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Dekanat Gunzenhausen  |  E-Mail: info@dekanat-gunzenhausen.de  |  Online: http://www.dekanat-gunzenhausen.de

2014.12.14 Konzert Quadro Nuveo

2014. Stadtkirche Gunzenhausen
Foto: Horst Kuhn

Von zart bis kraftvoll  
Außergewöhnliches Quartett Quadro Nuevo begeisterte


GUNZENHAUSEN - Dekan Men­del versprach bei seinen begrüßenden Worten ein großartiges musikalisches Erlebnis. Das Quartett „Quadro Nue­vo", zum Auftritt in Gunzenhausen von Kirchenmusikdirektor Krikkay eingeladen, bot in der Tat Außerge­wöhnliches in der sehr gut besuchten Stadtkirche.
Der klingende Schwerpunkt lag bei weihnachtlichen und anderen besinn­lichen Weisen, doch kam durch zwei Tangos auch südamerikanische Fär­bung hinzu. Alle vier Musiker beherr­schen mehrere Instrumente, die sie in verschiedenen Kombinationen, der Stimmung des jeweiligen Stückes ent­sprechend, einbrachten.
Mulo Francel spielte an diesem Abend Klarinette, Bassklarinette, Kontrabassklarinette, Sopran- und Melodiesaxofon, Gitarre und überdies Sansula. Das ist ein hierzulande wohl unbekanntes afrikanisches Instru­ment. Es hat einen tellergroßen, topf­artigen Resonanzkörper und ist über­spannt von einer Art Pergament, auf dem Metallzungen befestigt sind. Sei­ne übermannshohe Kontrabassklari­nette gab dem Stück „Kommet, ihr Hirten ..." einen besonders tiefen, runden Klang.
Mit einem Tango, der eigentlichen Domäne des Quartetts, eröffnete And­reas Hinterseher auf seinem Bandone­on durch ein fetziges Vorspiel das Konzert. Dieses Instrument, eine aus einer Concertina entwickelte Zieh­harmonika, sorgt für sanfte, aber auch scharfe brillante Töne. Der Musiker beherrscht auch das Tastenakkorde­on, das Vibrandoneon, und er setzte ein Glockenspiel ein. Das Vibrando­neon wurde vor einigen Jahren in Ita­lien erfunden. Im Prinzip funktioniert es wie eine Melodika und hat Mund­harmonika- Stimmzungen. Die Luft­zufuhr erhält das Instrument durch ein langes gebogenes Mundstück. Die eigene Lunge ersetzt sozusagen den Akkordeonbalg. Der Ton des Instru­ments klingt um einiges wehmütiger und menschlicher als das Akkordeon.
Weihnachtliche Gefühle sprach vor allem folgendes Potpourri an: „Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her", „Leise rieselt der Schnee" , „Fröhli­che Weihnacht überall", „Seht, die gute Zeit ist nah" und andere wohlbe­kannte Lieder dieses Genres. Der Per­kussionist D. D. Lowka setzte dabei in fliegendem Wechsel seinen Kontra­bass und die Tarabuka ein. Letztere ist eine einfellige Bechertrommel nordafrikanischen Ursprungs. Bei dieser Liedreihe zeigte besonders Evelyn Huber ihr facettenreiches Spiel auf der Harfe. Von zarten Klän­gen bis zu kraftvollen, schnellen Ton­folgen beherrscht die Künstlerin meisterhaft die ganze Ausdrucksbrei­te dieses grandiosen Instruments. Auch auf dem Salterio, einer Art Hackbrett, bewies sie ihr Können.
Mit „Still, die Nacht ist voller Ster­ne" folgte eine sehr getragene lyrische Komposition eines kaum bekannten polnischen jüdischen Musikers. Den Künstlern blieb von einem Aufenthalt in Antiochien, wo sie Filmaufnahmen musikalisch untermalen sollten, die dann folgende Melodie im Ohr hän­gen. Wegen der ungewöhnlichen Ton­folge und des eigenartigen Rhythmus arrangierten sie daher das Stück für sich. Aus Schweden brachten die Mu­sikanten „Weihnachten, Weihnachten, wunderschöne Weihnachten" von Gustav Nordquist zu Gehör. Es folgte „Paprika", ein spritziges, schnelles, ungarisch inspiriertes Werk, welches bei immer stärker forciertem Tempo in einer mitreißenden Improvisation von Mulo Francel auf dem Sopransa­xofon gipfelte.
Nach der Pause erklang „Ich steh an deiner Krippen hier ..." unter Verwen­dung einer Bearbeitung von Johann Sebastian Bach. Hier entfaltete die Bassklarinette alle ihre Möglichkei­ten. 1890 hatte eine amerikanische Musikethnologin Musik der Lacota-Indianer aufgenommen. Eine dieser musikalischen Erfindungen mit dem Titel „Sieh, die Morgenröte" sprach die Musiker so an, dass sie eine Bear­beitung in ihr Repertoire aufnahmen. Im folgenden weihnachtlichen Motiv übernahm zunächst das Vibrandone­on, von Andreas Hinterseher hervor­ragend gespielt, die Führungsrolle. D. D. Lowka trat danach mit einer kraft­vollen Improvisation auf dem Kontra­bass hervor.
Beim anschließenden schnellen Stück im südamerikanischen Rhyth­mus kam vorrangig die Bassklarinette zum Einsatz. „Trip to Batami" gab dann dem Perkussionisten Raum für ein fulminantes Solo auf der Tarabu­ka, der großen Bechertrommel. War­um bei der Geburt Jesu kein imponie­rendes Tier wie ein Löwe oder ein Ad­ler zugegen war, beantwortete dann ein französisches Weihnachtslied: Ochsen nämlich standen im Stall von Bethlehem, um das Kind in der Krip­pe mit ihrem Atem zu wärmen. Ein moderner Tango von Astor Piazzola leitete das Ende des Konzerts ein.
Die große Begeisterung der Zuhörer, die sich in lang anhaltendem Applaus zeigte, wurde mit Zugaben belohnt. Ein amerikanisches Volkslied „Christ­mas time is here" erklang. Dann folgte ein polnisches Weihnachtslied, in dem das Vibrandoneon wieder zu hören war. Mit einer von bayerischer Volks­musik beeinflussten Komposition, bei welcher der Bassist überraschend in die Saiten der Harfe griff und die Har­fenistin das Hackbrett einsetzte, en­dete das beeindruckende Konzert. KLAUS-JÜRGEN GEIST

