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2017.07.09 500 Jahre Reformation - Wort/Transport

Wort/Transport
Marktplatz: Foto: Kuhn

Ein Tag Reformation auf dem Marktplatz

 

„Wort.Transport.“-Aktion erwies sich als Volltreffer — Information und Unterhaltung für Jüngere und Ältere

 

GUNZENHAUSEN — Die Sonne schien unbarmherzig von oben, die Schweißperlen auf den Gesichtern der Menschen waren unübersehbar, und trotzdem quirlte und wuselte es auf dem Marktplatz, der guten Stube der Stadt, den ganzen Tag, ja bis spätabends. Der Grund: Martin Luther, der Reformator, oder genauer gesagt: „Wort.Transport.“.

Hinter dem etwas kryptisch anmutenden Titel verbarg sich eine Idee der Evangelischen Landeskirche (ELK), das 500-jährige Jubiläum der Reformation in möglichst vielen Gemeinden und Dekanatsbezirken in Bayern spür- und erlebbar zu machen. Eine von 30 Stationen war Gunzenhausen.

Auch wenn die Initiative vom Nürnberger Amt für Gemeindedienst (Af G) der ELK ausging, ohne Partner vor Ort gehe gar nichts, sagte Diakon Friedrich Rösner, zuständiger Referent für missionarische Projekte. Und ein solches war „Wort.Transport.“ allemal. Für ihn ist es wichtig, dass sich Kirche nicht nur in ihren eigenen Räumen präsentiert, „sondern auf die Plätze geht, da, wo sich was rührt“.

Dreieinhalb Jahre dauerte die Vorbereitungszeit. In Neumarkt startete das Unternehmen, es ging weiter in den Süden des Freistaats, ins Voralpenland, in die Landeshauptstadt, ins Allgäu und weiter in den Norden. Der Abschluss findet in Lauf statt.

„GuteGelegenheit“

An den Wochentagen kamen meist Schulklassen, dafür weniger Erwachsene. In Gunzenhausen hingegen kamen Kinder und Ältere, dazu eine Reihe von Urlaubern, die spontan mit ihrem Rad stehen blieben. „Eine gute Gelegenheit, etwas mehr von Luther und der Reformation zu hören“, meinte ein Mann aus dem Ruhrgebiet, der mit seiner Familie im Seenland seinen Jahresurlaub verbringt.

Drei große Lkw bildeten das Grundgerüst. Zum einen ein großer Auflieger der „Kirche Unterwegs“, der in der Hauptsaison normalerweise auf Campingplätzen als „Raum der Stille“ dient. Zentral in der Mitte steht ein Bühnenwagen, dort finden die zentralen Veranstaltungen statt, dazu kommt ein großer Büchereibus, in dem sich natürlich fast alles um Luther dreht.

Rechtzeitig hat sich der Dekanatsbezirk um einen attraktiven Termin bemüht — und ihn auch bekommen. „Wir wollen fröhlich ein Christusfest feiern“, sagte Dekan Klaus Mendel, dem die Freude an dieser Veranstaltung deutlich anzusehen war, denn: Glaube sei „ein Geschenk und lebt auf Vertrauen als Geheimnis in der Welt“.

Seit einem Jahr grübelte ein Team aus vielen Gemeinden des Dekanats über der Frage, wie sie Menschen dazu bringen könnten, nicht achtlos vorbeizulaufen, sondern im besten Fall aktiv mitzumachen. Denn, so Mendel: „Wir freuen uns über unser Evangelischsein“ und sprach mit Blick auf die katholischen Mitchristen von einer „versöhnten Verschiedenheit“.

Das Angebot ließ sich sehen. Bei Zimmerermeister Wilhelm Ortner aus Unterwurmbach konnten Interessierte etwa bestimmte biblische Bücher wie den 23. Psalm drucken wie anno dazumal. Pfarrer Detlev Meier aus Merkendorf hatte eigens ein Luther-Quiz entworfen, bei dem das Wissen über den Reformator abgefragt wurde. Hilflos ging so mancher Blick zu Pfarrer Meyer oder Diakon Heinrich Förthner, die einem mit einem kleinen Tipp gerne weiterhalfen.

