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Grablege der Nürnberger Stifterfamilie Rieter von 1610 bis zu ihrem Aussterben 1753

Ein Gang durch die Rieterkirche

Rieter-Kirche

Ein Gang durch die Kirche


Dieses Gotteshaus gehört zu den wertvollsten des Landkreises Weißenburg- Gunzenhausen. Die Patrizierfamilie Rieter zeigten sich als kunstverständig, die als Stifter der Kirche zu Kalbensteinberg dort reiche Kunstschätze sammelten.
Die Grundsteinlegung der spätgotischen Kirche erfolgte am 13. Juli 1464. Wappen und Inschrift über dem Portal zeugen dafür. Unter Hans Rieter wurde in Jahren 1609-1613 das Innere der Kirche einer durchgreifenden Renovierung unterzogen. Er war es auch, der eine Grablege unter dem Hochaltar einwölben ließ. Auch die reiche Ausstattung an Kunstwerken stammt aus dieser Zeit.


Betritt man die Kirche, so fallen einem zunächst die reich geschnitzten, im Renaissance-Stil gehaltenen Emporen auf. Um die Abschlusswand des Chores an der Südseite schwingt sich die Herrschaftsempore, die durch einen besonderen Eingang von außen her über ein Türmchen erreicht werden kann. Was auch noch sofort auffällt, sind die zahlreichen Wappen und Totenschilde an den Wänden des Langhauses. Der älteste Schild berichtet von Cunrat Kalwenberger († 1340). Über dem einfachen Schild mit dem Wappen der Kalwenberger (Kalbenberger) befindet sich ein Helm mit gegittertem Visier (Spangenhelm) aus dem Beginn des 16. Jahrhunderts sowie eine Krone und das Rietersche Wappen. Zu beiden Seiten geschnitztes Rankenwerk. Der jüngste Schild ist Johann Ludwig Rieter († 1732) gewidmet.


Neben dem Rieterwappen von Kalbensteinberg, Kornburg und Pocksberg finden wir u. a. die Wappen der Familien Wernitzer, von Imhof, von Seckendorff und von Eyb. Dem Heraldiker bietet die Kirche reiches Material.
Betrachten wir zunächst im Chor den Hochaltar. Er wurde 1611 im Renaissance-Stil errichtet. Im Schrein die durch Engel bekrönte Madonna, auf der Mondsichel stehend (um 1470). Darüber befindet sich eine Pieta, die Maria mit dem Leichnam Christi auf dem Schoss zeigt. Den oberen Abschluss bildet eine Kreuzigungsgruppe, Johannes rechts, Maria links als Assistenzfiguren, der Kruzifixus in der Mitte (um 1490).

 

Die Predella zeigt den Stifter Hans Rieter mit seiner Familie vor der Kulisse des Kornburger Schlosses. In den Farben Karmin, Azurblau und Ocker leuchten hinter dem Altar die Chorfenster. Sie wurden von Andreas Rieter von Pocksberg, dem ältesten Bruder des Erbauers der Kirche, um 1480 gestiftet. Das linke Fenster soll die Familie des Stifters symbolisieren: Der hl. Andreas ist zu sehen - Andreas Rieter - weiter die hl. Veronika mit dem Schweißtuch (die erste Frau des Stifters war Veronika Rehmin. von Pocksberg) und dann noch die hl. Anna (die zweite Frau Andreas Rieters wie Anna Freyberg). Im Fenster rechts vom Hochaltar sind der hl. Johannes und die hl. Margareta zu erkennen. Ob dies in Bezug zu dem wahrscheinlichen Stifter Hans Rieter und seiner Ehefrau Margarethe, geb. Schmidtmayer, aus Rothenburg o.d.T. gesetzt werden kann, sei dahingestellt.


