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Es reicht! Für alle.

Es reicht! Für alle.

Ernährung und Welthunger

Jahrelang ging die Zahl der Hungernden weltweit zurück und bis zum Jahr 2030 soll Hunger eigentlich Geschichte sein. So steht es zumindest in den sogenannten Weltzukunftszielen, den Sustainable Development Goals der vereinten Nationen.

 

Jetzt musste die Welternährungsorganisation aber einen erneuten Anstieg melden: von 777 Millionen Hungernden im Jahr 2015 auf 815 Millionen ein Jahr später.

 

Hunger - was ist das überhaupt?

Hunger bezeichnet einen kurzfristigen Mangel an Essen. Wird der Hunger chronisch und ist ein Mensch nicht in der Lage, sein Körpergewicht zu halten und leichte Arbeit zu verrichten, spricht man/frau von Unterernährung. Unterernährt zu sein, also chronisch zu hungern, ist menschenunwürdig. Es lässt Menschen nicht zur Entfaltung kommen.

 

Rund 155 Millionen Kinder unter fünf Jahren sind durch Mangelernährung zu klein für ihr Alter. Und: 52 Millionen sind zu „schwach". Gewicht und Körpergröße dieser Kinder befinden sich in einem starken Missverhältnis. Sie werden nie ihr eigentliches körperliches und geistiges Potenzial entfalten können. Die Mehrheit der chronisch Hungernden sind Frauen. Und es hungern mehr Menschen auf dem Land als in der Stadt.

 

Die meisten Menschen, nämlich 520 Millionen, hungern in Asien. In Afrika sind es 243 Millionen, jedoch ist hier mit 20 Prozent laut UN World Food Programme der Anteil der Hungernden an der Gesamtbevölkerung am größten.

 

Jede und jeder einzelne dieser Hungernden ist eine/r zu viel, denn: In Kalorien ausgedrückt ernten LandwirtInnen heute weltweit deutlich mehr, als für die ausreichende Versorgung aller Menschen notwendig wäre. Der Bedarf einer Person (80 Kilo schwer, mittlere körperliche Aktivität) liegt bei 2400 kcal pro Kopf und Tag. Weltweit stehen pro Person 2940 kcal zur Verfügung, in den sogenannten. Entwicklungsländern sind es immer noch 2850 kcal. Es reicht also eigentlich für alle. Rechnerisch sind wir heute global sogar überversorgt.

 

Warum also gibt es Hunger und warum steigt die Zahl der Hungerden weltweit erneut?

Die Standardantwort: „Weil die Weltbevölkerung immer weiter wächst." Das stimmt. Die gute Nachricht ist aber, dass sich die Wachstumskurve langsam abflacht. Insbesondere in Ländern mit guter Schulbildung sind die Prognosen verheißungsvoll. Und, noch einmal: Es gibt ja eigentlich genug für alle.

 

Warum wächst der Hunger weltweit also wieder?

Die Welternährungsorganisation benennt aktuell vor allem zwei Gründe: Bewaffnete Konflikte mit einem Zusammenbruch staatlicher Strukturen und die Auswirkungen des Klimawandels.

 

Es reicht! Für alle.

Konflikte

In Ländern mit längeren bewaffneten Konflikten nehmen Hunger und Unterernährung zu. Aktuelle Beispiele sind Jemen, Syrien oder Süd-Sudan. Statistisch gibt es in diesen Krisenländern fast doppelt so viel Unterernährung wie in anderen Entwicklungsländern. Dass allerdings nicht einmal in den Flüchtlingslagern genügend Nahrungsmittel von der Weltgemeinschaft zur Verfügung gestellt werden, ist beschämend. Mindestens ebenso beschämend sind die Verwicklungen der Waffenindustrie in diese Konflikte, inklusive der allzu großzügigen Genehmigungen für Waffenexporte durch diverse Regierungen in der so genannten Ersten Welt. Deutschland zählt mit einem Weltmarktanteil von 5 Prozent (2014) zu den größten Waffenexporteuren.

 

Klima(wandel)

Die Zahl der extremen Wettersituationen ist gestiegen. Die Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels sind nicht mehr zu leugnen. Das hat Einfluss auf die Ernährungssicherheit. So leiden Menschen im Jemen nicht nur unter Krieg, sondern auch unter Fluten und Zyklonen oder Menschen in Afghanistan unter Erdrutschen und Trockenheit. Bangladesch, die karibischen Staaten und die mikronesischen Inseln gehören auch zu den besonders betroffenen Regionen, neben der Sahelzone und Ostafrika wegen der langfristig zunehmenden Trockenheit.

 

Damit leiden unter den vom Menschen verursachten CO2-Emissionen insbesondere die Menschen, die diese Emissionen und den daraus resultierenden Klimawandel am wenigsten zu verantworten haben.

