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2012.05.25. Verabschiedung Pfrin. Susanne Thorwart

Gun-2012.05.25  Verabschiedung Thorwart
Dekan Klaus Mendel (rechts), Pfrin. Heike Bachmann, Pfrin. Susanne Thorwart, Frank Schuldenzucker, Leiter Bezzelhaus, Lydia Buechler, Vertrauensfrau. Christian Konecny von der kath. Schwestergemeinde. Foto: Kuhn

„Segensreiche Jahre".
Pfarrerin Susanne Thorwart verabschiedet.

 



„Pfar­rerinnen und Pfarrer sind Zugvögel." Dekan Klaus Mendel muss wissen, wovon er spricht, schließlich ist er selbst ein Geistlicher. Seit 15 Mona­ten ist er nun in der Altmühlstadt tä­tig und in dieser Zeit musste er be­reits sieben „Schwestern und Brü­dern" Lebewohl sagen oder sie will­kommen heißen. Nun stand in der Stadtkirche erneut eine Verabschie­dung an: Pfarrerin Susanne Thorwart wurde von ihren Pflichten für die evangelische Kirchengemeinde Gun­zenhausen entbunden.


Ein volles Gotteshaus an einem frü­hen Freitagabend ist durchaus ein sel­tener Anblick. Doch viele Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde wollten ihre Pfarrerin ein letztes Mal in der Stadtkirche predigen hören, wollten sie auf diesem letzten Ab­schnitt ihres Weges in Gunzenhausen begleiten, bevor sie im Juli ihre neue Stelle als Krankenhauspfarrerin in Coburg antritt. Und so war das Got­teshaus nahezu bis auf den letzten Platz besetzt, als die Kollegen aus dem Dekanat Gunzenhausen, angeführt vom Kirchenvorstand, einzogen.
Die Geschichte vom Zöllner Zachä­us aus dem Lukasevangelium stellte die scheidende Geistliche in den Mit­telpunkt ihrer Predigt. Dabei betrach­tete sie vor allem den Teil der Ge­schichte, der nicht erzählt wird. Schließlich sind das nach ihren Wor­ten „die spannendsten Dinge". Etwa, warum Zachäus eigentlich ein unbe­liebter Zöllner, ein Kollaborateur und Verräter wurde. Und warum es ausge­rechnet sein Haus war, das sich Jesus aussuchte. Der sehr festliche Gottes­dienst wurde dabei musikalisch mit­gestaltet vom Posaunenchor, der Kan­torei, Kirchenmusikdirektor Bern­hard Krikkay, der eigentlich erst zum 1. Juni sein Amt als Dekanatskantor antritt, und Jochen Watzka, der von der Empore aus mit seinem Saxofon absolut passende melancholische Töne ins Kirchenschiff blies.
Gun-2012.05.25  Verabschiedung ThorwartSchließlich kam der Moment, an dem Dekan Mendel „am liebsten den Gottesdienst abbrechen" wollte. Denn nun war der von Susanne Thorwart bereits angesprochene fröhliche Teil vorbei, jetzt kam mit ihrer Verabschie­dung der traurige Anlass. Das Kom­men und Gehen gehört zum Leben, zumal dem von Geistlichen, so Men­del. Doch was er in diesem besonderen Fall davon hielt, drückte der Dekan recht drastisch aus „Mit Verlaub ge­sagt: Ich habe die Nase voll!" Er machte keinen Hehl daraus, dass es ihm schwerfiel, die 49-Jährige in eine neue Zukunft „zu entlasten und ent­lassen". Zumal die zweite Pfarrstelle in Gunzenhausen nicht, wie erhofft, auf absehbare Zeit wieder besetzt wird. Auf die erste Aus­schreibung ging keine einzige Be­werbung ein, im Pfarrhaus in der Luitpoldstraße wird also auch über den Oktober hinaus kein Licht brennen.
