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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2019.04.02. Verabschiedung von Katharina und Thorsten Wolff

Laubenzedel, 2017
St. Sixtus-Kirche

Abschied mit Wehmut

Pfarrerehepaar Wolff nimmt neue Herausforderung an

LAUBENZEDEL — Insgesamt 20 Jahre sorgten sich Katharina und Thorsten Wolff um die Seelen in den beiden Kirchengemeinden Haundorf und Laubenzedel. Welche Spuren sie dabei hinterlassen haben, das war am Abschiedsgottesdienst und beim anschließenden Empfang im Feuerwehrstadel deutlich und auch sichtbar zu spüren.

Nicht nur die beiden Posaunenchöre aus Haundorf und Laubenzedel (Leitung Hermann Roth), ein großer Projektchor, bestehend aus Sängern des Kirchenchors Haundorf, des ehemaligen Kirchenchors Laubenzedel und des Männergesangvereins Laubenzedel (Leitung Anne-Kathrin Jordan) und Organist Thomas Werner, sondern auch die Kinder aus dem evangelischen Kindergarten „Storchennest“ mit ihrer Leiterin Christine Schober waren in den Gottesdienst mit eingebunden.

Festlich gestaltete sich der Einzug des Ehepaars Wolff ins Gotteshaus, wo sie von vielen Kirchengemeindegliedern und Ehrengästen aus Kirche, Politik und Wirtschaft erwartungsvoll erwartet wurden. Als Predigttext griffen die beiden Seelsorger das Gleichnis vom aufgehenden Senfkorn aus dem Matthäusevangelium auf: Immer wieder und an ganz unterschiedlichen Stellen habe man in den beiden kleinen Gemeinden das ganz große Wort Gottes spüren, finden, hören können. Manches sei einfach geschehen, geworden und „es ist an uns, darüber zu staunen, wo Gottes große Welt zu finden ist. Wir dürfen vertrauen, wo die Saat gesät ist, da wird es auch wachsen“.

Die Entpflichtung aus dem Amt des Seelsorgers für die beiden Kirchengemeinden nahm Dekan Klaus Mendel vor. „Wehmütig nehme man Abschied von den beiden Seelsorgern, die das Wort Gottes, das Evangelium in beiden Gemeinden und im Schuldienst verkündet haben.“ Für sein zukünftiges Wirken in Wolkersdorf wünschte er dem Paar alles Gute und Gottes Segen.

Noch in der Kirche zogen die beiden Vertrauensleute des Kirchenvorstands, Doris Breit (Laubenzedel) und Werner Kastner jun. (Haundorf), Bilanz über das seelsorgerliche, aber auch gesellschaftliche Leben und Wirken in den Kirchengemeinden. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten wurden in beiden Kirchengemeinden 205 Kinder getauft, 276 Kinder konfirmiert, 51 Paare getraut und 194 Menschen beerdigt. Darüber hinaus gestalteten beide verschiedene Gottesdienste, Abendmahlsfeiern, Freiluftgottesdienste und Gottesdienste in der Laubenzedler Werkstatt für Mitmenschen mit Behinderung. Als Dankeschön überreichten die beiden Vertrauensleute einen Gutschein für einen Theaterbesuch und einen Ordner, gestaltet von vielen Gemeindegliedern und Gruppen aus den zwei Gemeinden.

Durch die Reihe der vielen Grußwortredner in der Scheune des Feuerwehrhauses führte Werner Kastner jun. als Moderator. Zu den geflügelten Worten „Der Weg ist das Ziel“, eröffnete MdL Manuel Westphal seine Dankesworte. Katharina und Thorsten Wolff seien in den zurückliegenden 20 Jahren mit vielen Menschen einen Weg gegangen. Viele Freundschaften seien geschlossen und deutliche, sichtbare Spuren hinterlassen worden, etwa in der Renovierung der St.-Sixtus- Kirche.

In Erinnerung brachte stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Christa Naaß die teilweise persönlichen Begegnungen, da sich zwei Söhne der Wolffs als aktive Fußballer bei der DJK Obererlbach, dem Heimatort von Naaß, mit einbrachten. „20 Jahre sind es nun schon her, als Sie in unsere Kirchengemeinde Haundorf kamen. Manche Kinder, die Sie getauft haben, sind nun schon volljährig“, waren die anerkennenden, dankenden Worte. Naaß brachte auch die Begegnungen anlässlich der Haundorfer Kirchweih, bei den Jahresabschlussfeiern der politischen Gemeinde und das Miteinander bei privaten Begegnungen im Laubenzedler Kindergarten „Storchennest“ ins Gedächtnis.