 

Oder anders gewendet: Unsere CO2-Emissionen verursachen nicht so sehr bei uns Probleme. Sie verschlimmern die Ernährungssicherheit in besonderem Maß in den armen Ländern.

 

(Agrar-)wirtschaft

Es gibt aber weitere Gründe für den weltweit wachsenden Hunger. Weniger als die Hälfte des Getreides, das weltweit verbraucht wird, nämlich 43 Prozent oder 1.106 Millionen Tonnen, wird direkt als Nahrungsmittel für Menschen genutzt. Ein großer Teil, 36 Prozent, wird an Tiere verfüttert, 6 Prozent wandern in den Tank oder werden industriell genutzt. In der EU wird mit 23,5 Prozent weniger als ein Viertel des Getreides als Nahrungsmittel verwendet, fast zwei Drittel dienen der Herstellung von Tierfutter. So werden wertvolle pflanzliche Kalorien aufwändig in tierische Produkte umgesetzt. Deren übermäßiger Konsum wiederum trägt maßgeblich zur weltweit, aber insbesondere in den Industrieländern zunehmenden Fettleibigkeit bei, die ihrerseits häufig die Entstehung von Zivilisationskrankheiten befördert.

 

Dazu kommt die Verschwendung von Nahrungsmitteln in der Lebensmittelkette. In der industriellen Landwirtschaft werden schon auf dem Feld die krummen und unschönen Erzeugnisse aussortiert. Auf den Vermarktungswegen landet dann erneut viel im Abfall, und schließlich werfen die Endverbraucher jährlich durchschnittlich rund 80 Kilo Nahrung in den Müll.

 

Und schließlich haben auch nationale Agrarpolitiken schwerwiegende Auswirkungen auf die internationalen Märkte. So bewirkte in der Vergangenheit die EU-Agrarpolitik, dass zum Beispiel in Westafrika die lokale Geflügelproduktion fast vollständig zerstört wurde. Diese Praxis konterkariert die gerne proklamierte Forderung, die ländliche Entwicklung als nachhaltiges Instrument der Entwicklungszusammenarbeit zu fördern.

 

Noch heute sind die „European Partnership Agreements" (EPA) - Wirtschaftsabkommen zwischen der EU und afrikanischen Regionen - umstritten. Tansania und Nigeria haben die Verträge abgelehnt. Sie sehen den Aufbau ihrer eigenen Industrien und Landwirtschaft erschwert.

 

Auch die hohe Nachfrage der EU nach Futtermitteln hat Auswirkungen auf die Flächennutzung in Entwicklungs- und Schwellenländern. Wenn in Brasilien großflächig Soja für den Export angebaut wird, sind die dafür genutzten Flächen nicht mehr für die Versorgung der eigenen Bevölkerung mit Nahrungsmitteln verfügbar.

 

Ein weiteres großes Problem in diesem Kontext ist Landgrabbing. Dieser Handel mit Land oder dem Recht auf dessen langfristige Nutzung ist vielleicht nicht grundsätzlich verwerflich. Jedoch kommt es dabei oft zur Vertreibung der ansässigen Bevölkerung. Und nicht selten wird Land zu Spekulationen benutzt oder rücksichtslos ausgebeutet.

 

Die Informationsplattform „landmatrix" verzeichnet gegenwärtig 1360 abgeschlossene Verträge, dabei geht es um über 48 Millionen Hektar. Rund die Hälfte dieser Fläche liegt in Afrika. Zum Vergleich: In Deutschland werden knapp 17 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt.

 

Die möglichen Folgen:

 

  • Abholzung von Wäldern und Savannen
  • Vertreibung von Bauern, Hirten und Fischern
  • Zerstörung der Grundlage von Ernährungssouveränität

 

Die weltweite Hungersituation verschärft sich wieder - sie hat auch mit uns zu tun.

 

Es gibt viele individuelle Einflussmöglichkeiten. Hier eine Checkliste mit Kriterien für nachhaltige Ernährung:

 

  • Regionalität
  • Saisonale Ware
  • Frischware
  • Pflanzliche Lebensmittel
  • Bioprodukte
  • Fair Trade
  • Soziale Wirkungen
  • Umweltwirkungen

 

Wir sind die erste Generation, die die Auswirkungen des Klimawandels spürt und, wie Barack Obama sagte: „Wir sind die letzte Generation, die etwas gegen den Klimawandel tun kann". Andernfalls steht uns eine Welt bevor, in der keiner von uns leben will.

 

Wir sind Teil des Problems - werden wir Teil der Lösung.

 

Jürgen Bergmann

Mission-EineWelt

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