Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2020.02.19 Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm bei den Landfrauen

Bedford-Strohm
Landesbischof Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Heimatbegriff neu definieren

Landesbischof HEINRICH BEDFORD-STROHM warb gegenüber den Landfrauen für eine „Basis für Weltoffenheit“.

GUNZENHAUSEN. Morgens früher als andere aufstehen, nach langem Arbeitstag später als andere ins Bett gehen, zwischendrin dafür am öffentlichen Pranger stehen: Das sei die Situation, in der sich derzeit die Landwirte befinden. Beim Landfrauentag in der Gunzenhäuser Stadthalle zeigte der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm Verständnis und ließ aus dem Evangelium neue Hoffnung für den ländlichen Raum schöpfen.

Dass er den ländlichen Raum nicht nur vom Hörensagen kennt, machte er gleich zu Beginn deutlich. So haben seine beiden Ururgroßväter in Weißenburg als Geistliche gewirkt, und seine ersten Lebensjahre verbrachte der Seelenhirte mitten auf dem Dorf. Noch heute assoziiere er mit dem Landleben ein besonderes Heimatempfinden. Auch dank Eindrücken, die in erster Linie nicht für ein solches stehen: vom kopflosen Huhn, das seine Runde über den Hof dreht, bis hin zum Misthaufen, der für ein besonderes Aroma im Umfeld sorgt.

Seither habe sich das Agrarwesen stark verändert. Die Rahmenbedingungen „sind schwieriger und unzuverlässiger geworden“, bedauerte der Landesbischof. Viele fragten sich deshalb, ob sie überhaupt noch so investieren sollten, wie es eigentlich nötig wäre. Oder ob sie gerade dadurch in die Schuldenfalle tappen und „in einen Abgrund gerissen werden“. Existenzielle Probleme, die der Gesellschaft eigentlich egal seien, solange sie die Landwirte dazu noch auf die Anklagebank setzen könnte, wie der Geistliche monierte. Leider geschehe dies auch oft seitens der Kirche.

Dabei sei der Bauernstand maßgeblich an der Prägung des Begriffs „Heimat“ beteiligt gewesen, und der habe heute wieder Konjunktur. Aber er müsse wohl im ländlichen Raum bald neu definiert werden, wenn dort statt glücklicher auch keine unglücklichen, sondern gar keine Kühe mehr stehen.

Beileibe nicht idyllisch

Bedford-Strohm warnte zugleich vor allzu großer rückwärts gewandter Romantik. Hier werde oft „ein Idyll heraufbeschworen, das es so gar nicht gegeben hat“. Wer sich die vielen Zwänge und Nöte von einst vor Augen führe, wolle „bestimmt nicht mehr zu diesen alten Landesbischof Bedford-StrohmZeiten zurück“. Das gelte auch für die Kirche. Zu ihr sollten sich die Menschen aus Freiheit heraus bekennen – und nicht unter konfessionellem Zwang wie früher üblich. Die „Heimat“ an sich solle eine „Basis für Weltoffenheit“ bieten – und nicht das Gegenteil darstellen, forderte der Festredner.

Er hatte zudem eine ganz persönliche Botschaft im Gepäck: „Warum,“ so frage er sich, „sagen die Menschen die schönsten Sätze über einen anderen erst an seinem Grab?“ Besser wäre es doch, ihm schon zu Lebzeiten gute Worte zukommen zu lassen. Ein Schritt in diese Richtung könnte es sein, den Gottesdienstbesuch im eigenen Leben wieder etwas mehr zu beherzigen. Dort lehre einem bereits die Liturgie, die „eigenen dunklen Seiten in den Blick zu nehmen“, die aufgrund der Gottesliebe erhellt würden. Da könnten freilich auch Emotionen hochkommen.

Aber: „Wie viele Ehen würden noch bestehen, wenn die Ehepartner eben nicht nur dann emotional würden, wenn sie dem anderen seine Fehler vorhalten“ – sondern sich vorher schon an der eigenen Nase gefasst hätten. Fehler könne man zugeben, was ein „Zeichen der Souveränität und nicht der Schwäche ist“, postulierte der Geistliche. Ebenso hob er die Bedeutung der Fürbitten im Ablaufplan eines Gottesdiensts hervor. Mit ihnen trete man aus der eigenen Welt heraus und „entreißt das Leiden anderer dem Vergessen.“ Darüber hinaus gelte es, „die größte Hoffnungsbotschaft aller Zeiten“ nicht zu vergessen, so Bedford-Strohm über den christlichen Glauben.

Die Landfrauen selbst bezeichnete er als „die größten Expertinnen“ bezüglich der Nachhaltigkeit. Dementsprechend nahm er auch ihre Nöte sehr ernst und gesellte sich gerne zu ihnen an die Tische.

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 24.Februar 2020

© Text:  Jürgen Leykamm, freier Mitarbeiter Altmühl-Bote Gunzenhausen

© Fotos: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

Landesbischof, Bedford-Strohm

Der Tisch an regionalen Produkten ist noch reichlich gedeckt.

Erklärte Kreisbäunerin Helga Horrer (links) Landesbischof

Heinrich Bedford-Strohm dem Gunzenhäuser

Dekan Klaus Mendel (rechts) im Beisein von MdB Arttur Auernhammer

und stv. Kreisbäuerin Inge Schuler. Foto: Horst Kuhn

 

Landesbischof, Bedford Strohm

Kreisbäuerin Helga Horrer (links) mit Stellvertreterin Inge Schuler.

 

drucken nach oben