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Ostern 2015

Ostern 2013
Ostern

Vom Licht der Hoffnung
Katholische und evangelische Christen begingen Osterfest -Erstmals mit Osterfeuer

GUNZENHAUSEN (hk/lg) - Der Gang in die Kirche ist für viele Chris­ten in und um die Altmühlstadt nach wie vor ein fester Bestandteil des Os­terfests. Und so wurde auch heuer in den gut besuchten Gotteshäusern an die Auferstehung Jesu erinnert. Premiere hatte in diesem Jahr das Osterfeu­er, das erstmals auf dem alten Friedhof in Gunzenhausen entfacht worden ist. Per Fackel wurde das Licht dann in die Stadtkirche getragen und die gro­ße Osterkerze damit entzündet.
Die Predigt zu dieser Osternacht hielt Pfarrer Ekkehard Malcher, musikalisch wurde der Gottesdienst vom ökumeni­schen Taizé-Orchester unter der Lei­tung von Bernhard Krikkay gestaltet. Im Anschluss gab es im Lutherhaus ein Osterfrühstück, zu dem die evangeli­sche Gemeindejugend eingeladen hatte.
Die Predigtworte im Hauptgottes­dienst stellte Pfarrer Claus Bergmann unter die biblischen Worte zur Aufer­stehung Jesu Christi. Demnach dürften die Menschen durch die Auferstehung Jesu aus dem Grabe Hoffnung haben, über den eigenen Tod und das Grab hinauszuschauen. Jeder Mensch, jeder Einzelne sei vom Leben umfangen. Auch für die Gemeinde gelte das, in der viele Menschen über den christlichen Glauben nur noch müde lächeln, in der weltweit Christen einen schweren Stand haben, mancherorts sogar ver­folgt werden. Den musikalischen Part hatte der Posaunenchor (Leitung Sabi­ne Fischer-Kugler) sowie der ehemalige Gunzenhäuser Dr. Werner Schott auf der Jann-Orgel übernommen Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Marien in Gunzenhausen erklang die frohe Botschaft „Christus ist aufer­standen - Halleluja". Die Osternacht, die Nacht von Karsamstag auf den Os­tersonntag, ist im Liturgischen Jahr die „Nacht der Nächte", die Nacht des Wa­chens und Betens zum Gedenken an die Auferstehung Jesu Christi von den To­ten und damit an den Durchgang vom Tod ins Leben. Mit der Segnung des Os­terfeuers und dem Entzünden der Os­terkerze eröffnete Stadtpfarrer Christi­an Konecny, in Konzelebration mit Ka­plan Janusz Mackiewicz und unterstützt von Diakon Manfred Schart, im Atrium der Kirche die in vier Teile gegliederte Osternachtsfeier.

Predigt von Pfarrer Claus Bergmann.

 

Markus 16,1-8,

 

Ostersonntag, 05.04.2015

Stadtkirche Gunzenhausen mit Abendmahl

Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und Jesus zu salben. Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Liebe Gemeinde am Osterfest!

Von Martin Luther stammt der Satz: „Nun glauben wir das Liedlein nimmer: Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen! Es muss lauten: Mitten wir im Tode sind vom Leben umfangen!" Vom Leben umfangen! Darum geht es seit Ostern, darum geht es in dieser Geschichte.

Den Tod im Blick - so ziehen sie los! Dem Leichnam ihres geliebten Jesus noch etwas Gutes tun, ihn salben, das wollen sie. Richtig einbalsamieren - das konnten wohl nur die Ägypter und auch dort funktionierte es nur wegen der Trockenheit des Wüstenlandes. Aber wenigstens den Verwesungsgeruch übertönen durch Duftöle - das war möglich. Aber wie sie so am frühen Morgen unterwegs sind, da fangen die Probleme schon an: Das würde ja wohl gar nicht gehen! Das Grab war ja durch diesen gewaltigen Rollstein gesichert, den gerade mal starke Männer wegschieben konnten. Aber wer soll ihnen jetzt beim Tagesanbruch da draußen helfen können? Und ist das Grab nicht versiegelt und bewacht? Lauter Schwierigkeiten in diesem auf den Tod ausgerichteten Leben.

