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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

Dekanatsfrauentag 2015

2014. Stadtkirche Gunzenhausen
Foto: Kuhn

„Gottes Auge ist ganz Ohr“
Interessanter Vortrag beim Dekanatsfrauentag


GUNZENHAUSEN — Mit ihrem Vortrag „Gottes Auge ist ganz Ohr — Du bist ein Gott, der MICH sieht“ zeig­te Schwester Ruth Meili von der Com­munität Casteller Ring den Teilnehme­rinnen des Dekanatsfrauentags in Gunzenhausen, dass die Bibel keine Sammlung „alter Geschichten“ ist, sondern ihrer Ansicht nach immer noch über hohe Aktualität verfüge und für jeden Menschen eine persönli­che Botschaft beinhalte.
Die Ordensfrau lebt seit 1971 in der Communität, sie hat Biologie, Chemie und evangelische Theologie studiert und war, solange auf dem Schwan­berg noch ein Internat war, Lehrerin. Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen ist das Lesen in der Bibel. Es faszi­niert sie, an den Texten „zu rubbeln, bis sich erschließt, was der Text mir zu sagen hat“.
Was sich hinter der Geschichte der ägyptischen Magd Hagar verbirgt, die im Haushalt von Sara und Abraham lebte, erfuhren die Frauen von Ruth Meili. Die lenkte ihre Zuhörerinnen sehr gezielt auf Schlüsselstellen, die den Text zeitlos machen und im Leben der heutigen Generation eben­so eine Rolle spielen wie zu alttesta­mentarischer Zeit.
Die Auslegung der Geschichte zeig­te den bekannten Text in einer neuen, tieferen Bedeutung. Dazu gab die Referentin immer wieder auch Quer­verweise zu anderen biblischen Ereig­nissen oder aktuellem Geschehen. So habe Gott mit Hagar Kontakt aufge­nommen, obwohl diese, als ägyptische Sklavin, ihn weder gerufen noch an ihn geglaubt habe. Hagar erlebte dem­nach die erste Begegnung mit einem Engel, die in der Bibel festgehalten ist. Er spreche sie mit Namen an, zeige ihr dadurch seine Wertschätzung, auch wenn sie nicht zum Volk Israel gehöre, und mache ihr ihre Situation klar. Dabei werde ihr bewusst, dass sie durch ihre Überheblichkeit Sara gegenüber den Konflikt zwischen den beiden Frauen mit ausgelöst habe. Sei­ne Aufforderung, sich mit ihrer Situa­tion auseinanderzusetzen, bringe Hagar dazu, sich selbst anzusehen, ihre Lage wahrzunehmen und nicht mit einem Auge auf Sara zu schielen.
Ruth Meili stellte fest, dass dieses „Vergleichen mit den anderen“ heute noch aktuell sei. In ihrer Arbeit auf dem Schwanberg erlebe sie oft, dass Menschen sich nur über den Vergleich mit anderen definieren. Ein Umstand, der bei vielen zu Unzufriedenheit, Erschöpfung und Ausgebranntsein führe. Deshalb sei es wichtig, sich selbst zu sehen, die eigene Situation. Nur wer sich selbst annehmen könne, könne andere Menschen annehmen.

Weg in die Zukunft

Mit seiner Ansprache und seinen Weisungen zeige Gott Hagar einen Weg in die Zukunft, die für sie Frei­heit beinhalte. Sie habe an Stand gewonnen – und Abraham habe ihren Sohn anerkannt. Aber auch die Verhei­ßung an Sara und Abraham habe sich erfüllt. Gott habe die Not der Frauen gehört, ohne dass sie laut schreien mussten, er sei zu ihnen gekommen.
Eine Erfahrung, die Menschen immer wieder machten, wenn sie sich darauf einlassen — Gott sei da, bevor er gerufen werde, er höre und schenke Aufmerksamkeit, er erkenne die Not und wende sie. Nicht immer so, wie Menschen es sich vorstellten, aber immer so, wie es für die Menschen gut sei, erklärte die Referentin. Eine weite­re Besonderheit in dieser Geschichte sei, dass Hagar Gott Namen gegeben habe. Sie nenne ihn „El Roi – Gott der mich sieht“. Ruth Meili verwies dar­auf, dass Namen in der Bibel eine wichtige Rolle spielten, sie drückten sehr oft mehr aus, gäben Hintergrün­de preis oder stünden in Beziehung. Jemanden beim Namen zu nennen hei­ße, ihn anzuerkennen. Dass Hagar, wie andere biblische Personen, Gott einen Namen gebe, zeige, dass sie in eine persönliche Beziehung getreten sei.
Mit einem kleinen Gastgeschenk bedankte sich Pfarrerin Sabine Karl bei der Referentin und bei Dekan Klaus Mendel für die einführenden Worte zu Beginn des Dekanatsfrauen­tags sowie bei allen, die sich bei der Ausgestaltung und Organisation der Veranstaltung mit einbrachten. Da das Lutherhaus derzeit renoviert wird, hat die Landeskirchliche Gemeinschaft ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt.
Nach dem gemeinsamen Mittags­imbiss hatten die Besucherinnen die Möglichkeit, verschiedene Angebote wahrzunehmen: Im großen Raum wur­de meditativer Tanz angeboten, Schwester Ruth Meili stand für Nach­fragen zur Verfügung, Renate Derr und Petra Stephan boten den „Raum der Stille“ an, und Sigrid Mayr-Gru­ber informierte über Flüchtlingshilfe, eine Tätigkeit, die sie seit über 20 Jah­ren ehrenamtlich ausübt.
Cornelia Röhl wies die Frauen auf die Aktion „Wunschbaum“ des Diako­nischen Werks Gunzenhausen-Wei­ßenburg hin und bat um Unterstüt­zung, damit viele der Wünsche von bedürftigen Menschen erfüllt werden können. ROSEMARIE EISEN

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 24.11.2015

 

© Text und Foto: Rosemarie Eisen

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

Dekanatsfrauentag 2015

Pfarrerin Sabine Karl (links) mit Referentin Sr. Ruth Meili.

Foto: Eisen

 

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