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2012.05.16. 10 Jahre Speis Gunzenhausen

Gun-2012.05.16   10 Jahre Speis Gunzenhausen
Martin Ruffertshöfer (links) Geschäftsführer des Daiakonischen Werks Gunzenhausen, die beiden Gründungsmitglieder Lydia Buechler und Eva-Maria Neumann sowie Alexandra Trögl und Alfons Alberter von der Caritas-Kreisstelle Weißenburg. Foto: Tina Ellinger

Für viele ein Anker.

„Speis" in Gunzenhausen feierte zehnjähriges Bestehen.


Seit zehn Jahren ist die „Speis" ein fester Anlaufpunkt für bedürftige Men­schen in Gunzenhausen. Gegründet unter dem Motto „Verteilen statt ver­nichten" werden in dem kleinen La­dengeschäft in der Hensoltstr. zweimal die Woche Lebensmittel und Hygieneartikel ausgegeben. Doch das ist noch lange nicht alles: Die Kunden finden in den rund 40 Mitarbeitern Ansprechpartner für ihre Sorgen und Nöte und nicht selten Hilfe in ihrer schwierigen Lebenssituation. Darin waren sich die Gastredner, die sich zu einer kleinen Feierstunde im katholi­schen Pfarrheim eingefunden hatten, durch die Bank einig.
Die Initiative vor zehn Jahren ging von katholischen und evangelischen Christen in der Altmühlstadt aus, die die Notwendigkeit einer solchen Ein­richtung erkannt hatten, erinnerte Gründungsmitglied Lydia Buechler an die Anfänge. Zusammen mit der Stadt Gunzenhausen, vertreten durch den damaligen Bürgermeister Ger­hard Trautner, der Caritas-Kreisstelle Weißenburg und des Diakonischen Werks Weißenburg-Gunzenhausen wurde eine Arbeitsgemeinschaft aus der Taufe gehoben. Um das Angebot so niederschwellig wie möglich und mit wenig Verwaltungsaufwand zu ge­stalten, entschied man sich dafür, sich nicht an den Bundesverband „Tafel" anzugliedern.
40 ehrenamtliche Helfer
Unterstützt wird die „Speis" durch Geschäftsinhaber, die Lebensmittel zur Verfügung stellen, und durch fi­nanzielle Zuwendungen von verschie­densten Seiten, die vor allem für den Zukauf von Hygieneartikeln und Grundnahrungsmitteln notwendig sind. Spenden kommen zudem von Schulen und Jugendgruppen, die ge­zielt für die soziale Einrichtung in Gunzenhausen sammeln. Ihnen allen dankte Lydia Buechler für ihre tat­kräftige Hilfe und schloss auch die rund 40 Ehrenamtlichen mit ein, die sich als „Abholer", „Sortierer" und „Ausgeber" engagieren. Zum Kun­denstamm der „Speis" gehören etwa 130 Familien, das sind circa 200 Men­schen, ein Drittel der Kunden sind Menschen mit Migrationshintergrund. „Die Speis ist eine feste Größe in Gunzenhausen geworden", stellte Stadtpfarrer Christian Konecny in seiner Begrüßung fest und betonte: „Es ist schön, dass es sie gibt, sonst kämen so einige Menschen nicht über die Runden." Er hoffe, dass diese Unterstützung bedürftiger Menschen auch in Zukunft weitergeht. „Hier wird mehr als nur der Hunger ge­stillt", erklärte Bürgermeister Joa­chim Federschmidt und lobte die Ar­beit der „Speis", in der die Bedürfti­gen nicht als Bittsteller dastünden, sondern sich angenommen und als Teil der Gemeinschaft fühlten. „Genau das braucht eine Kommune", so der Rathauschef, der seinen Dank an die Unterstützer und ehrenamtlichen Helfer in Form eines Schecks um­münzte.
Apfelbäumchen als Geschenk
„Von Armut mitten im Reichtum", sprach Alfons Alberter, Leiter der Ca­ritas- Kreisstelle, auch im Namen der Vertreter des Diakonischen Werks, und spielte damit auf die derzeit viel zitierte hohe Anzahl von Lebensmit­teln an, die im Müll landen, obwohl sie noch verwendet werden könnten. „Und das, obwohl so viele Menschen kaum über die Runden kommen." Längst zählen nach seinen Worten nicht mehr nur die Hartz-IV-Empfän­ger zu den Kunden der „Speis", oft sind es Männer und Frauen mit einer kleinen Rente oder einem geringen Lohn. Das Engagement in der Altmühlstadt verdiene Respekt und An­erkennung. „Sie haben angepackt und gezeigt, dass es funktioniert", richtete er seinen Dank an die Gründungsmit­glieder.