Und auch unser Leben ist ja gepflastert mit solchen Problemen: Werden sich Krieg und Terror auch bis zu uns ausbreiten? Wird der Euro zusammenbrechen wegen Griechenland? Werde ich selber gesund bleiben und meine Pläne verwirklichen können? Wie geht es weiter mit unserer Kirche? Immer nur abwärts? Werden wir die großen Steine, die auf unserem Weg liegen, werden wir sie wegräumen können? Und die Steine, die wir uns gegenseitig in den Weg legen? Werden wir drüber hinwegsteigen können? Ich weiß ja nicht, welche größeren oder kleineren Steine Sie jetzt innerlich im Blick haben. Wird es uns vielleicht damit gehen wie hier: Auf dem Weg zu einer guten, liebevollen Tat - aber das Scheitern vorprogrammiert?

Aber da erleben diese Frauen: Wir sind vom Leben umfangen! Sie blicken hin, blicken auf und sehen, dass das Wunder schon stattgefunden hat! Und das wäre nun das Wichtigste für uns alle heute morgen, dass wir durch Gottes Gnade diesen Blickwechsel schaffen: Weg vom Blick auf unsere kleineren und größeren Unmöglichkeiten hin auf das, was Gott bereits getan hat! Und es ist ja nicht nur der abgewälzte Stein!

Mutig wagen sich die Frauen hinein in das dunkle Grab und begegnen dem Boten Gottes im hellen Gewand, begegnen seiner einzigartigen Botschaft: Jesus, der Gekreuzigte, ist nicht mehr hier, er ist auferstanden! Schaut euch um, schaut genau hin - wieder geht es ums Sehen in dieser Geschichte: Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

Vom Leben umfangen! Das dürfen nun auch wir heute morgen hören, sehen, glauben! Obwohl uns diese Botschaft von der leibhaftigen Auferweckung Jesu ja von allen Seiten madig gemacht und in Frage gestellt wird. Dabei brauchen wir keinesfalls die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen, dürfen vielmehr genau hinsehen: All die anderen Erklärungen von einem scheintoten Jesus, der nach Geißelung und Kreuzigung plötzlich die Kraft gehabt haben soll, den riesigen Rollstein wegzuwälzen. Oder von den Jüngern, die die Leiche geraubt haben sollen, obwohl sie sich vor lauter Angst verkrochen hatten. Nein, da war keine Auferstehungserwartung, der sie mit erfundenen Geschichten nachgeholfen hätten. Die Frauen hier rechnen mit einem wirklich toten Jesus und geraten in Panik, als er nicht da ist. Es stimmt auch nicht, dass den ersten Christen eine geistige Auferstehung gereicht hätte, wo der Leib trotzdem im Grabe hätte verwesen können. Das damalige Judentum kannte nur eine massive Auferweckung mit leeren Gräbern. Wer diese Alternativen zur leibhaftigen Auferstehung Jesu prüft, findet sie noch wesentlich schwieriger zu glauben als das, was die biblischen Berichte beschreiben. Und auch wenn die Berichte der vier Evangelien in Details voneinander abweichen, dann spricht das nicht gegen, sondern für ihre Glaubwürdigkeit! Erfundene Berichte hätte man übereinstimmend in die Welt gesetzt. Nein, wir dürfen hinsehen und glauben, was der Engel den Frauen sagte: Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.

Seither ist diese Welt voller Tod vom Leben umfangen. Und auch wir mit unseren Ausweglosigkeiten sind es! Wir dürfen heute und immer wieder aufsehen, hinsehen auf das Wunder, das Gott getan hat: Jesus ist auferstanden! Und das heißt, dass nicht einmal die schlimmsten Krankheiten uns in ausweglose Sackgassen führen, auch nicht die größte Schuld! Der der Tod ist jetzt besiegt. Vom Leben umfangen!

