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Pfarrer Gert Sommerfeld im Interview

2013. St. Agathe-Kirche Theilenhofen
Kirche St. Agatha. Foto: Kuhn

„Sich gemeinsam auf den Weg machen“

 

Im Interview spricht Pfarrer Sommerfeld über sein Amt und die Herausforderungen

 

THEILENHOFEN — Für die Gemeinde da sein in Höhen und Tiefen, das praktiziert Pfarrer Gert Sommerfeld seit Jahr und Tag. Wir sprachen mit ihm über sein weites Arbeitsfeld.

Herzlichen Glückwunsch zum 30-jährigen Dienstjubiläum! Die zu Ihrer Pfarrstelle zugehörigen Kirchengemeinden Theilenhofen, Dornhausen, Wachstein, Gundelsheim und Wachenhofen haben Ihr Jubiläum herzlich gefeiert. Schon an der Nennung der fünf Gemeinden wird ersichtlich, dass sich Ihr Aufgabengebiet über die Zeit stark gewandelt und ausgeweitet hat. Was hat im Rückblick am meisten Spaß gemacht?

Sommerfeld: Am meisten Spaß gemacht hat mir, dass die Gemeindearbeit in einem ländlichen Umfeld so vielschichtig ist, dass man von der Jugend- bis zur Seniorenarbeit ein weites Tätigkeitsfeld hat und so Menschen gut begleiten kann. Von mir getauft, konfirmiert und getraut – das gibt es jetzt schon ab und an.

 

Fünf Kirchengemeinden und ein weit gespanntes Aufgabenfeld – brauchten Sie da viel Unterstützung?

Sommerfeld: Sicherlich! Und die Unterstützung habe ich auch erfahren dürfen: von den Kirchenvorständen und den vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern! Wie viele das sind, lässt sich kaum beziffern, denn es gibt ja nicht nur Kirchenvorstandsmitglieder, Lektoren, Kindergottesdienst- und Jungscharmitarbeiterinnen, sondern auch die Posaunenchöre und einen Kirchenchor. Nach wie vor bestehen fünf Kirchengemeinden, aber die meisten Sitzungen finden gemeinsam statt.

 

Die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands Rosi Kolb hat ja in ihrer Rede aufgezählt, wie viel und was alles Sie in Ihrer langen Dienstzeit gestemmt haben: Neben der seelsorgerischen Tätigkeit und der Gottesdienstgestaltung gab es Bauvorhaben und die Zusammenlegung der fünf Gemeinden. Wo kann man da die Marke „Sommerfeld“ erkennen, wo sind Sie prägend in Erscheinung getreten?

Sommerfeld: Ich möchte mich da nicht auf das Bauen festlegen. Das ist es nicht. Wichtig war und ist mir, dass die Gemeinde spürt, dass sie begleitet wird, dass ich für die Gemeinde da bin – in Höhen und Tiefen. Wichtig war mir zudem, dass alles auf Augenhöhe geschieht – auch vom Glauben her. Dass jeder akzeptiert ist, so wie er ist. Das möchte ich auch weitergeben: ein respektvolles Miteinander.

 

Vergleicht man das Jahr 1987, wo Sie im Sommer Ihren Dienst in Theilenhofen und Dornhausen antraten, und das Jahr 2017 – hat sich in dieser Zeit die Gewichtung der Aufgaben verschoben?

Sommerfeld: Durch die Zusammenlegung der fünf Gemeinden hat sich einiges verschoben. Aber nach wie vor ist der Gottesdienst ein wichtiger Pfeiler. Wichtig war und ist, dass nicht so sternförmig verteilt jeder sein eigenes Süppchen braut, sondern man sich gemeinsam auf den Weg macht, was auch die gemeinsamen Sitzungen zeigen. Die Besonderheiten der einzelnen Gemeinden sollen dennoch wertgeschätzt werden.

 

Ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Pfarrer so lange an demselben Ort bleibt?

Sommerfeld: Nach dem Wunsch der Landeskirche sollte ein Gemeindepfarrer alle 10 bis 15 Jahre die Pfarrstelle wechseln. Doch es gibt auch andere Stimmen, die sagen, es ist gut, wenn Langzeit-Wissen in einem Dekanat vorhanden ist.

 

Noch eine theologische Frage im Reformationsjahr: Wie steht die evangelische Lehre zu der Interpretation, es gebe sieben Todsünden (Hochmut, Geiz, Wollust, Jähzorn, Völlerei, Neid und Faulheit oder die Trägheit des Herzens)? Wie war Martin Luthers Sicht auf unterschiedliche Grade von Sündhaftigkeit?

Sommerfeld: Im Neuen Testament heißt es: „Es gibt nur eine Sünde und die ist wider den Heiligen Geist.“ Sünde heißt grundsätzlich Abkehr von Gott. Wie will man differenzieren zwischen kleinen Sünden und großen Sünden? Da kommt Luther ins Spiel: Der Mensch erfährt, dass er angenommen ist, auch wenn er es nicht schafft, ohne Sünde zu leben.

Luther wendet sich gegen eine „billige Gnade“, vielmehr müsse der Mensch sich immer wieder neu an Gottes Wort orientieren und entsprechend leben. Luthers Freiheitsverständnis kommt hier zum Tragen: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Freiheit hat für mich zwei Seiten, Freiheit von etwas und Freiheit zu etwas: Zum einen hat über meinen Glauben niemand zu urteilen, zum anderen gibt es Freiheit zu etwas, als Aufgabe.

 

Als Gemeindepfarrer und stellvertretender Dekan können Sie die Frage nach den Herausforderungen für die kommenden Jahre ja aus zwei Perspektiven beantworten… Sommerfeld: Von unseren fünf Kirchengemeinden aus betrachtet wird die nächste Herausforderung die Kirchenvorstandswahl sein. Es gilt, Kandidatinnen und Kandidaten zu gewinnen, die bereit sind, Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen. Für Wachenhofen wird es sicherlich auch die anstehende Kirchenrenovierung sein.

 

Auf das Dekanat Gunzenhausen kommt sicher die Frage zu, wie Kooperationsgemeinschaften zwischen den einzelnen Kirchengemeinden gelingen können. Hier spreche ich aus Erfahrung: Man muss einen langen Atem haben auf so einem Weg und es verstehen, alle mit ins Boot zu nehmen.

Interview: BABETT GUTHMANN

 

Sommerfeld, Theilenhofen

Gert Sommerfeld ist seit drei Jahrzehnten Pfarrer im Raum Theilenhofen. Foto: Babett Guthmann

 

©  Text und Foto: Babett Guthmann

©  Titelfoto: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

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