Vor dem Hochaltar ist eine schwere Bronzeplatte in den Boden eingelassen. Sie deckt die Grablege ab. Neben einer Inschrift sind die Wappen der Rieter, der Kalwenberger und der Pocksberger auf der Platte zu sehen.
Die Grablege der Rieter ist heute nicht mehr zugänglich. Die Toten, die sich Mumien ähnlich - viele Jahrhunderte hindurch erhalten hatten, sind unansehnliche geworden: Zudem gebietet die Pietät, die Grabesruhe Verstorbener zu achten. Neben der Sakristeitür ist rechts oben eine Terrakotta-Figur zu sehen: Maria mit dem Kind. Von ihr erzählt die Legende, sie habe weinen können. Wir dürfen nicht vergessen, dass das Gotteshaus vor der Reformation auch eine mit Ablassbriefen wohlversehene Wallfahrtskirche war. Wie die vielen Marienbildnisse und die alte Inschrift außen über dem Südportal zeigen, war die Kirche zur »ere Gotes und der iungkfrawen marie« erbaut worden. Die »weinende Madonna« von Kalbensteinberg war für den Volksglauben jener Zeit eine mysteriöse Besonderheit.


Nicht weniger geheimnisvoll ist die Geschichte der 18 jährig Anna Catharina  von Lindenfels, die 1710 in der Gruft beigesetzt wurde. Ihr Epitaph ist an der Nordseite des Chores zu finden.
Sehen wir uns noch etwas im Chor um, so fallen wohl die 13 Fresken auf, die rundum an die Chorwand gemalt sind. Sie stellen die Mitglieder der Familie Rieter dar, die entweder ein geistliches Amt innehatten oder in geistlichen Diensten standen. Ehrwürdige Äbte, Äbtissinnen und Chorherren finden wir darunter. Namen berümter Klöster wie Andechs, Himmelkron, Ettal usw. sind zu lesen.
Das Sakramentshäuschen stammt aus der Erbauungszeit der Kirche. Auf dopppeltem Podest und Pfeilerfuß sitzt das Gehäuse. Es wird abgeschlossen mit einem fialenförmigen Aufsatz mit Krabben und Maßwerkblenden im Eselsrücken. Ein schmiedeeisernes Gitter mit einfacher Durchsteckarbeit  sitzt in der Mitte des Gehäuses.
Vor dem Sakramentshäuschen steht der Palmesel auf einem Esel sitzend eine Jesusfigur mit Krone, die Rechte segnend erhoben. Dies Figur - eine gute  Nürnberger Arbeit um das Jahr 1470 - ist auf Holzräder montiert und wurde bei  der Palmsonntagsprozession mitgeführt. Daher der Name Palmesel. Diesen Palmesel hätten - so erzihlt eine weitere Legende - einst freche Räuber zu stehlen versucht. Allein die »bockbeinige« Gegenwehr des treuen Tieres habe solchen Frevel vereitelt.


Das aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammende Chorgestühl zeigt an den Wangen kunstvoll geschnitzte Groteskfigürchen. Die schlichte Kanzel und der Taufstein mit seinem Balusterfuß wurden 1609 errichtet. Bevor wir uns den Seitenaltären zuwenden, werfen wir noch einen Blick auf die fein gearbeitete Figur an der südlichen Seite des Triumphbogens: St. Margaretas Kampf mit dem Drachen. Sie könnte aus der Werkstatt des Veit Stoß stammen.
Zur Sakristei führt eine Spitzbogentüre mit reich profiliertem Gewände. In ihr sehen wir neben dem Sternrippengewölbe Züricher Glasgemälde (Rundscheiben) in den Fenstern, Holztafeln mit den Namen der Pfarrer und an der Wand die ehemalige linke hintere Altartafel des nördlichen Seitenaltars, St. Paulus darstellend.