Und von Ostern her darf ich auch das andere sehen und glauben: Auch unsere schwache Kirche und unsere Gemeinde mit all ihren Problemen - sie steckt zwar mitten in dieser Welt des Todes. Aber sie ist dennoch vom Leben der Auferstehung umgeben! Und zwar von Anfang an!

Sehen Sie: Hier geht ja zuerst einmal alles schief: Statt Freude auszulösen führt die Auferstehungsbotschaft des Engels zum Gegenteil. Es heißt: Die Frauen gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich. Zittern, Entsetzen, Flucht, Schweigen! Da wird auch noch Petrus erinnert, diese führende Gestalt unter den Jüngern, der seinem Herrn und Meister abgeschwört, als es brenzlig wird. Da traut sich ja keiner dieser Männer, die Frauen zu begleiten. Sie scheitern alle auf der ganzen Linie. Wenn wir besser wären, dürften wir mit den Fingern auf diese erste Gemeinde zeigen. Ich will es aber nicht tun, weil ich gar nicht weiß, an wievielen Stellen ich versage und der frohen Botschaft von der Auferstehung im Wege stehe.

Aber sehen Sie: Diese schwachen, versagenden Jüngerinnen und Jünger sind von Anfang an vom Leben des Auferstandenen umfangen! Die Jünger in ihren Verstecken. Sie sollen von der Auferstehung hören und Jesus begegnen. Petrus soll es besonders hören als Zeichen: Deine Schuld ist vergeben, du darfst wieder dazu gehören, nicht nur zur Gemeinde, sondern auch zu Jesus. Und die Frauen? Irgendwann müssen sie ihre Geschichte ja doch noch erzählt haben, sonst fänden wir sie jetzt nicht im Evangelium. Und dieses schwache Häuflein, das es kaum fassen kann, was die Auferweckung Jesu eigentlich bedeutet, dieses Häuflein der Glaubenden hat unser Herr bisher hindurchgetragen durch eine Welt, die immer wieder nichts davon wissen will.

Jaimmer wieder werden Einzelne froh: Wenn Jesus auferstanden ist, dann sind ja die Steine auf meinem Weg nicht alles, ich darf aufblicken, Hoffnung haben über mein Grab hinaus! Es gibt ja viel mehr Leben, als ich mit meinem verengten Blick wahrnehme! Ich bin ja vom Leben umfangen, als Einzelner! Und auch für uns als Gemeinde gilt das, in dieser Zeit, in der viele über unseren Glauben nur noch müde lächeln, in der weltweit die Christen einen schweren Stand haben, mancherorts sogar verfolgt werden: Seit Ostern, seit der Auferstehung Jesu sind wir vom Leben umfangen! Das dürfen wirbekommen als Einzelne und als Gemeinde, denn der Verkündigungsauftrag des Engels gilt jetzt uns allen: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Wir dürfen es einander sagen, wenn wir es kaum mehr glauben können, wir dürfen es hinaus sagen in unsere Welt, die meint, dass alles auf den Tod zugeht, in der so viele den Tod verbreiten Nein, wir alle, als Einzelne, als Gemeinde, diese ganze Welt ist seit Ostern vom Leben umfangen! Amen.

 

Ostern

Das Taize-Team mit Pfarrer Ekkehard Malcher gestaltete die Osternacht.

Foto: Kuhn

 

Taizéorchester

KMD Bernhard Krikkay (links) mit dem Taizé-Orchester.                                          Foto: Kuhn

 

Feier der Osternacht in der Merkendorfer Stadtkirche 2015

Feier der Osternacht in Merkendorf.                                     Foto: Unbekannt

 

 

 

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