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600 Jahre St.-Sixtus Kirche Laubenzedel

Kirche in Laubenzedel
Foto: Unbekannt

Lebendige Zeiten erlebt
Die St.-Sixtus-Kirche in Laubenzedel feiert am Sonntag ihren 600. Geburtstag


LAUBENZEDEL (gln) – Wer nach Bauakten von Kirchen im Altmühltal sucht, kann in verschiedenen Archi­ven fündig werden, wenn es sich um Gotteshäuser handelt, die im 18. Jahr­hundert, in der Markgrafenzeit des Ansbacher Hofbaumeisters Johann David Steingruber, umgebaut oder neu errichtet wurden. Genaue Anga­ben über den Kirchenbau in früheren Jahrhunderten sind selten. Ausnah­men sind die ausführliche Bauin­schrift an der St.-Michaels-Kirche in Pfofeld aus dem 12. Jahrhundert, an der Stadtkirche von Merkendorf aus dem Jahr 1478, an der St.-Marien-Kirche in Kalbensteinberg aus dem Jahr 1464 und die in lateinischer und deutscher Sprache verfasste Inschrift in der St.-Jakobus-Kirche („Neuenmuhrer Kirche“) in Muhr am See aus dem Jahr 1622. Bei vielen Kirchen ist das Jahr der Erbauung unbekannt oder es gibt nur einen Stein mit einer Jahreszahl.
Ein solcher Stein mit der Jahreszahl 1415, in gotischen Ziffern geschrie­ben, befindet sich an der Südseite des Langhauses der St.-Sixtus-Kirche in Laubenzedel neben einem zugemau­erten Portal. Wenn in einer Urkunde aus dem Jahr 1362 die „parrochia La­batsedel“ genannt wird, so ist das ein Irrtum, denn damals gab es da noch keine Kirche und Laubenzedel war auch noch ein Teil der Kirchenge­meinde Gunzenhausen. Es dauerte noch lange, bis das Dorf unter der Lentersheimischen Herrschaft von Neuenmuhr in der Reformationszeit eigene Pfarrei wurde.
1415 wurde die St.-Sixtus-Kirche errichtet. 1627 hören wir von einer Renovierung unter Joachim Christoph von Lentersheim. Ihm lagen die Kir­chen in seinem „Herrschaftsgebiet“ wohl sehr am Herzen, denn zwischen 1617 und 1622 ließ er außerdem die St.-Jakobus-Kirche in Neuenmuhr errichten. Eine Veränderung der Lau­benzedler Kirche kam in der Barock­zeit, die aber so behutsam war, dass auch heute noch die gotischen Formen des ursprünglichen Baues klar zu er­kennen sind. Der an drei Seiten des Achtecks geschlossene Ostchor hat dreifach abgesetzte Strebepfeiler mit Pultdach. An ihn schließt sich ein nahezu quadratisches Langhaus mit steilem Satteldach an. Im Winkel zwi­schen Chor und Langhaus steht an der Nordseite der Turm. Über vier quad­ratischen Untergeschossen erhebt sich ein achteckiges Obergeschoss, das von einem hohen Spitzhelm ge­krönt wird. Die unterschiedlich hohen Schallöffnungen sind rundbogig ge­schlossen.
Die an den Turm östlich angebaute Sakristei wurde erst 1932 errichtet. Bis dahin diente das Untergeschoss des Turms als Sakristei, von dem eine rundbogig geschlossene Tür in den Chor führt. Die ursprünglich spitzbo­gig geschlossenen gotischen Fenster in den drei Seiten des Chorschlusses und im Langhaus wurden beim Kir­chenumbau 1707 bis 1709 rundbogig verändert. In dieser Zeit erhielt auch das Westportal des Langhauses sein neues Gewände. Der Treppenturm mit Kuppeldach und zwei stichbogigen Eingängen wurde erst beim Kirchenumbau im 18. Jahrhundert vor das Westportal gesetzt.
Auch im Inneren ist der ursprüng­liche gotische Bau noch gut zu erken­nen, auch wenn das Sternrippenge­wölbe im Chor wie auch das Rippengewölbe des Langhauses beim Umbau der Kirche in den Jahren 1707 bis 1709 mit feinem Akanthusstuck über­zogen wurden. Damals wurde auch der gotische, spitzbogige Chorbogen ausgebrochen und durch einen breite­ren Rundbogen ersetzt.
Die barocke Einrichtung fügt sich gut in den ursprünglichen Kirchen­raum ein. Doppelte Emporen mit ge­felderten, grau, weiß und golden ge­fassten Brüstungen umschließen das Langhaus an der Westseite und im westlichen Teil der Süd- und Nord­seite. Sie ruhen auf rot marmorierten Rundsäulen. An der Brüstung der oberen Westempore, auf der sich auch die Orgel befindet, ist das Wappen der Markgrafen von Brandenburg-Ans­bach angebracht. Um unangenehme Zugluft an den Beinen fernzuhalten, kann jede Bankreihe im Schiff durch ein Türchen verschlossen werden. Das ursprüngliche gotische Chorgestühl an der Süd- und Nordseite des Chors wurde in der Barockzeit dahingehend verändert, dass es eine hohe gefelderte Rückenlehne und eine gefelderte Brüstung erhielt.