Bild vom Pfarrhaus geschenkt

Dass es eine neue Herausforderung für Katharina und Thorsten Wolff ist, den Dienst in Wolkersdorf aufzunehmen, darauf wies Haundorfs 2. Bürgermeister Werner Kastner hin. In den 20 Jahren sei die Familie Wolff in die Gemeinde familiär hineingewachsen, die Kinder Benjamin, Jascha und Marian seien hier groß und erwachsen geworden. Namens der Gemeinde überreichte Kastner zum Abschied ein Bild mit dem Haundorfer Pfarrhaus und der gegenüberliegenden St.-Wolfgang-Kirche, gezeichnet von der Haundorferin Sylvia Kastner.

Stellvertretend für die Stadt Gunzenhausen und Haundorfs Bürgermeister Karl Hertlein bedankte sich Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, der darauf zurückblickte, dass man mit der Sanierung der St.-Sixtus-Kirche in Laubenzedel gemeinsam eine „lange Durststrecke“ zu bewältigen hatte. Das Pfarrerehepaar habe einen wertvollen Dienst „für Klein und Groß, Dicke und Dünne und für das Gemeinwohl in beiden Gemeinden geleistet“, betonte das Gunzenhäuser Stadtoberhaupt.

Sehr persönlich gehalten waren die Abschiedsworte des katholischen Pfarrers Gerhard Grössl aus Absberg, der auch für Gunzenhausens Pfarrer Christoph Witczak die Grüße übermittelte. Wenn beide nunmehr aus dem langjährigen Dienst verabschiedet werden, so dürfe man von der „Arbeit im Weinberg des Herrn“ sprechen. Für das Pfarrkapitel bedankte sich stellvertretend Pfarrer Claus Bergmann. Thorsten Wolff hat seit 2003 als Senior gewirkt und Belange bei Bedarf stets an die „Obrigkeit“ weitergeleitet und sich dafür eingesetzt.

Eine gelungene Überraschung war das gemeinsame Auftreten von Thorsten und Katharina Wolff mit der Gunzenhäuser Dekanatsjugendband. Nach der Melodie von „Marmor, Stein und Eisen bricht“ wünschten beide im Chor, dass Vater, Sohn und Heiliger Geist den Kirchengemeinden weiterhin zur Seite stehen mögen.

Am Ende verabschiedeten sich viele Kirchengemeindeglieder persönlich von den zwei Geistlichen, bedankten sich für die langjährige Wegbegleitung und wünschten alles Gute für den Dienst in Wolkersdorf, wo am Sonntag, 3. März, 14 Uhr, in der Christopheruskirche der Einführungsgottesdienst beginnt. HORST KUHN

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen

© Text und Fotos: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

Abschiedspredigt nach den Bildern!!!!!!!

 

2019. Wolff, Verabschiedung

Einzug in das Gotteshaus mit Dekan Klaus Mendel.

 

Wolff, Verabschiedung

Die Laubenzedler Vertrauensfrau Doris Breit (links) und Vertrauensmann Werner Kastner jun. (Haundorf)

bedankten sich bei den Pfarrersleuten Katharina und Thorsten Wolff für deren 20-jähriges Wirken.

Fotos: Horst Kuhn

 

Wolff, Verabschiedung

Nach der Melodie von „Wer hat an der Uhr gedreht“ verabschiedeten sich die Kinder aus dem

Laubenzedler Kindergarten „Storchennest“.

 

Wolff, Verabschiedung

Ein großer Projektchor gestaltete den Abschiedsgottesdienst.

 

2019. Wolff, Verabschiedung

Die vereinigten Posaunenchöre aus Laubenzedel und Haundorf.

 

 

In der FFW-Scheune

 

Wolff, Verabschiedung

 

Wolff, Verabschiedung

Die Landjugend verabschiedet sich.

 

Abschiedspredigt: Katharina und Thorsten Wolff

Liebe Gemeinde,

als Predigttext für diesen Gottesdienst haben wir uns einen Abschnitt aus dem Matthäusevangelium herausgesucht, Kapitel 13:

Jesus erzählte ein weiteres Gleichnis: »Mit Gottes himmlischem Reich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf sein Feld sät.

