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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2018.12.01 Einführung Pfarrerin Dorothee Stadler

2013. Pfofeld
Foto: Kuhn

Ein herzliches Grüß Gott für die neue Pfarrerin

Dorothee Stadler betreut künftig Kirchengemeinden Pfofeld und Thannhausen — „Weg gemeinsam gehen“

PFOFELD — Es war ein freudiger Tag für die Kirchengemeinden Pfofeld und Thannhausen. Nach kurzer Vakanz trat Pfarrerin Dorothee Stadler offiziell ihren Dienst an.

Unter vielen hoffnungs- und erwartungsvollen Blicken zog die Seelsorgerin in St. Michael ein, begrüßt von Pfarrer Thomas Schwab (Aha/Unterwurmbach), der für sechs Monate für beide Kirchengemeinden tätig gewesen war. Schwab bedankte sich bei den Kirchenvorstehern und bei den Gemeindegliedern dafür, dass sie ihn in dieser Zeit tatkräftig unterstützten.

Dekan Klaus Mendel verlas zunächst die Urkunde des Münchner Landeskirchenrats, in der die Amtspflichten umschrieben sind. Nach den Einführungsfragen an die Seelsorgerin und an die Kirchengemeinde vollzog Mendel mit Assistenz von Pfarrer Matthias Knoch (Gräfensteinberg), einem langjährigen Bekannten der Familie Stadler, den beiden Vertrauensleuten Ruth Grochow (Pfofeld), Ernst Kirsch (Thannhausen) und Prädikantin Claudia Seißler (Freilassing), einer Freundin aus der Zeit, als Pfarrerin Stadler noch in Oberbayern wirkte, die Einsegnung.

Die Pfarrerin forderte in ihrer Antrittspredigt dazu auf, sich als Christ erkennbar zu zeigen. In ihrem früheren Wirkungsort in Papua-Neuguinea ist das Tragen einer Mütze mit der darauf abgebildeten Lutherrose für Christen ein Symbol des Stolzes, der Zusammengehörigkeit und der Identität. Als Kirche gilt es, nicht ins Wanken zu kommen, so die Geistliche, sondern an der Hoffnung festhalten und auf Christus zu vertrauen. Die Kirche braucht achtsame Mitchristen, die beobachteten, die sich darum kümmern, ob man noch Schritt halten könne. Achtsamkeit heiße aber auch, sich nicht zu überfordern und andere nicht überfordern. „Lasst uns unseren Weg in dieser Welt gemeinsam gehen, unter Gottes Gnade“, waren die auffordernden Worte von Dorothee Stadler Die Reihe der Grußwortredner eröffnete Pfarrerin Reinhild Schneider, Leiterin des Referates Partnerschaft und Gemeinde bei der Mission EineWelt in Neuendettelsau. Sie würdigte die Dienste des Pfarrerehepaares Dr. Jürgen und Dorothee Stadler in Papua Neuguinea. „Möge Gott dich segnen, dass du ein Segen für die beiden Gemeinden bist“, sagte Schneider weiter.

Dass sich die Region Altmühlfranken sehr zum Positiven verändert habe, stellte stellvertretender Landrat Robert Westphal heraus. In Pfofeld und Thannhausen werde es die neue Pfarrerin mit einer Vielzahl engagierter Vereine zu tun bekommen.

Dass die beiden bisher vakanten Pfarrstellen von Pfarrer Thomas Schwab sowie den beiden Ruhestandspfarrern Martin Templin und Heinz Keßler betreut wurden, stellte 2. Bürgermeister Georg Schwarz dankbar heraus. Seit der Reformation habe es in Pfofeld fast nur Pfarrer gegeben, Dorothee Stadler sei erst die zweite Pfarrerin. Für das Pfarrkapitel im Dekanat Gunzenhausen sprach Senior Pfarrer Thorsten Wolff (Haundorf) ein Grußwort. In dem Gremium sei die Pfofelder Seelsorgerin herzlich willkommen.

Zuletzt war es an den Vertrauensleuten Ruth Grochow und Ernst Kirsch, die Pfarrerin Stadler mit den traditionellen Begrüßungsgeschenken Brot und Salz zu begrüßen. Beide bedankten sich bei allen, mit deren Hilfe die Zeit der Vakanz gemeistert wurde. Ein Dank galt auch Margit Templin, für die jahrzehntelange Mitarbeit im Pfarramtsbüro unter Ehemann Martin Templin und der Vorgängerin im Amt, Pfarrerin Brigitte Rothgängel.

