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Wort zum Advent 2019: „Es blaut die Nacht, die Sternlein blinken …

Wort zum 1. Advent

... Schneeflöcklein leis‘ herniedersinken. Auf Edeltännleins grünem Wipfel häuft sich ein kleiner weißer Zipfel."

So beginnt Loriot sein großes Adventsgedicht. Manche finden es genial, andere geschmacklos. Ich meine: Loriot hat mit seinem Gedicht genau den Punkt getroffen, natürlich auf seine besondere Art satirisch überspitzt.

Da trifft die Sehnsucht nach Romantik, bei Loriot stark verkitscht - „Als das Häslein ging zur Ruh, das Rehlein tat die Augen zu" - auf die brutale, blutige Realität unserer Welt: „Und in der guten Stube drinnen, da fließt des Försters Blut von hinnen." Denn von der Försterin heißt es: „In dieser wunderschönen Nacht hat sie den Förster um gebracht."

Die makabere Geschichte wird noch auf die Spitze getrieben, indem die Mörderin die Leiche zerteilt und Knecht Ruprecht die als Geschenk verpackten Teile mitbekommt, als Weihnachtsüberraschung für arme Menschen.

Wer das ganze Gedicht lesen oder hören möchte findet es leicht im Internet.

 

Absolut unmöglich, so etwas zu dichten! Sagen einige. Aber ist es nicht tatsächlich so? Die Sehnsucht nach einer heilen Welt - steckt sie nicht in uns allen? Wollen wir sie nicht spüren bei Kerzenschein und dem Duft nach frisch gebackenen Plätzchen? Beim gemütlichen Bummel über einen Weihnachtsmarkt, zusammen mit freundlichen Menschen? Wir suchen doch nach einer weniger hektischen, „staden Zeit". Dazu der neueste Geschenktipp aus Schweden: Eine grüne Schachtel, in die man für ein paar Stunden sein Smartphone legen kann, um endlich einmal ein bisschen Ruhe zu haben ...

Und dann ist da eben auch eine völlig unromantische Wirklichkeit mit Krieg und Terror im Großen, Stress und Streit im Kleinen. Und auch, wenn wir glücklicherweise unsere Ehepartner nicht gleich erschießen, wie die Försterin bei Loriot - wer hätte ein nervendes Familienmitglied nicht gerne schon einmal auf den Mond geschossen? Besinnlichkeit, adventliche Stimmung - sie liegen so nahe neben harten Worten und bösen Erfahrungen und zerbrechenden Beziehungen.

 

Deshalb wäre es zu wenig, wenn ich Ihnen nun einfach eine friedliche Adventszeit wünschen würde. Sicher ist es ein guter Vorsatz, sich gerade jetzt stille Zeiten frei zu kämpfen, etwas langsamer zu tackten, sich Besinnlichkeit zu gönnen. Nur kommen wir so aus der grundsätzlichen Spannung nicht heraus.

 

Die christliche Botschaft zur Adventszeit ist eine andere, frohere!

Sie heißt „Advent"! Advent, übersetzt „Ankunft", die Ankunft Gottes in dieser unheilen Welt! Gott, in der Dimension seiner Herrlichkeit, überlässt diese chaotische und oftmals brutale Welt nicht sich selbst, sondern begibt sich mitten hinein, kommt im wahrsten Sinne des Wortes zur Welt: als kleiner Mensch, als Baby Jesus in der Notunterkunft von Bethlehem. Gott kommt an in dieser Welt in Jesus Christus, der sich dann besonders den Armen und Beladenen und Übersehenen zuwendet. Um sie und uns in unserer Not und Hektik nicht allein zu lassen. Gott ist da in dieser Welt, in meinem Leben!Das feiern wir dann ausgiebig an Weihnachten und können uns darüber freuen an jedem Tag.

 

Advent, Adventszeit - wir dürfen uns auf diese Ankunft Gottes vorbereiten, dürfen unsere Vorfreude steigern mit der Anzahl der Kerzen auf dem Adventskranz, mit den geöffneten Türchen im Adventskalender, dürfen miteinander dieser Sehnsucht nach Gottes Kommen Ausdruck geben in den Adventsgottesdiensten. Und wenn es dazwischen wieder einmal turbulent zugeht - nicht wirklich schlimm. Denn genau dies ist die Welt, in die Gott damals hineingekommen ist und in der er bis heute immer noch gegenwärtig und erfahrbar ist.

 

Die offene Frage ist jetzt nur noch, ob Jesus auch bei mir ankommen darf, ob ich diese Ankunft in meinem Herzen erleben möchte.

Noch einmal Loriot: „Im Försterhaus die Kerze brennt. Ein Sternlein blinkt: Es ist Advent." Dass Sie Advent erleben, Jesu Ankunft in Ihrem Herzen und in dieser Welt mit all ihren Nöten, das ist mein Wunsch für Sie!

 

Ihr Pfarrer Claus Bergmann, Gunzenhausen

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