Es ist zwar das kleinste von allen Samenkörnern, aber wenn es aufgeht und wächst, wird es größer als andere Sträucher. Ja, es wird zu einem Baum, auf den die Vögel fliegen, um in seinen Zweigen ihre Nester zu bauen. «

Und auch das folgende Gleichnis erzählte Jesus: »Man kann Gottes himmlisches Reich mit einem Sauerteig vergleichen, den eine Frau zum Brotbacken nimmt. Obwohl sie nur wenig davon unter eine große Menge Mehl mischt, ist am Ende alles durchsäuert.«

Soweit der Predigttext. Wir wollen in der Stille um den Segen des Wortes Gottes beten.

Herr, gib mir ein Herz für dein Wort und ein Wort für mein Herz. Amen

Liebe Gemeinde,

wenn man das Leben von Jesus betrachtet, wie er gelebt hat und was, wenn man auf das hört, wie Jesus verkündigt hat und was er gesagt hat, dann wird eines klar:

Jesus hat immer das ganz große im Blick, die weite Welt und er sieht das ganz kleine Leben der Menschen, die gerade um ihn sind.

Ihm geht es immer um die ganze Welt, hier und dort, oben und unten, um alles, was ist und werden soll und um jedes einzelne Leben. Genauer um das alltägliche Leben, um dieses tägliche Aufstehen und machen und ruhen und suchen und fragen und entscheiden und zweifeln und hoffen. Dieses alltägliche Leben, das manchmal so voll ist mit lauter kleinen Dingen, die getan werden sollen und das dennoch manchmal so eine Leere haben kann.

Und gerade weil er beides sieht, die Welt und uns, nimmt er Bilder aus eben diesem unseren Alltag, um uns von der ganz großen Welt zu erzählen und uns so eine Vision zu schenken, wie Leben miteinander und füreinander sein könnte.

Ein winziges Samenkorn, wie wir schon viele gesehen haben, ein Sauerteig, den wir – wenn vielleicht auch nicht durch das eigene Backen so doch vom Bäcker her kennen. Alles nichts Besonderes, halt alltägliches. Und doch steckt in beidem enormes Potential. Aus dem Samenkorn wird eine Pflanze, aus dem Sauerteig ein großes Brot.

So ist das mit dem Reich Gottes, erzählt uns damit Jesus. Und das bedeutet für uns: Entlastung. Entlastung, denn - Das Himmelreich wächst von selbst. Es liegt nicht an mir, dass es groß wird. Wo Jesus ist, ist Gottes Reich, wo in seinem Namen gelebt, gelacht, geweint und geteilt wird, da wächst Reich Gottes – ohne dass wir etwas dazu tun müssen.

Und das bedeutet für uns auch: Staunen. Staunen über die Kraft, die in einem einzigen kleinen Korn steckt, Staunen über die Treibkraft des Sauerteiges, der einfach so alles durchzieht. Staunen über Gott. Wo Gott ist, da wird.

Und - Gott ist da, mitten in unserem Alltag, in unserem kleinen Leben, und er wirkt. Es ist nicht an uns, Gott in das Leben zu bringen, es ist an uns, darauf zu achten, wo Gott schon längst ist und wirkt. Gottes Reich beginnt ganz klein, aber mit enormer Kraft. Es ist an uns, auf diese Kraft zu achten, darauf zu achten, wo wir Gott entdecken können in unserer Betriebsamkeit. Wenn mich Liebe streift oder Dankbarkeit erfüllt, und wenn es nur für einen Augenblick ist, da wächst sein Reich. Wenn ein Bissen Brot und ein Schluck Saft mich satt machen, weil andere mit mir teilen, wenn eine Idee uns vorantreibt und andere mitgehen – da wächst es, das ganz große Reich, was uns Jesus verheißt.

Und es wächst von selbst und wir können nur staunen.

So etwa könnte man auch die 20 Jahre hier in Haundorf und Laubenzedel beschreiben. Immer wieder und an ganz unterschiedlichen Stellen konnte man in unseren beiden kleinen Gemeinden das ganz große Gottes spüren, finden, hören, sehen.