Zusammen mit seiner Mitarbeiterin Alexandra Trögl überreichte er Lydia Buechler und Eva-Maria Neumann, beides Frauen der ersten Stunde, ei­nen Apfelbaum, der, versehen mit vie­len guten Wünschen, im katholischen Pfarrgarten gepflanzt werden wird.
Landrat Gerhard Wägemann ging ebenfalls auf die Verschwendung von Lebensmitteln ein und bedauerte, dass es angesichts der Fülle an Nah­rung einer solchen Einrichtung wie der „Speis" überhaupt bedarf. Die Einrichtung trage dazu bei, diese Un­gerechtigkeit ein wenig abzufedern, lobte er und sicherte eine Spende von­seiten des Landkreises zu.
Was es heißt, arm zu sein und den schweren Schritt zu den Ämtern zu gehen und Leistungen wie die der „Speis" in Anspruch zu nehmen, ver­deutlichte Martin Ruffertshöfer, Ge­schäftsführer des Diakonischen Werks Weißenburg-Gunzenhausen. Als arm gelte derjenige, der weniger als 60 Prozent des mittleren Durch­schnittseinkommens eines Landes verdiene. In Westmittelfranken wäre das jeder Achte. Doch Armut lasse sich nicht nur in Zahlen erfassen: „Arm ist, wer nicht an der Gesell­schaft teilhaben kann, wer ausge­grenzt wird." Und Armut, machte Ruffertshöfer klar, kann jeden treffen. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Schicksalsschläge, ungeschickte Kapitalanlagen sind oftmals die Ursache für den finanziel­len und dann auch sozialen Abstieg. Auch das Thema „Armut im Alter werde uns alle angehen". Der Ge­schäftsführer verwies zudem auf die zunehmende Zahl Alleinerziehender, ebenfalls ein Armutsrisiko.
„Niemand ist gerne arm"
Der Begriff „Hartz IV" hat sich eingebürgert und drückt dem Emp­fänger einen Stempel auf die Stirn, so die Erfahrung Ruffertshöfers, der Vorurteilen wie „Die sind doch selbst schuld" energisch entgegentrat: „Niemand ist gerne arm." Zwar gebe es ein Selbstverschulden an der ei­genen Situation, aber „beileibe nicht bei allen". Auch seien es die wenigs­ten, die sich fahrlässig staatliche Leistungen erschleichen. „Wir haben eine Gesamtverantwortung für unse­re Gesellschaft", betonte er und plä­dierte dafür, „hinzuschauen und nicht wegzuschauen". Diejenigen, die in die „Speis" kommen, sollten als Kunden behandelt und in ihrer Kri­se wahrgenommen werden - was auch so geschehe -, damit sie Unter­stützung und Hilfe erfahren können. „Die Weichen sind gut gestellt", zeigte er sich überzeugt und machte an zwei eindringlichen Beispielen deutlich, wie schnell man durch Krankheit oder schlechte Information in die Armutsfalle geraten kann und wie vielfältig die Hilfsangebote sind. „Die Speis ist ein Rettungsanker für viele Menschen", dankte er abschlie­ßend den ehrenamtlichen Helfern und überreichte den Kuratoriumsmitglie­dern Lydia Buechler, Eva-Maria Neu­mann, Gertrud Stechhammer, Monika Einfalt und Meinhard Mikschik einen Schirm als Symbol dafür.
Anhand einer Diaschau, die Franz Müller und Ulrich Salomon vorberei­tet hatten, ließ Eva-Maria Neumann die vergangenen zehn Jahre der „Speis" Revue passieren, bevor sie die Gäste der kleinen Feierstunde, die von Ekkehard Lindauer und Hannah Wenk musikalisch umrahmt wurde, zum gemütlichen Teil bat.

 

Quell: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 16.05.2012

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

 

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