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2019.03.18 Theologiestudent in Gräfensteinberg

2013-Gräfensteinberg, Kirche
Foto: Kuhn

„Mein inniger Wunsch ist es, Menschen zu helfen“

Theologiestudent Jochen Bink absolviert ein Landgemeindepraktikum in Gräfensteinberg bei Pfarrer Matthias Knoch

Latein, Alt-Griechisch und Alt-Hebräisch, zwölf Semester Studium, Examen, mindestens zwei Jahre Vikariat (Pfarrer-Azubi), nochmal Examen und dann ist man erst Pfarrer. Das läppert sich. Doch wenn man für etwas brennt und hundert Prozent dahintersteht, dann weiß man, dass es das wert ist. Davon ist Jochen Bink überzeugt, der seit etwa zwei Wochen ein Berufspraktikum in der Kirchengemeinde Gräfensteinberg absolviert. Wir haben mit ihm und dem betreuenden Pfarrer Matthias Knoch über diesen Berufswunsch und den Weg dorthin gesprochen.

Altmühl-Bote: Herr Bink, waren Sie bereits in der evangelischen Jugendarbeit tätig und haben dort erste Erfahrungen für ihren späteren Lebensweg gesammelt?

Jochen Bink: Meine Schul- und Jugendzeit verbrachte ich in Schmidgaden (Lkr. Schwandorf), Pielenhofen (Lkr. Regensburg) und in Regensburg. Dabei habe ich allerdings nie in einer evangelischen Kirchengemeinde als Jugendlicher im Ehrenamt mitgewirkt.

Wo sind Sie zur Schule gegangen? Haben Sie dort Erfahrung mit dem Glauben gesammelt?

Bink: Erfahrung mit dem Glauben habe ich unter anderem durch meine Schule, den Regensburger Domspatzen (Grundschule und Gymnasium) gesammelt. Dort habe ich nicht nur im Chor und der Gottesdienstgestaltung mitgewirkt, sondern mich auch viel für die Gemeinschaft engagiert. Ich war schon immer evangelisch, das funktioniert auch auf einer katholischen Schule. Christliche Werte sind christliche Werte.

Wann haben Sie beschlossen, Pfarrer zu werden?

Bink: Meinen Entschluss, Pfarrer zu werden, habe ich in der Oberstufe gefasst. Ich wusste nicht, was ich machen sollte, also habe ich gebetet und meine Familie gefragt. Ich wollte Menschen helfen, damit sie ein glücklicheres Leben führen können. Dann gab es da entweder Psychologie oder Theologie. Da mir der Glaube wirklich wichtig ist und ich gesehen habe, dass man als Pfarrer den Menschen mehr helfen kann, habe ich mich dann für ein Theologiestudium entschieden. Davor habe ich, um nicht etwas zu studieren, was mir eventuell keinen Spaß macht, ein „Praktikum“ in meiner Heimatgemeinde gemacht. Ab da war klar, dass ich Pfarrer werden möchte. Ich hatte kein Berufungserlebnis, nur den innigen Wunsch, Menschen zu helfen (Seelsorge) und Glauben weiterzugeben.

Wann und wo haben Sie mit Ihrem Studium begonnen? Wohin geht es in Zukunft?

Bink: Ich studiere in Neuendettelsau seit dem Feriensprachkurs im September 2015. Dort bin ich auch jetzt noch und werde im September nach Kanada gehen, um etwas Erfahrung im Ausland zu sammeln.

Aktuell absolvieren Sie ein Landgemeindepraktikum bei Pfarrer Knoch in Gräfensteinberg. Was sind Ihre Aufgaben und Ihre Ziele?

Bink: Ich versuche hier das Wissen, das ich bisher in meinem Theologiestudium gelernt habe, anzuwenden und den Bezug zwischen Theorie und Praxis nicht zu verlieren. In der Wissenschaft kann es leicht passieren, dass es über das normale Gemeindeleben hinausgeht. Und eine Theologie, die sich um sich selbst dreht, möchte ich persönlich nicht vertreten. Mein Ziel ist es, genau zu verstehen was man als Pfarrer zu tun hat, als Pfarrer und privater Mensch.

Werden Sie Ihre Vikariatszeit in einer Stadt- oder Landgemeinde machen?

Bink: Ich hoffe später mal auf eine Landgemeinde. Die Vorstellung, die Menschen, um die man sich sorgt, um sich zu haben, neben ihnen zu wohnen und mit ihnen zu leben, empfinde ich als wunderbar.

Haben Sie Wünsche für den zukünftigen Beruf eines Pfarrers?

Bink: Was mir wichtig ist: Die Menschen zusammenzubringen in eine Gemeinschaft. Ich sehe, wie viele Menschen inzwischen, nicht nur im Alter, vereinsamen. Ich hoffe, bei der Arbeit — von Taufe über Jugendarbeit bis zur Seniorenarbeit — auf keine verschlossenen Türen, Ohren und Herzen zu stoßen.

Pfarrer Knoch, wie kam Jochen Bink zu Ihnen nach Gräfensteinberg, wie läuft das Verfahren?

Matthias Knoch: Jeder Praktikant gibt einen Wunsch für ein Landgemeindepraktikum an und 2013-Gräfensteinbergwird dann von der kirchlichen Studienbegleitung an seinen Praktikumplatz gesendet. Bei uns vermittelt ein Team vom Hesselberg die Praktikumsplätze.

Was lernen die Praktikanten alles im dörflichen Alltag?

Knoch: Jochen Bink lernt das Miteinander kennen zwischen Pfarrhaus und Gemeinde, die große gegenseitige Wertschätzung, den sehr abwechslungsreichen und schönen Dienst. Es sind immer wieder Klagen zu hören, dass Ärzte oder Pfarrer nicht auf das Land, speziell nicht nach Westmittelfranken; wollen. Das Gunzenhäuser Krankenhaus hat ein Konzept entwickelt, junge Ärzte hierher einzuladen. Auch Dr. Ute Schaaf in Absberg bemüht sich sehr darum. Das Landgemeindepraktikum versucht dasselbe hinsichtlich junger Pfarrerinnen und Pfarrer.

Sie sind bekannt dafür, dass Praktikanten gerne für vier Wochen zu Ihnen nach Gräfensteinberg kommen und auch ins Pfarrhaus einziehen. Andere Pfarrer machen das nicht. Warum?

Knoch: Hier in Gräfensteinberg ist Jochen Bink inzwischen der siebte Praktikant. Jeder andere Pfarrer könnte sich ebenso um einen Praktikanten bewerben. Das Bildungszentrum Hesselberg ist immer auf der Suche. Aber wenige Kolleginnen und Kollegen sind dazu bereit. Vielleicht, weil sie es als belastend empfinden, dass der Praktikant mit im Pfarrhaus wohnt. Eine große Hilfe und Unterstützung ist dabei meine Ehefrau Renate, die uns beide tatkräftig unterstützt. Interview: HORST KUHN

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 18. März 2019

© Text und Foto: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

Gräfensteinberg, Bink

Pfarrer Matthias Knoch (rechts) hat Praktikant Jochen Bink in Gräfensteinberg

unter seine Fittiche genommen. Foto: Horst Kuhn

 

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