Manches ist einfach geschehen, geworden und es ist an uns darüber zu staunen, wo Gottes große Welt zu finden ist. Wir dürfen vertrauen, wo die Saat gesät ist, da wird es auch wachsen. Es liegt nicht an uns, dass die Saat aufgeht, es liegt an uns, die Früchte zu sehen, die schon heute und hier Gottes Liebe sichtbar machen und den Geist lebendig und offen.

Entlastung und Staunen – das ist eine gute Mischung.

Ich denke an Franz von Assisi – ein junger Mann, der immer auf der Suche war, was sein Leben ausmachen soll, der obwohl als Sohn eines Tuchhändlers gut beschäftigt eben eine Leere in seinem Leben empfand. Eines Tages, als er bei einer verfallenen Kapelle war, hört er eine Stimme, die ihm sagte: Bau diese Kirche wieder auf. Franz von Assisi hat diese Stimme gehört und er hat diese Kirche wieder aufgebaut. Brett für Brett und erst Jahre später hat er gemerkt, dass Gott im Grunde viel mehr damit gemeint hat, als nur die Kapelle zu erneuern.

Er sollte die Kirche erneuern, die viel zu reich und selbstbezogen geworden war. Bis heute sind seine Gedanken von Bedeutung. Hätte Franz von Assisi als junger Mann geahnt, was seine Aufgabe werden sollte, er hätte sich wohl überfordert gefühlt. Aber im Kleinen, die Kapelle wieder aufbauen, das hat er sich zugetraut. Und daraus wurde mehr, wurde Großes.

Wir selbst waren bei unserer 6 wöchigen Pilgerzeit auf dem Franziskusweg in dieser Kapelle San Damiano. Und bis heute kann man in dieser Kapelle diese ungeheure Kraft spüren, die in der Verheißung des Reiches Gottes mitten in unserer kleinen Welt steckt. Franz von Assisi hätte diese Erfahrung nie gemacht, hätte er nicht gehorcht.

Darum geht es: Zu horchen auf das, was Gott uns sagt. Aber dazu müssen wir innehalten in unserem Alltag, Gottes Stimme heraushören zwischen all den Stimmen, ihr vertrauen aus tiefstem Herzen und dann es geschehen und werden lassen. Wachsen lassen wie das Samenkorn. Aufmerksames Hören, das können wir tun, denn dann erkennen wir die vielen kleinen Hinweise von dem großen Gott in unserer kleinen Welt. Aufmerksam hören, auf Gott, auf uns selbst, auf andere. Dann kann ich wahrnehmen, wo mir Gutes widerfährt, wo auf ein gutes Wort von mir gewartet wird. Dann kann ich sie spüren, die Kraft, die mir geschenkt wird ohne Zutun und die ich anderen geben kann. Aufmerksamkeit ist kein Luxus, es ist Lebenswichtig, wenn Leben nicht leer bleiben soll.

Jesus macht uns Mut, auf das Kleine zu achten, und zu ahnen, welche Kraft dahintersteckt. Und Jesus macht uns Mut; selbst klein anzufangen, Brett für Brett, einmal mehr lachen als mich ärgern, einmal mehr ausprobieren als ängstlich zu verharren, einmal mehr zu danken als es Gewohnheit ist. So beginnt das Reich Gottes. Und so mischt sich immer mehr von Gottes gutem Geist in unserem Leben unter wie der Sauerteig in einem Brot. Reich Gottes wächst und es findet da statt, wo Menschen sich in ihrem ganzen Sein, Tun und Denken von Jesus durchsäuern und prägen lassen. Und dann ist es eben spürbar, das ganz große Gottes in unserem ganz kleinen Alltag.

Jesus sagt: Auf eben dich kommt es an. Es macht einen Unterschied, wenn du in den Alltäglichkeiten Gott suchst und findest, es macht einen Unterschied, ob du betest, bevor du handelst oder sprichst.

Jesus macht uns Mut, auf das bereits Vorhandene zu schauen und das Mögliche zu suchen, so klein es auch sein mag. Aber es ist ja so: In Gottes Liebe steckt unendliche Lebenskraft mit unendlichem Wachstumspotenzial – das reicht für dich und mich und dann noch für die ganze Welt. Und Gott will, dass wir daran teilhaben, heute hier in und mit unserem kleinen Leben.

Das ist doch wirklich ganz groß. Amen

 

 

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