Besonders qualitätvolle Arbeiten sind Altar und Kanzel, die von keinem Geringeren als dem markgräflichen Hofbildhauer Giuseppe Volpini ge­schaffen wurden. Unter einem lebens­großen Kruzifix des Altars steht ein Kelch mit einer Hostie darüber, und in einem Medaillon am Sockel sind die Worte zu lesen: „Ich bin das Brot des Lebens“. Zwei Engel wachen über dem „Sakrament des Altars“, wie Dr. Martin Luther das heilige Abendmahl im Kleinen Katechismus nennt. In den sechs Brüstungsfeldern der Kanzel sind die Relieffiguren der vier Evan­gelisten mit ihren Symbolen zu sehen – St. Matthäus mit dem Engel, St. Markus mit dem Löwen, St. Lukas mit dem Stier und St. Johannes mit dem Adler – sowie Moses mit den Gesetzes­tafeln und der Apostel Paulus mit ei­nem aufgeschlagenen Buch, in dem man lesen kann: „Wir zeugen von dem gekreuzigten Jesus“. Zwischen den mit Zierleisten umrandeten Feldern betonen von Puttenköpfchen gekrönte Fruchtgehänge die Ecken des Kanzel­korpus. Darunter zieht sich ein golde­nes Akanthusband hin. Abgeschlos­sen wird der Korpus wiederum mit farbig gefassten Fruchtgehängen. Auf dem mit Akanthusranken gezierten Schalldeckel steht ein Engel.
Der Taufstein unter dem Chorbogen ist ein Werk des 19. Jahrhunderts, die Farbglasfenster des Chors stammen aus dem 20. Jahrhundert. Von den drei Glocken ruft die älteste seit 1440 vom Turm. Zwischen Zinnenfries und spitzbogigem Kleeblattfries ist auf der Glocke zu lesen: „magister con­radvs gnoczhamer me fusit anno do­mini m cccc xxxx“ (= Meister Konrad Gnoczhamer hat mich gegossen im Jahr des Herrn 1440). Eine Glocke mit der Umschrift: „Durchs Feuer bin ich geflossen, Jobst Roth in Gunzenhau­sen hat mich gegossen im Jahr 1681“ musste im Ersten Weltkrieg abgelie­fert werden. Sie wurde durch einen Neuguss ersetzt, der aber mit einer weiteren Glocke im Zweiten Welt­krieg der Kirchengemeinde abgenom­men wurde. Nach Ende des Krieges konnte die Gemeinde dann wieder neue Glocken beschaffen.
Bis Laubenzedel zur eigenen Pfarrei erhoben wurde, betreuten die Pfarrer und Kapläne von Gunzenhausen die Gemeinde. Vor der Reformation war Pfarrer Wolfgang N. in Laubenzedel. Er hatte eine Köchin mit Namen Mag­dalena, die eine Hebamme war. Er zog 1533 nach Rauenzell und starb dort. Balthasar Bernhold, der seit 1521 Frühmesser in Gunzenhausen war und 1524 mit dem dortigen Pfarrer Lüßner der Reformation beitrat, wur­de 1532 als Pfarrer von Laubenzedel genannt. Er hielt zunächst keine Sak­ramente. Auf Bitten der Gemeinde hatte ihn der Lentersheimische Vogt zu Neuenmuhr auf die Pfarrstelle ge­bracht, nachdem „viel fremdes Volk“ – gemeint sind Gemeindeglieder aus der Pfarrei Gräfensteinberg, die noch bis 1592 katholisch war – nach Lau­benzedel „zur Predigt und zu den Ceremonien“ (= Taufe, Beichte und Abendmahl) gekommen war. 1559 verließ Pfarrer Bernhold aus Alters­gründen die Pfarrei. Die nachfolgenden Pfarrer von Laubenzedel verordnete Friedrich von Lentersheim zu Neuenmuhr. Pfar­rer Michael Mayr kam 1559 nach Lau­benzedel, musste aber wegen seiner Köchin die Pfarrei wieder verlassen. 1564 war Wolfgang Aychler, aus Weil­tingen gebürtig, Pfarrer in Lauben­zedel. Als nach dem Dreißigjährigen Krieg Pfarrer Wilhelm Heß in der Ge­meinde tätig war, beklagte sich der Gunzenhäuser Stadtpfarrer, dass die für die Stelle vorgeschlagenen Gun­zenhäuser Kapläne – so wurden da­mals die 2. und 3. Pfarrer von Gun­zenhausen noch genannt – von der Lentersheimischen Herrschaft nicht angenommen wurden, sondern „Lau­benzedel mit verdächtigen, ungelehr­ten, ärgerlichen Geistlichen besetzt sei“. Der Streitpunkt war die „Elevation“, das Erheben des Kelches und der Hostie bei der Konsekration beim Abendmahl.
Bis ins 20. Jahrhundert hatte Lau­benzedel Pfarrer, die im Pfarrhaus neben der Kirche wohnten. Seitdem die Gemeinde mit Haundorf in einer Pfarrei zusammengefasst wurde und Haundorf den Pfarrsitz bekam, ist das Pfarrhaus von Ruhestandspfarrern bewohnt. Es kommt aber nicht darauf an, ob ein Pfarrer im Ort wohnt, son­dern die Kirche lebt dann, wenn es eine lebendige Gemeinde am Ort gibt, und das ist in Laubenzedel der Fall, was sich im Gottesdienstbesuch zeigt, der nicht nur an den Sonn- und Feier­tagen gut ist.
Auch wenn die Kirche selbst wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist, klingt der Ruf der Glocken über das Dorf und weit darüber hinaus. Sie la­den mit den Worten eines Kirchweih­lieds ein: „Kommt her, ihr Christen, voller Freud … Singet, bringet schöne Weisen, lasst uns preisen Gottes Ga­ben, die wir hier genossen haben“. GÜNTER L. NIEKEL

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe18.06.2015

© Text und Foto: Pfarrer i.R. Günter L. Niekel, Muhr am See

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

 

 

 

2014_Laubenzedel

 

2015 Laubenzedel

Die Emporen von 1709 im Innern der Jubiläumskirche.

 

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