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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2020.07.19 Klangvolle Sommerabende

2013. Kirche St. Martin und Ägidius Wald

 

Barocke Kostbarkeiten mit Humor

Die „KLANGVOLLEN SOMMERABENDE“ feierten in Wald einen facettenreichen Auftakt mit Julia Krikkay.

WALD – Martin Luther soll einst gesagt haben: „Die Musik ist eine Gabe und Geschenk Gottes, die den Teufel vertreibt und die Leute fröhlich macht.“ Nun, böse Mächte hätten zum Auftakt der Konzertreihe „Klangvolle Sommerabende im Fränkischen Seenland“ in der Walder Markgrafenkirche St. Martin und Ägidius ohnehin keinen Zugang gehabt. Im Gegenteil: Es herrschte eine wunderbare Atmosphäre, getragen von starken Gefühlen, ungezwungener Religiosität und insbesondere sehr einprägsamen barocken Klangvariationen.

Dafür verantwortlich zeichnete das norddeutsche Ensemble Concorde mit dem vielsagenden Programm „A canto e basso … und 14 Saiten“. Norddeutsch? Na, ja – mit Abstrichen allenthalben. Denn als tragendes Element des Trios mit von der Partie: Julia Krikkay, die Tochter des Dekanatskantors und Veranstalters Bernhard Krikkay. Ihm waren die Freude und der Stolz auf seinen Nachwuchs deutlich anzusehen. Kein Wunder, dass es am Ende der Veranstaltung eine liebevolle Umarmung gab.

Gratulieren durften Kirchenmusikdirektor Krikkay und Pfarrer Daniel Kelber als Gastgeber aber auch den beiden aus der Hansestadt Bremen mitgereisten Männern. Dávid Budai (Viola da Gamba) und Fernando Olivas (14-saitige Basslaute) präsentierten ihre Fertigkeiten nicht nur im Kollektiv, sondern ebenso überzeugend als virtuose Solisten.

Julia Krikkay (Barockvioline), in Wald elegant im roten Hosenanzug angetreten, setzt sich in ihrem künstlerischen Schaffen vor allem mit der von Gesang, Tanz und Improvisation inspirierten Musik des 17. Jahrhunderts auseinander und versucht hierbei eine klare, authentische, facettenreiche und bewegende Sprache zu finden.

Um dieser Authentizität gerecht zu werden, bedarf es zwingend historischer Instrumente. Genau diese Passion für frühbarocke Musik und ihrer originalgetreuen Interpretation verbindet die Violinistin mit Dávid Budai und Fernando Olivas. Das enorm breitgefächerte und spannende Repertoire umfasst neben englischer Gambenliteratur auch Kostbarkeiten aus Italien, Spanien und Lateinamerika.

Dem Publikum fundiertes Wissen vermitteln

Den Protagonisten ist daran gelegen, ihrem Publikum begleitend ein möglichst fundiertes Wissen zu vermitteln. So wird mit Kompetenz, Charme und einer wohltuenden Portion Humor auf den Ursprung der jeweiligen Stücke hingewiesen – Informationen zu den Komponisten sowie technische Details inklusive. Weltliche wie geistliche Themen dokumentieren den Reichtum der Kompositionen.

Das Publikum im Walder Gotteshaus nahm diesen Extraservice mit Interesse zur Kenntnis. Die Besucher genossen den Glanz der Barockvioline, die hohe melodische Ausdruckskraft der auf Deutsch etwas sperrig als „Kniegeige“ bezeichneten Viola da Gamba und die außergewöhnlichen, fast magisch anmutenden Töne der 14-saitigen Theorbe (italienisch Chitarrone). Zur Aufführung kamen Werke von Samuel Capricornus, Bartolomé de Selma y Salaverde, Giovanni Girolamo Kapsberger, John Jenkins, Tobias Hume und Philipp Heinrich Erlebach.

Dessen Sonate für skordierte Violine (als Skordatur wird die von der Norm abweichende, meist spieltechnisch motivierte Stimmung eines Saiteninstruments bezeichnet) und Viola da Gamba in A-Dur (Sonata, Allemanda, Courante, Sarabanda, Ciaconna) spiegelte in idealer Weise die prunkvolle Ornamentik des barocken Gefüges wider.

Zarte Strukturen wechseln sich darin ab mit dynamischen italienischen Stilelementen und einer ausgewogenen (deutschen) Sorgfalt in puncto Satztechnik. Die Erlebach-Sonate war das anspruchsvollste und umfassendste Arrangement des Abends, vorzüglich gemeistert von den Mitgliedern des Ensembles Concorde. Und Martin Luther? Er hätte seine These ziemlich sicher bestätigt gesehen. Schade, dass er nicht dabei sein konnte.

Uli Gruber

 

Klangvolle Sommerabende, Wald

Das Ensemble Concorde mit Dávid Budai, Fernando Olivas und Julia Krikkay

(von links) bescherte Organisator Bernhard Krikkay (rechts) und den Zuhörern

in der Walder Markgrafenkirche einen perfekten Start der „Klangvollen Sommerabende“.

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 23. Juli 2020

© Text und Foto: Uli Gruber , Altmühl-Bote Gunzenhausen

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

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