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen

©  Text: Klaus-Jürgen Geist

 

Horst Kuhn

Öffentlichkeitsreferent

Dekanat Gunzenhausen

 

2014.Quadro Nuveo

"Quadro Nuevo" beim Auftritt in der evangelischen Stadtkirche in Gunzenhausen.

Foto: Kuhn

 

Mit einer eigenen musikalischen Sprache

1996 wurde das Quartett „Quadro Nuevo" gegründet. Die Musiker hatte der Zufall zusammengeführt, als sie für den ORF Filmmusik ein­spielten und dabei entdeckten, dass sie alle auf einer ganz ähnlichen musikalischen „Wellenlänge funk­ten". Ursprünglich gehörte der Gi­tarrist Robert Wolf dazu. Nach ei­nem tragischen, schweren Unfall ersetzte ihn die Harfenistin Evelyn Huber, die schon vorher lange Jah­re mit Mulo Francel als Duo musi­ziert hatte.
Die Band beschreibt ihren Musik­stil so: Eine Mischung aus „Tango, Valse Musette, Flamenco und ausge­suchter Filmmusik. „Quadro Nuevo" tourt seit 1996 durch die Welt und gab inzwischen über 3000 Konzerte, sei es in Sydney, Montreal, Ottawa, Istanbul, New York, New Orleans und vielen anderen Städten. Das Quartett spielte auf zahlreichen re­nommierten Festivals wie dem Mont­real Jazz Festival, der Internationa­len Jazzwoche Burghausen, dem Rheingau-Musik-Festival, um die wichtigsten zu nennen. Die Auf­trittsorte der vier Musiker sind so verschieden wie die Wurzeln ihrer Musik. „Quadro Nuevo" ist aber nicht nur in Konzertsälen und auf Festivals zu Gast. Die spielsüchtigen Virtuosen reisen auch als Straßen­musikanten durch südliche Städte und fordern als nächtliche Tango-Kapelle zum Tanz; sie konzertieren in Jazz-Clubs und in der New Yorker Carnegie Hall.
Das Instrumental-Quartett hat, abseits gängiger Genre-Schubladen, eine eigene musikalische Sprache entwickelt. Es kennzeichnet leiden­schaftliche Liebe zum Instrument, große Spielfreude und nicht zuletzt Hingabe. Selten erlebt man, dass Musik mit so viel Spannung, Verve und Einfühlungsvermögen in fremde Klangkulturen dargeboten wird.
Die CDs von „Quadro Nuevo" er­hielten den Deutschen Jazz Award, kletterten in die Top Ten der Jazz­ und Weltmusik-Charts und wurden in Paris mit dem Europäischen Pho­nopreis „Impala" ausgezeichnet. Auch ein 224 Seiten umfassendes autobiografisches Roadbook „Grand Voyage" sowie Hörbücher veröffent­lichte die Gruppe.
Vor rund 18 Jahren entdeckte das Quartett seine Liebe zum Tango. Die­ser argentinische Tanz beeinflusste die Musiker zutiefst. Er motivierte sie zu einer Reise nach Argentinien, der Wiege des Tangos. Dort, in Bu­enos Aires, stießen sie auf die Wur­zeln dieser Musik. „Quadro Nuevo" ist inzwischen die europäische Antwort auf den Tango geworden. Ein Hörbuch „Lieben Sie Tango" ist in Vorbereitung. -kjg-

 

Quelle: Altmühl-Bote Gunzenhausen, Ausgabe 16. Dezember 2014

©  Text: Klaus-Jürgen Geist

 

Horst Kuhn

Dekanat Gunzenhausen

Öffentlichkeitsreferent

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