Ein weiterer Blickfang aus Merkendorf: ein Nagelbalken einmal anders. Wer wollte, konnte mit wenigen Hammerschlägen das berühmte Thesenpapier an eine imaginäre Tür nageln. „Der Bauhof von Merkendorf hat uns hilfreich unter die Arme gegriffen, als wir ein stabiles Gestell benötigten“, erzählte der Stadtpfarrer.

Ein weiteres Highlight waren viele stabile Bauklötze, wo Kinder, meist unter fachlicher Anleitung ihrer Väter, die Wartburg nachbauen konnten. Thilo Walz, Pfarrer im Af G, und Familienreferentin Evelin Göbel schlüpften in die Rollen von Martin Luther und seiner Ehefrau Katharina von Bora. Sie erzählten den vielen anwesenden Kindern, wie das damals vor 500 Jahren war. Da war von Gewissen die Rede und was die Bibel dazu zu sagen hat. „Das Tollste war, dass er die Bibel übersetzt hat, so richtig, Wort für Wort, vom Lateinischen ins Deutsche“. „Echt, ganz allein?“, fragte ein Kind. „Nein, sein Freund Philipp hat ihm geholfen und geschaut, ob noch was fehlt“. Gemeint war Philipp Melanchthon, neben Martin Luther der wichtigste deutsche Reformator.

„So richtig stolz“

Alle halbe Stunde gab es etwas anderes zu sehen oder zu hören. Langweile kam überhaupt nicht auf, weil alles wie aus einem Guss wirkte. Der Gräfensteinberger Posaunenchor spielte auf, und die Dekanatsjugendband traute sich, das erste Mal vor großem Publikum zu spielen. „Ich bin so richtig stolz auf euch“, bekannte Dekanatsjugendreferentin Judith Grosser. Sogar ein eigener Workshop für Songwriting wurde von Pfarrer Addi Manseicher aus Neuendettelsau angeboten, den rund 20 junge Leute im Mesnerhaus besuchten. Die Gretchenfrage hier lautete: Was ist zuerst da, der Text oder die Melodie? Die salomonische Antwort: Es gibt keine Regel.

Der Gräfensteinberger Pfarrer Matthias Knoch interviewte in der Mittagszeit Bischof Aaron Yap aus Kuala Lumpur in Malaysia über Martin Luther und die Menschen in Asien. Die Antwort verblüffte: Die leistungsorientierten Asiaten können es fast nicht glauben, dass man fürs eigene Seelenheil nichts tun muss, außer zu glauben.

Die Kantorei unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Bernhard Krikkay stellte Lutherlieder und sogar eine Kantate über „Ein feste Burg ist unser Gott“ in den Mittelpunkt ihres Vortrages. Der Gospelchor trat mit traditionellen Spirituals und neueren Liedern auf. Pfarrerin Katharina Wolff aus Haundorf und Kirchenvorsteherin Hannelore Kraft schließlich zeigten, was es zu Luthers Zeiten zum Essen gab: Dinkeleintopf und Hirsebrei mit Kirschmus. Jeder, der wollte, konnte sich selbst überzeugen, wie das schmeckt. „Richtig lecker“, kommentierte eine Besucherin, „aber gewöhnungsbedürftig.“ Und dann trat auch noch Martinus Luther höchstpersönlich auf: in „Luthers Biergarten“. Unnachahmlich mimte Dekan Klaus Mendel den Reformator, der von seinem Kollegen Detlev Meier interviewt wurde. Die Antworten waren allesamt Originalzitate des Reformators. So sprach er über die Deutschen „als ein Volk, das ihr Geld für dummes Zeug ausgibt, untreu ist und nicht an Gott glaubt“. Und was fehlt ihnen? „Sie sind wie ein schöner feuriger Hengst, aber es fehlt ein Reiter.“ Luthers blumige Sprache war schon etwas derb und deftig, aber die Art, wie sie Mendel vortrug, kam an. Der Beifall war dem Kirchenmann sicher. REINHARD KRÜGER

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe10. Jul 2017

© Text. Reinhard Krüger

© Foto: Horst Kuhn

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

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