Die beiden Seitenaltiire werden Michael Wohlgemut, dem Lehrer Albrecht Dürers, bzw. dessen Schule zugeschrieben. Vergleichsstudien scheinen diese Annahme zu bekräftigen.
Auf dem südlichen Seitenaltar sehen wir eine Gruppe von Figuren. Von links nach rechts: Da ist zunächst ein Ritter, auf dessen Schild das Rieter-Wappen aufgemalt ist. Dann finden wir zwei Halbfiguren: St. Petrus und Maria mit dem Kind, weiter den hl. Sebastian am Marterpfahl und Ritter Georg auf dem Pferd, mit dem Lindwurm kämpfend. Der Altar selbst zeigt im Schrein ein Bild, die Ausgießung des Heiligen Geistes, der linke Flügel St. Wolfgang, der rechte die hl. Barbara mit Kelch und Hostie. Auf dem geschossenen Altar ist in der Mitte die Himmelfahrt Christi, links St. Ägidius und rechts St. Nikolaus zu sehen. Der nördliche Seitenaltar ist in seiner künstlerischen Ausgestaltung wohl der wertvollere. Figuren, die St. Ulrich (Mitte), St. Walburga (rechts) und die hl. Ursula (links) darstellen, sind im Altarschrein aufgestellt. Die Innenflügel bieten auf der linken Seite eine drastische Darstellung des bethlehemitischen Kindermordes, rechts in gekonnter Komposition und Farbgebung die Kreuzauffindung durch Kaiserin Helena. Auf der Rückseite der Altarflügel finden wir (von links nach rechts): Andreas, Johannes den Täufer, Petrus und Markus. Zu erwähnen waren noch die drei Figuren auf dem Gesims des Schreins: der hl. Oswald, St. Walburga und der hl. Otmar.


Zum Schluss verdienen noch folgende Bildwerke gewürdigt zu werden. Da ist zunächst eine Theodorus-Ikone aus dem Pskower Kunstkreis, zu Beginn des 16. Jahrhunderts geschaffen. Es wird angenommen, dass das Bild von einem Mitglied der Familie Rieter von einer Reise oder einer Kriegsfahrt nach Russland oder Polen mitgebracht wurde. Wahrscheinlich war es Philipp Rieter (1566-1633 oder 1635). Das russische Heiligenbild behandelt das Leben und Sterben des hl. Märtyrers Theodorus des Stratelaten.
Auf zwei Bildtafeln wird in 56 Szenen das Leben von Jesus und Maria gezeigt. Es handelt sich um eine nürnbergische Arbeit um 1490, die aber auf altere Vorbilder zurückgeht, die von Memling, Schongauer, Wohlgemut usw. stammen. Das Bild der Vierzehn Nothelfer an der Südseite des Kirchenschiffes diente wohl vor der Reformation als Predella eines Altares. Es steht in Farbe und Zeichnung Leonhard Schäufelin aus Nördlingen nahe.
Schließlich finden wir noch ein Bild: Christus und die Apostel. Dieses Werk, war ursprünglich die Predella des Hochaltars. Es hängt jetzt an der Südwand des Langhauses.


An kleineren Werken wäre noch zu erwähnen: Ein Almosentäfelchen, um 1600 entstanden, und zwei Reliefs, St. Jodokus und St. Ottilia, beide spätgotisch um 1500, sowie ein spätgotischer Opferstock mit gewundener Säule und polygonem Kopfstück, alles an der Südsäule, die Chor und Langhaus trennt.
Sicher wäre von dieser einmaligen Kirche noch viel zu sagen und ausführlicher darzustellen. Eines aber steht fest: Sie führt in ihrer reichen Ausstattung den Besucher zu andächtigem und ehrfurchtsvollem Staunen.

 

(aus dem Kirchenführer der Rieter-Kirche Kalbensteinberg)

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Losung und Lehrtext

Mittwoch, 21. November 2018

Besser wenig mit Gerechtigkeit als viel Einkommen mit Unrecht.
Sprüche 16,8

Niemand gehe zu weit und übervorteile seinen Bruder im Handel. Denn der Herr straft dies alles.
1.Thessalonicher 4,6