Musikalisch ausgestaltet wurde der Festgottesdienst durch die vereinigten Posaunenchöre Pfofeld/Thannhausen, die Kinder des Kindergottesdienstes und den Kirchenchor. Im Anschluss bestand im nahen Gemeindehaus Gelegenheit, erste Kontakte mit Pfarrerin Dorothee Stadler zu knüpfen. Frauen aus dem Kirchenvorstand beider Kirchengemeinden und Frauen aus Pfofeld/Thannhausen hatten ein reichhaltiges Büfett zusammengestellt. HORSTKUHN

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 07. Dezember 2018

© Text und Foto: Horst Kuhn

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

2018. Pfofeld Stadler

Dekan Klaus Mendel (links) gemeinsam mit Pfarrerin Dorothee Stadler

und Pfarrer Matthias Knoch auf dem Weg in die Pfofelder St.-Michaels-Kirche.

Fotos: Horst Kuhn

 

 

2018.Pfofeld, Stadler

Dekan Klaus Mendel assistiert von Pfarrer Matthias Knoch (rechts), Prädikantin

Claudia Seißler und den beiden Vertrauensleuten Ernst Kirsch und

Ruth Grochow bei der Einsegnung.

 

2018.Pfofeld, Stadler

Als Zeichen des Dankes für ihre langjährige Mitarbeit  im Pfarramt wurde an

Margit Templin (rechts) ein schöner Blumenstrauß überreicht.

 

2018. Pfofeld Stadler

Pfarrerin Dorothee Stadtler mit Ehemann Dr. Jürgen Stadler

 

 

Predigt zur Einführung am 1.12.2018 in Pfofeld.

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn

Jesus Christus. Amen.

Ich lese das Predigtwort für den heutigen Gottesdienst, ein Text zum 1. Advent. Es

steht im Brief an die Hebräer im 10. Kapitel die Verse 23-25…

„Lasset uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken, denn

er ist treu, der sie verheißen hat; 24 und lasst uns auf einander Acht haben und

uns anreizen zur Liebe und zu guten Werken 25 und nicht verlassen unsere

Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und

das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“

Liebe Festgemeinde,

vielleicht haben sie heute ein wenig gestutzt, als sie auf ihrem heutigen

Gottesdienstprogramm nicht die Pfofelder Kirche St. Michael, sondern eine

Lutherrosenmütze auf dem Titelbild prangen sahen. „Ja was ist denn das?“ meine ich in

manchen Gesichtern gelesen zu haben. Diese Frau mit der Lutherrosen-Mütze hat auch

uns stutzig gemacht, und so hat sie mein Mann in unserer bisherigen Heimat in Goroka

fotografiert.

Es ist schon merkwürdig, wenn man 15.000 km entfernt von Bayern mitten auf dem

Einkaufsmarkt jemand mit Lutherrosen-Mütze entdeckt. Mitten in all den lustigen Coca

Cola und nike Cappies da weist jemand auf den Glauben mit seiner Mütze hin. Das ist

eine Herausforderung, ein Grund zum stutzig werden. Wir kannten die Lutherrose bisher

nur in erhabenen Zusammenhängen: Als ein Symbol auf wichtigen Büchern oder

Schriftstücken, als Siegel schön gerahmt oder in einem Gemeindehaus in Gips

gegossen als Wandschmuck. In Gunzenhausen prangt sie im Luthersaal, habe ich mir

erzählen lassen.

In Neuguinea praktizieren die lutherischen Christen auch die respektvolle Verwendung

ihres Symbols. Doch von Anfang an fiel uns auf: Sie tragen es auch im Alltag! Als

gehäkeltes Cappy wie hier auf dem Bild, als gehäkelte Einkaufstasche am Sonntag

beim Kirchgang, als Autoaufkleber sieht man sie im Verkehr und hilft sich, wenn man in

Not ist. Lutherrosen werden bei einer Synode sogar von den Gastgebern feierlich

getanzt von hunderten von Menschen, die Umhänge in den verschiedenen Farben der

Lutherrose tragen. Die Lutherrose ist in PNG ein Symbol des Stolzes, der

Zusammengehörigkeit und der Identität. Wir gehören zu dieser Gruppe von Christen.

