Jahren. Offizieller Start der ökumenischen Einrichtung war am 28. September 2002. Seitdem bietet die Notfallseelsorge Hilfe bei Suizid, Bränden, missglückter Reanimation, Verkehrsunfällen und Tod. Zeit, um einmal mit den beiden Hauptverantwortlichen Rückschau zu halten.

Koordiniert wird die Notfallseelsorge im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen vom katholischen Dekan Konrad Bayerle aus Weißenburg und vom evangelischen Dekan Klaus Kuhn aus Heidenheim. Bayerle ist der Ansprechpartner für die „Region Ost", Kuhn Ansprechpartner für die „Region West". So ist gewährleistet, dass innerhalb von 20 Minuten überall im Landkreis ein Seelsorger am Unfall- oder Krisenort eintreffen kann.

Die insgesamt 23 Notfallseelsorger, die es im Landkreis gibt, werden über die Integrierte Rettungsleitstelle in Schwabach alarmiert und fahren dann umgehend zu den Notfallorten. Allerdings ohne Blaulicht - auch wenn es oft um Tod oder Leben geht. Am Einsatzort stehen sie in Abstimmung mit der Einsatzleitung für erste Fragen und Bedürfnisse von Beteiligten, Verletzten und Angehörigen oder technischen sowie medizinischen Einsatzkräften zur Verfügung. Sie übernehmen oder begleiten das Überbringen von Todesnachrichten und beten für Sterbende und Tote.

Oftmals ein Trost

„Für Angehörige ist das oft ein Trost, wenn sie wissen, dass mit dem Verstorbenen am Unfallort menschlich umgegangen wurde", hat Bayerle in den vergangenen zehn Jahren schon oft erlebt. Sein Kollege Kuhn weiß:?„Tod ist heute ein Tabuthema, mit dem viele überfordert sind." Selbst Polizis­ten, zu deren Beruf Tod und Leid naturgemäß dazugehören, empfinden es Bayerle zufolge als „hilfreich, dass wir da sind".

Eine Einschätzung, die Polizeichef Peter Aschenbrenner nur bestätigen kann: „Für uns ist das eine sehr große Erleichterung im Dienst, wenn Notfallseelsorger noch bei den Angehörigen eines Verstorbenen bleiben können." Nach Ansicht des Ersten Polizeihauptkommissars sind die Seelsorger für Angehörige und Polizeibeamte eine große Hilfe, die gerne in Anspruch genommen wird.

Kaum negative Erfahrungen

Negative Erfahrungen gibt es Bayerle zufolge dagegen kaum. Denn das Anliegen der Notfallseelsorger ist keinesfalls die Missionierung von kirchenfernen Menschen. „Wir wollen den Menschen in einer Krisensituation Beistand leisten", nennt Kuhn das Hauptanliegen. Dabei spielt der jeweilige Glaube oder die Konfession überhaupt keine Rolle. Seine Erfahrung lehrt: „Sogar Mitglieder anderer Religionen oder Kirchenferne nehmen den Dienst gerne in Anspruch."

Kollege Bayerle glaubt indes: „Gerade bei Suizid und der Schuldfrage können die Antworten der Kirche sehr hilfreich sein." Sein evangelischer Kollege kann folgende Anekdote beisteuern: „Die Frau eines Feuerwehrkommandanten hat mir einmal verraten, wie hilfreich die Notfallseelsorge für ihren Mann ist, der seitdem schreckliche Ereignisse besser ver­arbeiten kann."

Viermal im Jahr schieben die Notfallseelsorger im Landkreis je eine Woche Bereitschaftsdienst. Sie haben alle eine theologische Ausbildung und ein spezielles Notfallseelsorgeseminar absolviert und sind an 365 Tagen rund um die Uhr erreichbar. Die Kosten für den Dienst teilen sich die beiden Kirchen. Denn auch für die Einsatzkräfte bieten die Notfallseelsorger Hilfe an.

„Nach getaner Arbeit kommt erst die große Belastung. Die Bilder und Gerüche einer Katastrophe bleiben manchmal noch lange im Gedächtnis und können zur echten Belastung werden", weiß Kuhn, der selbst aktives Mitglied der Feuerwehr Heidenheim und der BRK-Bereitschaft Heidenheim ist. Durch Schulungen werden die Einsatzkräfte vorbereitet, wie sie Tod und Trauer besser bewältigen und verarbeiten können.

Die Angebote der Notfallseelsorge haben seit 2002 kontinuierlich zugenommen. Für die beiden Dekane ist das auch der Beleg, dass ihr Dienst eine hohe Akzeptanz hat. 43-mal wurden die Notfallseelsorger allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres hinzugezogen. Viermal mussten sie ei­ne Todesnachricht überbringen und sechsmal Angehörige nach erfolgloser Reanimation betreuen. Fünfmal wurden die Seelsorger bei Suizidversuchen und achtmal bei schweren Verkehrsunfällen hinzugezogen. Angesichts dieser Zahlen ist es Kuhn wichtig, zwei Dinge zu betonen: „Das heißt nicht, dass wir jeden Tag im Blut wa­ten. Wir arbeiten meist ganz still im Verborgenen."

 

Quelle: Weißenburger Tagblatt, Ausgabe 25.10.2012

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

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