2004 kam Susan­ne Thorwart nach Gunzenhausen und war damals für die meisten hier noch ein völlig unbe­schriebenes Blatt. Beim Abschied nun, so der Dekan, kön­ne man zurückschauen und bewerten, wie die Zeit gewesen ist, was das für ein Mensch ist, der nun geht, und Bi­lanz ziehen. Und das taten anschlie­ßend in kurzen Grußworten vier wich­tige Wegbegleiter ihrer Arbeit, die ihr auch anschließend den Segen erteil­ten.
Den Anfang machte der katholi­sche Stadtpfarrer Christian Konecny, der ihr ein herzliches „Vergelt's Gott für die vergangenen Jahre" mit auf den Weg gab. Susanne Thorwart war die Ökumene stets ein wichtiges An­liegen und mit ihrem katholischen Kollegen feierte sie viele gemeinsame Gottesdienste. Konecny dankte für dieses „Miteinander und das Dasein" und machte deutlich, dass das nicht allein für die berufliche Ebene gilt, auch privat habe die Chemie ge­stimmt.
Das gilt sicher auch für Bürger­meister Joachim Federschmidt, der ihre „fröhliche Nachdenklichkeit" hervorhob. Susanne Thorwart habe Freundschaft gegeben, Vertrauen ge­schaffen und sei stets offen gegen­über anderen gewesen. „Du kannst viel Wärme mitnehmen", unterstrich Federschmidt seine Worte und legte der Geistlichen ans Herz, sie an die Menschen in Coburg weiterzugeben. Der Leiter der Kinder- und Ju­gendhilfe Bezzelhaus, Frank Schul­denzucker, hatte Susanne Thorwart in ihrer Eigenschaft als Vorstands­vorsitzende des Vereins bereits beim Frühlingsfest im Bezzelhaus mit warmen Worten verabschiedet. Nun hob er in der Stadtkirche noch ein­mal ihr „segensreiche Wirken" für seine Einrichtung hervor. Sie habe die Verantwortung weit über das für ein Ehrenamt gefordertes Maß ange­nommen und ausgeführt und wichti­ge Weichen für die Zukunft gestellt. Auch er hob hervor, dass Susanne Thorwart vor allem auch „als Mensch" eine Lücke hinterlassen werde.
Es war vor allem die „unglaubliche Schaffenskraft" und ihr „herzerfri­schendes Wesen", mit der Susanne Thorwart in den vergangenen acht Jahren die Gemeinde geprägt habe, so die sichtlich bewegte Lydia Buechler. Die Vertrauensfrau des Kirchenvor­stands beließ es im Gottesdienst bei einigen kurzen Worten, griff aber spä­ter im Lutherhaus noch einmal zum Mikrofon, um sich ein bisschen aus­führlicher von der bisherigen Pfarr­amtsleiterin zu verabschieden. Als Brückenbauerin zwischen den Her­zen bezeichnete sie die scheidende Geistliche, die gezeigt habe, „wie fröhlich und tief" Glauben gelebt werden könne. Sie sprach ihren „Zei­toptimismus" ebenso an wie ihre viel­fältigen Aufgaben, die sie in diesen „segensreichen Jahren" ausgeführt hat. Zur Finanzierung der neuen Or­gel beispielsweise habe sie „geniale Ideen" eingebracht, und ohne sie gäbe es sicher auch die neue Gemeindekon­zeption nicht. Darüber hinaus hat sie den Ferienspaß im Lutherhaus ins Le­ben gerufen.
Susanne Thorwart hatte explizit darum gebeten, auf Einlagen zu ver­zichten und stattdessen zu einer rau­schenden Abschiedsparty ins Luther­haus geladen. Dorthin zog die Ge­meinde nach dem Gottesdienst. Hier gab es reichlich Gelegenheit, noch ein persönliches Wort mit der Pfarrerin zu wechseln und vor allem das zu tun, was sie sich gewünscht hatte: zur Mu­sik von den „Sharks" bis tief in die Nacht zu feiern und zu tanzen.

 

Quelle Altmühl-Bote, 30.Mai 2012

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

 

Gun-2012.05.25  Verabschiedung Thorwart

 

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