Unser Predigtwort heute beginnt mit dem Satz „Lasst uns festhalten am Bekenntnis der

Hoffnung und nicht wanken“ ein etwas altmodischer Satz. Doch hier wird vom Schreiber

des Hebräerbriefes nicht ein Treueschwur auf einen Menschen, eine Partei oder gar eine

Ideologie gefordert. Nein! Er spricht vom Bekenntnis der Hoffnung.

Und das ist gut so. Auf vielfältige Weise, in jeder Kultur auf andere Weise sind Christen

aufgefordert aufzufallen, alternativ zu ­­­reden und zu handeln. Dazu ermutigt uns dieses

Predigtwort. Traut euch als Christen erkennbar zu sein!

Vielleicht sagt mancher von Ihnen: Eigentlich habe ich dazu jetzt gar keine Lust. Ich

laufe doch nicht mit Luthercappy durch die Stadt. Da mache ich mich doch lächerlich!

Ich denke ja, das ist nicht unsere Art. Tatsächlich, wir tun es anders. Und trotzdem:

Gerade in einer Zeit, in der Menschen ganz stark nach Orientierung suchen sind wir

gefragt, nicht zu schweigen.

Die Apostel Johannes und Petrus wurden vom Hohen Rat zum Schweigen unter

Androhung von Strafe verpflichtet. Darauf sagten sie: „Wir könnens ja nicht lassen von

dem zu reden, was wir gesehn und gehört haben.“ Apg 4,23

Das ist die allererste Aufgabe der Kirche: Von unserer Hoffnung im Leben und im

Sterben zu reden und nicht zu schweigen. Wir dürfen Menschen Mut machen! Und das

nicht ohne Grund. Wieviel kleinliche Ängstlichkeit wabert oft durch unsere Herzen und

Sinne. Wieviel Unheilsprophetie ergreift oft unser Gemüt! Ich nehme mich da nicht aus!

Wir sind oft gebannt wie das Kaninchen vor der Schlange: Dieser Kleinmut traut dem

Herrn der Welt und der Kirche nichts zu! Und das will der Gegenspieler Gottes. Er will

uns runterdrücken so dass wir zu Menschen werden, die nur noch Probleme

analysieren und keine Visionen mehr für die Zukunft haben. Dazu ist Kirche nicht

berufen! Wir sollen als Kirche nicht wanken. Wir sollen die Hoffnung festhalten und auf

Christus vertrauen. Er hat die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft in seiner

Hand. Er kann hoffnungslose Lagen zum Besten wenden. Er kann aussichtslose

Sackgassen in neue Wege münden lassen! Trauen wir dem Herrn der Kirche das zu!

Und wo es keine Veränderungen gibt? Wo ein Kind krank bleibt, eine Beziehung nicht

mehr zu kitten ist? Wo eine Sache unrettbar geworden ist? Soll man da auch noch

hoffen?

Ja. Aber unsere Hoffnung ist kein Prinzip! Unsere Hoffnung ist Antwort auf einen Ruf!

V 23 „Treu ist der, der euch gerufen hat.“ Unsere christliche Hoffnung gründet in einem

geheimnisvollen Ruf aus der Ewigkeit! Sie begründet sich nicht auf menschliche

Durchhalteparolen oder Versprechungen. Unsere Hoffnung gibt sich manchmal auch in

das Unabänderliche hinein und sieht darin trotzdem Gottes Ruf.

Das Alte Testament erzählt dazu die Geschichte vom jungen Samuel: Samuel hört

nachts den Ruf Gottes. Dreimal. Aber er kann diesen Ruf nicht mit Gott in Verbindung

bringen. Er denkt, der Priester Eli hätte ihn gerufen. Er läuft zu ihm und fragt ihn, was

los sei. Beim dritten Mal merkt es Eli und erklärt ihm: Es ist der Gott des Himmels und

der Erde. Er will mit dir reden. Und Samuel antwortet auf den Ruf Gottes: Hier bin ich!

Gott spricht auch mit uns in verschiedensten Situationen, z. B. wenn wir sagen: Gott

sei Dank, dass jetzt kein Unfall passiert ist. Oder: Wenn wir nach einem Streit

Versöhnung erfahren. Oder: wenn Dinge sich wenden, wie wir es nie uns haben

vorstellen können. Aber oft bringen wir sie, ähnlich wie der junge Samuel, nicht mit dem

Reden Gottes in Beziehung. Wir bleiben in unserem Dank bei den Menschen um uns

herum oder beim „Zufall“ stehen. Es muß uns manchmal erst von andern gesagt

werden:Gott redet mit dir. Diese Lage in der du dich befindest, ist Gottes Wink! Und

wenn wir dann antworten „Hier bin ich Herr“ beginnt eine neue Geschichte mit Gott.

Was geschieht, wenn uns die Rückbindung an Gottes Ruf fehlt? Ohne die Rückbindung

an den Ruf Gottes werden unsere gutgemeinten Rettungsaktionen für die Welt leicht ein

gesetzlicher Krampf.

a. Wer aus Bekennerzwang heraus , quasi sich selbst rufend meint, ein

Christuszeugnis geben zu müssen, der wird damit kaum Menschen erreichen.

b. Auf der anderen Seite reicht es auch nicht, allein für christliche Werte einzutreten,

ohne Menschen in die Zone des Rufes Gottes führen zu wollen.

Es reicht nicht, für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzutreten,

ohne auf den hinzuweisen, der der Friedefürst, der Weltenzurechtrichter und der

Schöpfer dieser Welt ist.

Es ist in meinen Augen nur eine halbe Sache, wenn Kirche sich damit zufrieden gibt,

allein Ethik und gutes Handeln zu predigen. Christus selbst, das Haupt der Gemeinde –

er scheint dabei irgendwie unterwegs verloren gegangen zu sein. Das Bekenntnis der

Hoffnung und der Ruf Christi sollte nicht mit einem kategorischen Imperativ, mit einem

erhobenen Zeigefinger verwechselt werden. Dann verliert unsere Hoffnung ihre Strahlkraft

und ihre Seele.

Christliches Hoffnungsbekenntnis ist eine Antwort auf den Ruf des Herrn der Hoffnung.

Wie kann solche Hoffnung gedeihen? Der Nährboden christlicher Hoffnung ist

achtsame und weitsichtige Gemeinschaft.

V24: „… und laßt uns auf einander Acht haben und uns anreizen zur Liebe und zu guten

Werken und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern

einander ermahnen und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht.“

Wo wächst die Hoffnung auf? Auf einem gut bewässerten Erdreich. Und dabei nicht als

einzige einzelne Pflanze, sondern mit vielen anderen zusammen wird es ein Ackerfeld,

das viel Frucht bringt. Unser Bibelwort spricht von der Achtsamkeit, die wir miteinander

haben sollen. Es spricht von der göttlichen Liebe, der Agape. Und es spricht von

Weitsichtigkeit auf das Ziel des nahenden Tages hin. Wer bei einer Wanderung ein

großes Ziel vor Augen hat, der sollte nicht an jedem Stein herumdiskutieren, der sich

ihm in den Weg legt. So wird er nicht ankommen. In meiner Zeit im Berchtesgadener

Land hatte ich manchmal die Gelegenheit einen Berg hinaufzulaufen. Das ist richtig

anstrengend, besonders wenn man als sitzend arbeitender Menschen nicht trainiert ist.

Was gibt einem dann die Energie weiterzulaufen? Das Ziel! Die gute Gaststätte da

oben! Der Kuchen, der Kaffee, das Bier oder das Apfelschorle, das dort wartet! Auf

keinen Fall sollte man sich bei dem aufhalten was gerade vor einem liegt: Die schlechte

Wegmarkierung oder auch die Wurzeln im Weg oder den Kuhmist oder oder. Wer das

Ziel im Auge behält und sich nicht in Kleinigkeiten verhedert, kommt voran.

Wir brauchen achtsame Bergfreunde, die uns beobachten. Die sich darum kümmern ob

man noch Schritt halten kann oder ob man sich Blasen gelaufen hat. Das brauchen wir

auch im Miteinander: Menschen die uns helfen, wenn wir mutlos werden, die merken wo

wir unsere wunden Punkte haben und darauf Rücksicht nehmen. Achtsamkeit heißt

aber auch: Sich nicht überfordern. Andere nicht überfordern. Laßt uns unseren Weg in

dieser We gemeinsam gehen, unter Gottes Gnade. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, der bewahre unsere Herzen und

Sinne in Christus Jesus zum Ewigen Leben. Amen.

 

 

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